Interview: Volkan Özcan „Ich habe mit 22 Jahren angefangen mit Jugendlichen zu arbeiten“

Volkan Özcan ist ein deutscher Erzieher türkischer Abstammung. Bekannt wurde er in der Rolle des Tibet im Film „Chiko“

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Bei Wikipedia steht, dass Sie mit straffällig gewordenen Jugendlichen arbeiten, wie genau sieht Ihre Arbeit denn genau aus?

Ich arbeite seit ein paar Jahren nicht mehr mit straffällig gewordenen Jugendlichen. Ich arbeite zwar in einer offenen Jugendeinrichtung, aber mit ganz „entspannten“ Jugendlichen…Wikipedia ist wohl nicht mehr ganz so aktuell…

 

Foto: Volkan Özcan

Foto: Volkan Özcan

Aber Die Erfahrungen mit den jugendlichen haben Sie damals genutzt um die Rolle Tibet in dem Film Chiko zu spielen?

Die Erfahrungen kommen teils von den Jugendlichen. Ich habe mit 22 Jahren angefangen mit Jugendlichen zu arbeiten und da ist mir klar geworden, dass ich was in die Richtung machen möchte. Ich selber bin in einem sozialschwachen Stadtteil von Hamburg aufgewachsen, indem die Kriminalitätsrate extrem hoch war. In meinem Bekanntenkreis waren auch viele Leute, die mit Drogen handelten, mit Hehler Ware, Zuhälterei und was es eben noch so gibt an Kriminellen scheiß. Man musste nur jemanden Bescheid sagen und in einer halben Stunde hattest du was du wolltest. Mir war das alles zu risikoreich, da die Polizei eh immer durch das Viertel gefahren ist und die wussten, auf welche Typen sie besonders achten müssen. Außerdem hätte meine Mutter mich schlimm zugerichtet, wenn ich Quatsch gemacht hätte…die Mutter von „Tibet“ kommt meiner Mutter sehr nah…das war mir und dem Regisseur von „Chiko“, mit dem ich zusammen aufgewachsen bin, sehr wichtig.  Diese Erfahrungen haben mir geholfen, die Rolle „Tibet“ zu spielen. Man kannte viele Jungs die so drauf waren wie „Chiko und Tibet“.

 

Wie sind Sie denn in den Film reingerutscht, denn Schauspieler sind Sie ja nicht?

Nein, ich bin kein Schauspieler. Ich hatte natürlich viel Glück, dass ich diese geile Rolle spielen durfte. Der Regisseur Özgür Yildirim hatte die Idee zu diesem Film bevor er das Studium beendet hatte. Er und ich entwickelten die Story, er schrieb das Drehbuch und reichte es bei Corazon, die Produktionsfirma von Fatih Akin, ein. Der war begeistert: Sagte nur „Wir drehen den heftigen Scheiß“…Meine Aufgabe war nun mich richtig auf diese Rolle vorzubereiten, die Produzenten von mir zu überzeugen, weil ich eben kein Schauspieler war und vorher nie Professionell in dem Bereich gearbeitet habe. Ich war ein niemand für die Produzenten und deshalb musste ich beim Casting richtig reinhauen, also alles geben. Ich habe ein Jahr vor Drehbeginn, meine Haare zum Irokesen schneiden lassen wie „Tibet“ es im Film hat. Habe eine „echte“ Figur mit einer Biographie geschaffen und mich ganz auf diese Figur konzentriert. Ich wusste alles über „Tibet“…wo er geboren ist, wie mit seiner Mutter lebt, warum er keinen Vater hat, was für ein Abschluss er hat, was er gerne isst, was er nicht essen mag…Ich habe ihm ein Leben von seiner Geburt bis hin zum Start des Film, wo er 26 ist, gegeben. Ich weiß gar nicht wie viele Seiten ich am Ende hatte, wo ich „Tibets“ Biographie geschrieben habe, aber es waren massig Seiten… Das hat mir alles geholfen, um beim Casting die Figur darzustellen. Ich konnte alle überzeugen und durfte es spielen. Natürlich hätten Til Schweiger und Michael „Bully“ Herbig die Rollen „Chiko und Tibet“ spielen können…ich weiß aber nicht, ob es so realistisch rüber gekommen wäre.

 

Waren Sie eigentlich Moritz Bleibtreu gegenüber sehr nervös? und wie hat er Sie denn so aufgenommen als „Nicht“-Schauspieler?

Ich habe da eigentlich gar nicht so drüber nachgedacht, dass ich mit Moritz Bleibtreu spielen werde. Ich wusste, dass ich gut vorbereitet bin und das hat mir die Sicherheit gegeben die ich brauchte, um meine Nervosität im Zaun zu halten. Na klar war es ein tolles Erlebnis, mein Schauspieldebüt mit Moritz Bleibtreu starten zu dürfen. Er ist ein Profi vor der Kamera und das merkt man an seiner Arbeit, den Umgang mit den Schauspielern und den Filmemachern.
Moritz hat mich sehr herzlich aufgenommen. Er ist mit mir umgegangen wie mit den Professionellen  Schauspielern. Er machte da keine Unterschiede. Er fand mich Schauspielerisch sehr gut…zumindest sagte er das…ob es stimmt, sei dahin gestellt, aber ich glaub ihm einfach mal.

 

Ich nehme an, das Arbeiten mit jugendlichen macht Ihnen mehr Spaß als die Schauspielerei oder wieso haben Sie nach Chiko keinen weiteren Film gedreht?

Nein, nein, mir macht die Schauspielerei sehr viel Spaß…nur bisher habe ich meist nur Angebote bekommen, wo ich den gleichen Charakter wie „Tibet“ gespielt hätte. Ich stehe auf Charakterrollen, habe aber keinen Bock in eine Schublade gesteckt zu werden und immer die gleiche Rolle zu präsentieren. Diese Rolle bei „Chiko“ ist für mich einmalig und unschlagbar. Ich möchte nicht wegen einem schlechten Drehbuch mir mein Schauspieldebüt versauen. Es sei denn das Drehbuch haut mich echt um…dann spiele ich vielleicht noch mal eine ähnliche Rolle. Ich habe nach „Chiko“ bei einem Kurzfilm für die Hamburg Media School mitgespielt. Der Titel ist „Todsichertot“.  Ich werde weiter mit Jugendlichen arbeiten, was ich auch gerne mache. Ich würde meinen festen Job für die Schauspielerei nie aufgeben, weil ich bei der Schauspielerei immer drauf hoffen muss das nächste Angebot zubekommen. Ich will nicht in der Zwischenzeit, wo ich kein Film dreh, Hartz4 zu beziehen und drauf warten, dass ich endlich wieder eine Rolle bekomme. Ist mir zu schwammig.

 

Gibt es auch keine Projekte in der Richtung?

Logisch möchte ich mal wieder vor die Kamera. Es gibt Ideen zu neuen Projekten, aber mal schauen, wie sich das alles entwickelt. Verraten wird jetzt noch nichts.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Wer dies liest, ist doof 🙂

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Ich möchte nicht zwischen Ottfried Fischer und Reiner Calmund sitzen. Wenn dann auch noch Lena Meyer-Landrut reinkommt, um ein Sprechgesang auf ihrem Scheiß Cockney Englisch vorzuführen, ist der Saunagang ganz gelaufen.

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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