Richter Alexander Hold „Das wahre Leben kann viel skurriler als Fernsehen sein“

Richter Alexander Hold ist eine erfolgreiche, weil modern, juristisch fundiert, höchst unterhaltsam und hochwertig umgesetzte Gerichts-Show unter dem Vorsitz des unverwechselbaren und sympathischen Richters Alexander Hold.

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Sorry für jeden Zuschauer im Gerichtssaal, der aufsteht und die Wendung bringt. Aber das ist Kammerspiel. Sorry für manch skurrilen Fall. Aber das wahre Leben kann viel skurriler sein, als wir es im Fernsehen überhaupt darstellen können.

Richter Alexander Hold

Aus einem Bekanntenkreis weiß ich das einige Menschen die Deine Richtersendung im Fernsehen schauen denken, dass Du auch ein Schauspieler und kein „echter“ Richter bist. Dem ist ja aber natürlich nicht so. Wann war Dir eigentlich klar, dass Du diesen Beruf, Anwalt / Richter lernen möchtest? Gab es da einen bestimmten Punkt in Deinem Leben?

Nach dem Abitur habe ich mir auch eine Weile überlegt, Medizin zu studieren und auch einige Monate im Krankenhaus gearbeitet. Seitdem habe ich eine große Hochachtung vor allen medizinischen und pflegerischen Berufen. Ich wurde dann aber klar, dass ich nicht zufällig die Leistungskurse Mathematik und Deutsch belegt hatte, denn das analytische Denken und die Arbeit mit der Sprache waren einfach mein Ding und so war Jura das perfekte Studienfach. Dass ich dann auch noch Richter werden konnte, verdanke ich dem Glück, dass meine Examensnoten besser waren als es der Lernaufwand erwarten ließ.

Ich stell mir den Beruf sehr schwer vor, weil man ja immer irgendwie mit dem schlechten im Menschen in Kontakt kommt, frustriert das nicht auch ein wenig? Läuft man da Gefahr, dass man manche Fälle zu sehr emotional an sich ran lässt?

Es ist einerseits wichtig, dass man die Schicksale der Beteiligten nah genug an sich heran lässt, um sie Menschen zu verstehen und um ihnen gerecht zu werden. Andererseits habe ich es immer ganz wichtig gefunden, dass man mit dem Ende eines Prozesses auch mit dem Fall abschließt und nicht mehr nachsinniert oder gar das Ergebnis und die eigene Entscheidung in Zweifel zieht. Das konnte ich immer ganz gut, diese große Distanz nach großer Nähe ist aber auch ein notwendiger Selbstschutz. Wer viel mit Strafrecht zu tun hat läuft zudem schon  Gefahr, den Glauben ans Gute im Menschen zu verlieren und zynisch zu werden. Vielleicht bin ich misstrauischer als der Durchschnittsmensch, aber mir hat noch immer gereicht, mir der Gefahr des Zynismus bewusst zu sein, um es nicht zu werden.

Irgendwann kam ja Sat.1 auf Dich zu und hat Dich gefragt ob Du an einer Sendung mitwirken willst oder wie war das?

Ich wurde ganz unerwartet TV-Richter. Ich bekam aus heiterem Himmel einen Anruf von der Produktionsfirma Constantin Entertainment, ob ich mir vorstellen könne, im Fernsehen als TV-Richter zu arbeiten. Ich habe das gar nicht ernst genommen und dreimal hintereinander einfach aufgelegt.. Beim vierten Mal fragte der Mann am anderen Ende der Leitung, ob er denn einmal in eine meiner Gerichtsverhandlungen kommen könne. Die Verhandlungen sind öffentlich, ich konnte es ihm also nicht verbieten. Als er dann da war, kamen wir ins Gespräch und meine Neugier war schnell geweckt.

War die Entscheidung dann ins Fernsehen zu gehen schwer für Dich?

Mein großer Motor war diese Neugierde. Ich habe immer versucht, neue Dinge kennenzulernen und auszuprobieren. So hatte ich auch bei der Justiz in neun Jahren elf verschiedene Referate. Allerdings gefiel mir in dieser Zeit die mediale Darstellung der Justiztätigkeit nicht. Selbst wenn ich Berichte über Verhandlungen las, die ich selbst geführt hatte, fragte ich mich oft, ob der berichtende Journalist in einem anderen Gerichtssaal gesessen hatte als ich. Ich musste leider feststellen, dass es sehr schwer ist, über die Medien den Menschen die Rechtsprechung und das Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit näherzubringen. In der Fernsehshow sah ich für mich diese Chance gekommen. Man hört und liest ja zum Beispiel oft, die Justiz interessiere sich nur für die Täter, die Opfer hingegen würden schäbig behandelt. Durch meine Verhandlungen kann ich zeigen kann, dass die Justiz ihr Handeln eben doch am Wohl des Opfers ausrichtet, indem beispielsweise Opfern eine erneute Konfrontation mit dem Täter erspart wird und Kinder über Video aus dem Nebenzimmer vernommen werden, damit sie nicht nochmals traumatisiert werden.

Warum glaubst Du sind Gerichtssendungen wie Deine auch nach so einer langen Zeit im Fernsehen noch so erfolgreich? Was ist die Faszination an Gerichtssendungen?

Es ist schon erstaunlich: Meine Sendung ist ja eigentlich ein Kammerspiel, das jeden Tag mit denselben Protagonisten in demselben Saal mit dem immer gleichen Ritual des Strafprozesses stattfindet. All die tollen Möglichkeiten mit den schönen und abwechslungsreichen Bildern eines Krimis oder der vielen neuen Formate um uns herum haben wir nicht. Dass die Zuschauer meiner Sendung trotzdem so lange die Treue halten, liegt wohl daran, dass das Format die spannende Tätersuche eines Krimis verbindet mit der Möglichkeit das eigene Rechtsverständnis zu überprüfen. Die Gerichtsverhandlung erschöpft sich eben nicht in der Antwort auf die Frage „Wer war`s?“, sondern ich vermittle, wie die Gesellschaft – vertreten durch die Justiz – mit einem Konflikt umgeht. So werden Werte justiert und Diskussionen angestoßen. Das klingt jetzt alles sehr trocken und ich denke auch, der Zuschauer hätte keine Lust auf ein Telekolleg Wertediskussion. Verpackt in kurzweilige Unterhaltung nützt es sich aber offensichtlich weniger schnell ab als so manche Bloßstellung unglücklicher und unbedarfter Menschen.

Könntest Du Dir vorstellen wieder in den Beruf zurückzukehren? Denkst Du es gäbe da Schwierigkeiten durch Deine „Berühmtheit“ aus dem TV?

Ich habe eigentlich nicht den Eindruck, dass ich nicht weiterhin in meinem Beruf stehe! Mein Schreibtisch ist voller Akten, Gesetzestexte und Kommentare und täglich überlege ich mir ein Urteil. Aber wenn die Frage auf eine Rückkehr in die Justiz zielt: Ich liebe diesen Beruf und ohne das Wohlwollen und die Zusage des Justizministeriums, dass ich wieder zurück kommen kann, hätte ich das Abenteuer Fernsehen gar nicht gewagt. Das Vertrauen der Beteiligten hängt dann sicherlich nicht davon ab, ob man bekannt ist oder nicht. Das muss man sich so oder so in jedem Fall durch gute Vorbereitung, geduldiges Zuhören und intensives Eingehen auf die jeweiligen Menschen neu erarbeiten.

Es müsste ja kurz vor Folge 2.000 stehen im Moment oder? Du hast auch nach wie vor da Lust dazu, es wird Dir nie langweilig?

Ja, wir drehen dieser Tage die 2000. Folge und ich finde es spannend wie am ersten Tag, zwei Ziele in Einklang zu bringen, die auf den ersten Blick schwer unter einen Hut zu bringen sind: Einerseits den Zuschauer spannend zu unterhalten und ihm andererseits das andauernde Streben nach Recht und Gerechtigkeit und ganz beiläufig so manches ernste Thema in einer verständlichen Sprache näher zu bringen, was unter Juristen leider gar nicht so üblich ist.

Ich habe gelesen, dass Du auch schon am Theater gespielt hast, ist das noch so eine Richtung in die Du weiter gehen möchtest?

Nebenbei ist Theater sehr spannend, aber das Juristische ist meine berufliche Heimat. Ich bin ja kein Schauspieler, denn ich spiele keinen Richter, sondern mich selbst. Aber natürlich gibt es immer wieder Angebote und es hat seinen Reiz, auf der Bühne zu stehen oder bei einer anderen TV-Serie kleine Gastrollen zu spielen. Das ist vielleicht auch der Versuch, sich selbst zu erfahren und Grenzen auszuloten. Auch Moderieren macht Spaß – aber ich bin mit Herz und Verstand Jurist – und alles andere sind nur so die Zuckerchen nebenbei!

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Man sollte nicht außer Acht lassen, dass eine tägliche Sendung- in der ich ja nie fehlen darf – schon echte Knochenarbeit ist. Die Vorarbeit bevor die Kameras zu laufen beginnen macht dabei den zwar unsichtbaren, aber größeren Teil aus. Vor diesem Hintergrund versuche ich eher, mir nicht allzu viel Zusätzliches vorzunehmen. Es kommt ja dann doch auf einen zu…

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Sorry für jeden Zuschauer im Gerichtssaal, der aufsteht und die Wendung bringt. Aber das ist Kammerspiel. Sorry für manch skurrilen Fall. Aber das wahre Leben kann viel skurriler sein, als wir es im Fernsehen überhaupt darstellen können.

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen? 

In der Sauna liege ich eigentlich immer…

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de
Foto © Michael Wilfing