Marco Preuß „92,4% aller mobilen Schädlinge auf Android“

Marco Preuß: Nach seiner Ausbildung im Bereich Netzwerktechnik und Sicherheit war Marco Preuß zunächst auf dem Gebiet Netzwerksicherheit tätig, bevor er im Jahr 2004 als Technical Consultant zu Kaspersky Lab wechselte. Seit 2009 widmet er sich bei Kaspersky Lab als Virus Analyst der Virenanalyse und Entwicklung von Schutztechnologien. Auch heute noch ist er als Head of Global Research and Analysis Team, DACH in diesem Bereich tätig. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem Sicherheit für Linux-Systeme und Apple Mac.

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Man sollte darauf achten, dass man jedes Geräte so weit wie möglich absichert. PCs und/oder Notebooks, egal ob Mac oder Windows, sollten mit entsprechender Schutzsoftware ausgestattet sein. Auch für Android-Geräte ist das aufgrund der hohen Schädlingsanzahl Pflicht.

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Ein spannendes Thema sind ja Smartphones, gerade weil man mit diesen zuhause auch einiges steuern kann. Du als Virenexperte würdest welches Betriebssystem empfehlen, ist es tatsächlich so, dass Android am sichersten ist?

Leider gibt es keine hunderprozentige Sicherheit. Jedes Betriebssystem hat unterschiedliche Sicherheitstechniken implementiert und lässt sich gegebenenfalls weiter schützen. Eine allgemeingültige Empfehlung ist somit nicht möglich. Android hat die größte Verbreitung und Google versucht über diverse Methoden die Plattform zu schützen, jedoch zielt der Großteil der mobilen Schädlinge auf Android ab (derzeit tun dies 92,4% aller mobilen Schädlinge). iOS (iPhone,iPad) hat eine geringer Verbreitung und einen geschlossenen App-Store (von Apple betrieben). Hier gab es schon erfolgreiche Versuche Schädlinge zu platzieren. Der Anwender hat nur wenig Kontrolle über die Aktivitäten von Apps und muss auf Apple vertrauen.

Das „normale“ Heimnetzwerk sollte Deiner Meinung nach wie am besten abgesichert sein, mit welchen Gefahren muss der „Normalbürger“ rechnen?

Man sollte darauf achten, dass man jedes Geräte so weit wie möglich absichert. PCs und/oder Notebooks, egal ob Mac oder Windows, sollten mit entsprechender Schutzsoftware ausgestattet sein. Auch für Android-Geräte ist das aufgrund der hohen Schädlingsanzahl Pflicht. Gefahren liegen zusätzlich bei der Vernetzung (WLAN), welches unbedingt verschlüsselt sein sollte. Für Gäste sollte ein zusätzliches WLAN erstellt werden, um möglicherweise infizierten Systemen den Zugriff auf die eigenen Systeme zu unterbinden. Wichtig ist auch das Thema Passwort-Sicherheit, da immer häufiger Cloud-Dienste benutzt werden, um Daten zwischen den unterschiedlichen Geräten zu synchronisieren. Einfache und gleiche Passwörter für unterschiedliche Dienste, machen es für Angreifer einfach, auch persönliche Daten zuzugreifen und gegebenenfalls an Kreditkarten-Daten zu kommen.

Oft ist es ja so, dass der „Normalbürger“ denkt ihm könne nichts passieren er sei nicht interessant genug, stimmt das oder gibt es bei jedem was zu holen?

Viele Benutzer betreiben Online-Banking oder auch Online-Shopping. Hier greifen Kriminelle an um direkt an das Geld der Benutzer zu kommen. Auch werden Accounts zum Beispiel von Sozialen Netzwerken ausgespäht, um weitere Attacken durchzuführen. Infizierte Systeme können auch Teil eines Botnetzes werden und somit für DDoS-Angriffe missbraucht werden. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Angriffe, die jeden treffen können, da jeder Nuzter für die Kriminellen potentiell interessant ist!

Es gibt ja Security-Suites wie Sand am Meer, wo liegen eigentlich die genauen Unterschiede?

Security-Suites enthalten eine Fülle an Funktionen um den Anwender zu schützen. Unser Flagschiffprodukt Kaspersky Internet Security 2013 wurde vor kurzem veröffentlicht und bietet Anwendern noch mehr Sicherheit. Mehr unter: http://www.kaspersky.com/de/internet-security

Wie bist Du eigentlich zu diesem Beruf gekommen? Was fasziniert dich so an Cyber Kriminalität, Viren, Trojaner etc.?

Sicherheit war schon immer ein wichtiges Thema für mich, womit ich mich auch lange Zeit privat beschäftigt habe. Bei Kaspersky Lab hatte ich dann im Produktbereich angefangen und bin in den Research-Bereich gewechselt. Es ist technisch anspruchsvoll und sehr interessant, da jeden Tag neue Herausforderungen warten. Man muss kreativ sein und eine bestimmte  Affinität zum Thema mitbringen. Zusätzlich ist es natürlich ein gutes Gefühl mit seinem Wissen und Können anderen Menschen zu helfen, indem man sie vor Kriminellen schützt.

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Vorsorge ist besser als Nachsorge. Es gibt gute Möglichkeiten sich einfach zu schützen (Installation von Sicherheits-Software, regelmäßige Updates von allen genutzten Programmen). Wurde jedoch ein Angriff erfolgreich ausgeführt, ist es schwer wieder beispielsweise an das gestohlene Geld zu kommen oder den verursachten Schaden wieder gut zu machen.

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Saunaregeln gibt es wohl einige, wobei Schweigen für viele wichtig ist. Daher ist ein Ausschluss von Personen nicht relevant.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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