Michael Pattis und Ronny Matthes „Die GEMA macht momentan alles richtig, um Mitbewerbern den Weg zu ebnen“

Michael Pattis Geschäftsführer von Payback Sound dem gemafreien Musikverlag und Ronny Matthes Komponist und Produzent von Payback Sound.

Unterstütze diesen Interviewpartner:
Klicke auf den Artikel und besuche die Links

Homepage | Facebook | mehr Infos…

Jetzt bei Amazon, bestellen um die Autoren damit zu unterstützen! Vielen Dank!

LOGO_gallery2

Man liest ja immer überall „Die böse GEMA“ und da sind Begriffe wie „Gemafrei“ ja gleichbedeutend mit „besser“ Doch wenige wissen glaube ich genau was die GEMA überhaupt ist und wofür die GEMA steht, Ronny erklär den Lesern das doch mal aus Deiner Sicht.

Die GEMA ist, meiner Meinung nach, eine durchaus sinnvolle Institution. Nach ihren eigenen Angaben soll sie für die Künstler eintreten und durch eine angemessene Tarifgestaltung zur Finanzierung weiterer Werkschöpfungen beitragen. Es ist  jedoch allgemein bekannt, dass nur verhältnismäßig wenige Urheber von der GEMA ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Die Führungsstruktur und die Organisation der stimmberechtigten Mitglieder sind jenseits jeglicher Demokratie, da nur jene Mitglieder Einfluss ausüben können, die auch am meisten von diesem Verein profitieren. 

Das GEMA-frei auch „besser“ bedeutet ist ein Trugschluss, da diese Musik meistens von stark wechselnder Qualität geprägt ist. Grund hierfür sind die sehr begrenzten Budgets bei der Produktion. Als etablierter Verlag sind wir in der Lage auch Aufnahmen mit Gesang und Instrumenten weltweit zu vertreiben. Rückblickend auf die letzten Jahre, gebe ich allerdings zu, dass der Weg bis hierher nicht einfach war. Es gab zahlreiche glückliche Umstände und starke Partner, die es uns ermöglicht haben das Unternehmen zu gründen und heute mit über 400 Titeln im Handel präsent zu sein. 

Würdest Du sagen, dass die GEMA ungerecht handelt, wenn ja, wie könnte die GEMA das fairer gestalten, was wäre Dein Lösungsansatz?

Die GEMA macht momentan alles richtig, um Mitbewerbern den Weg zu ebnen. Mit jeder Veränderung des Tarifsystems wird der Ruf nach einer alternativen Verwertungsgesellschaft und unabhängig lizenzierbarer Musik lauter. Ein fairer Lösungsansatz wäre eine transparentere Verteilung der Tantieme. Es ist fragwürdig, wenn unbekannte Künstler mit ihren wenigen Auftritten auch noch die Ausschüttungen der Berühmtheiten aufstocken.

Ich habe mich vor kurzem mal mit einem Freund unterhalten. Der sagte „Wenn ich eine CD mit Musik kaufe, dann sollte ich doch auch die Rechte haben das z.B. auf Veranstaltungen zu spielen oder als Hintergrundmusik für Videos etc. zu benutzen. Warum kann das nicht so einfach sein?

Es könnte so einfach sein. Die Preispolitik muss an das gewünschte Produkt angepasst werden. Payback Sound hat sich dazu entschlossen: Durch 3 Lizenzmodelle kann der Nutzer selbst wählen, in welchem Umfang er die CD erwerben möchte. 

Payback-Sound, die GEMA-freie Variante von Musik. Auch bei Euch gibt es verschiedene Lizenztypen. Wenn man sich mal die Mühe macht die Preise mit der GEMA zu vergleichen, fällt auf, dass die Preise soweit ich das sagen kann deutlich günstiger sind. Wie funktioniert die Verteilung der Gelder bei Euch und wo sind die Unterschiede zur GEMA?

Wenn du die beteiligten Künstler meinst, dann findet die Verteilung gemäß der Einnahmen an dem jeweiligen Album statt oder durch einmalige Abfindungen pro Song. Die Einnahmen setzen sich aus dem traditionellen Vertrieb der CD´s, der mp3 Downloads, sowie der Lizenzierung zusammen.   Garantieren können wir eine Ersparnis von 85 % im Vergleich zu den GEMA-Tarifen. Mit über 40 CD´s im Handel und regelmäßigen neuen Produktionen ist für ausreichend Abwechslung gesorgt. 

Wenn man Künstler ist, Musiker ist, muss man ja auch leben und Geld verdienen, das ist doch sicher als GEMA-Mitglied für viele zunächst einfacher oder? Was bewegt Künstler den Schritt eben nicht zu machen und zb. bei Euch CDs zu produzieren?

Das kommt darauf an, welche Künstler man fragt. Die GEMA vertritt nur die Interessen der Komponisten nicht jedoch die der ausübenden Künstler. Hierfür ist die GVL zuständig – aber dies ist ein anderes Thema. 

Ich habe gelesen dass Du Michael ein Hotel besitzt und daher auf die Idee gekommen bist diese Art von Musik anzubieten. Kannst Du da einen direkten Vergleich machen, was Du mal bezahlt hast als Du noch Musik der GEMA hast spielen lassen und wie viel es jetzt kostet mit der Musik von Euch?

Aufgrund der positiven Firmenentwicklung der Payback Sound GmbH habe ich das Hotel verkauft und widme mich ausschließlich unserem Musikverlag. Damals nutzten wir im  Hotel nur  GEMA-freie Musik von  Payback Sound. Durch die Einsparung der GEMA-Gebühren in Höhe von ca. 4000 Euro jährlich, war es möglich geworden auch Bereiche wie Parkanlagen, Gärten, Flure, Webseiten und Telefonwarteschleifen zu beschallen. 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Erst die Hälfte der bereits produzierten Musik befindet sich im Handel. Weitere Veröffentlichungen werden bald folgen. Außerdem sind  Give Away Produktionen für Unternehmen, die eine eigene CD wünschen, Künstlercastings und  neue Aufnahmen im Tonstudio geplant. 

Gibt es etwas, dass Du Ronny gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Die  größten Schätze unserer Musikliteratur sind lange vor der GEMA entstanden. Wir dürfen aus einem riesigen Fundus musikalischer Kostbarkeiten schöpfen und diese neu entdecken. Meiner Ansicht nach sollte man dem kommerziellen Mainstream nicht zu viel Bedeutung beimessen. 

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Tut mir leid, die wahrheitsgemäße Beantwortung dieser Frage würde leider im Konflikt mit der Philosophie der Payback Sound GmbH stehen.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

Das könnte Dir auch gefallen: