Andreas Altmann „Die Leute lesen meine Geschichte und lesen parallel dazu ihre eigene“

Andreas Altmann ist ein deutscher Reiseautor, Reporter und Schriftsteller.

Unterstütze diesen Interviewpartner:
Klicke auf den Artikel und besuche die Links

Homepage | Facebook | mehr Infos…

Jetzt bei Amazon, bestellen um die Autoren damit zu unterstützen! Vielen Dank!

1 _ Nathalie Bauer _ 72

Normalerweise beginne ich immer am Anfang einer Karriere mit meinen Fragen, hier aber mit dem Aktuellem. Gerade heute habe ich in Dein Hörbuch reingehört „Das Scheißleben…“ Das Buch dazu erschien ja bereits 2011, was hat sich seitdem für Dich verändert?

Geändert? Also, da fällt mir ein ZEN-Spruch ein: „Vor der Erleuchtung Holz hacken und nach der Erleuchtung Holz hacken und Wasser holen“. Nun denn, dieses Buch schreiben hat mich nicht erleuchtet, aber die japanische Weisheit soll sagen: Nicht nachlassen, nicht schlampig werden, nicht doof werden. Sprich, ich muss jeden Tag ran und jeden Tag mich anstrengen, um  ein paar gerade, passabel intelligente Sätze zu schreiben. 

Wem im Speziellen würdest Du empfehlen das Buch zu lesen bzw. das Hörbuch zu hören?

Wie soll ich das wissen? Die einen mögen das, die anderen das andere. Ich mag beides, ich liebe lesen, ich liebe zuhören. 

Hast Du das Buch auch so ein wenig als Ratgeber geschrieben, für die, die selbst eine schlimme Kindheit hatten?

Soweit kommt es noch, Doktor Altmann gibt Rat, wie man mit einem rabiaten Nazivater und mit römisch-katholischen Pfaffen umgehen soll, die Kinder missbrauchen. Ich habe dreißig Jahre gewartet, um dieses Buch zu schreiben. Damit der Rotz reinkommt, damit ich nicht als ambulanter Tränensack rüberkomme. Das Buch soll verstören, mitreißen, anfeuern! 

Warum denkst Du finden die Menschen es interessant aus der Kindheit von anderen zu lesen? Gerade im Speziellen die, die Dich vielleicht nicht kennen?

Der unglaubliche Erfolg des Buches hat einen einzigen Grund: Die Leute lesen meine Geschichte und lesen parallel dazu ihre eigene. Meine Geschichte ist so anders nicht. Sie ist die Geschichte von Millionen Kindern, die unter die Räder namenloser Gewalt gerieten. 

In einem Interview habe ich gelesen, dass Du früher Bücher geklaut hast. Gerade bei einem Hörbuch ist es ja der Masse nicht schwer es „zu klauen“ illegal irgendwo runterzuladen, wie stehst Du heute dazu?

Ich bin absolut dagegen, denn der Künstler muss für seine Arbeit bezahlt werden. Ich kaufe mir Musik immer über iTunes. Diese Piraten/Schmarotzer-Kultur ist ätzend. Ich habe unheimlich viel geklaut, aber nie habe ich meine Schandtaten ideologisch gerechtfertigt. Ich habe geklaut, basta. Ich habe nicht einen Moment vergessen, dass es Unrecht ist. Aber der Trieb war da, die Lust am thrill, die Neugier auf mich selbst: Ob ich denn die Nerven hätte, wieder und wieder abzuräumen. Über die heutigen Schreibtischtäter, die nichts anderes riskieren als eine Abmahnung, kann man nur lächeln. Kinderpopo-Streiche. Himmel, soll das aufregend sein? 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Ha, du fragst mich die letzten Fragen der Menschheit. Geplant ist immer: dass ich die nächsten 24 Stunden achtsam und intensiv lebe, dass ich die Dinge tue, die ich kann und die ich liebe. Und die Finger davon lasse, was andere besser können. Nun aber konkret: ich schreibe gerade an meinem Palästina-Buch („Verdammtes Land“), das im März 2014 herauskommt. Im Herbst 2013 gibt es eine Lesetour, mit dem „Dies beschissen schöne Leben-Buch. Uff, ich muss schuften. Wäre ich Genie, bräuchte ich nur Genie sein. 

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Stay hungry. Lass dich nicht verblöden, nicht vom Staat, nicht von der Religion, nicht vom Kommerz.  Jeder hat nur ein Leben. Wenn er Glück hat. Viele haben keins, denn sie verplempern es. Grausam fad, grausam verführt vom Schwachsinn, der uns um die Ohren saust. Denk für dich selbst, lerne, nicht zu gehorchen, sei verantwortlich für dein DA-Sein. 

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Da mich ein Kritiker einmal zu Recht als „widerlichen Ästheten“ beschimpfte, dürften nur schöne kluge MitmenschInnen neben mir sitzen. 

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

Das könnte Dir auch gefallen: