Der ESC in Baku 2012: Erstes Halbfinale

 

Mann, müssen die Geld haben, war mein erster Gedanke. Wirklich Geld. Diese große Bühne, fast schon zu groß – die wenigsten konnten die Fläche ausnutzen. Aber die Effekte, die vielen LED-Bildschirme: großes Kino. Und dann sah man in den Trailern Bilder von Baku und denkt sich, dass das ja cooler und reicher aussieht als in Dubai… Aserbaidschan versucht alles, um sein Image zu verbessern und buttert vor allem sehr viel Geld rein. Was das am Ende des Abends bringt bzw. nach dem ESC, das wird sich zeigen. Die Einhaltung der Menschenrechte ist schließlich mehr wert als jedes Geld dieser Erde… Die Show jedenfalls war toll, eines der besten Halbfinale, die jemals übertragen wurden. Die Moderator_innen, ja, nicht immer sicher in den Fremdsprachen, vor allem nicht beim Französischen, das Herzlich Willkommen in der Landessprache habe ich verstanden (hört sich fast exakt wie im Türkischen an). Die aserbaidschanischen Tänze in der Voting-Pause waren wirklich sehr schön. Auch das „Voting-Fenster“, eine Neuerung schon wieder beim Abstimmen, ist fairer als im letzten Jahr: Es kann nur eine Viertelstunde gewählt werden. Und auch das mit dem Green Room, der in dieser großen Halle integriert wurde, war eine feine Idee. Der schönste Veranstaltungsort seit langer Zeit eben…

Nun zum Contest selbst: Albanien war die größte und einzige Überraschung, wenn die Schweizer anstatt der guten Albanerin ins Finale gekommen wären… Aber die Schweizer hatten zwar ein gutes Lied und performten gut, aber der Sänger konnte überhaupt nicht singen, drückte nur die Worte aus seiner Kehle – Gesang ist wirklich etwas anderes. Wobei das Halbfinale gezeigt hat, dass man ja nicht unbedingt eine gute Stimme braucht, um weiter zu kommen. Die Griechin Eleftheria Eleftheriou beeindruckte eher durch ihr Aussehen und ihren Slip als durch gesangliches Können. Aber war natürlich eine sichere Bank, ebenso wie die Zypriotin, die dieses Jahr tatsächlich das bessere „griechische Lied“ singt. Sehr süß und doch erfolglos war Pernilla, die Schwedin aus Finnland, Schade! Weh getan hat, dass die Österreicher, wie befürchtet, tatsächlich schon raus sind. Dabei haben sie als eine der wenigen die Bühne gerockt und voll ausgenutzt, der Saal bebte bei ihrem Auftritt. Dass dafür der Moldawier Pasha Parfeny weiter kam war besonders traurig, das war doch nix. Den peinlichsten Auftritt lieferte San Marino mit seinem Ralph Siegel-Lied ab: eine 37jährige Frau, die so eine Teenie-Lied singt? The Social Network Song? Nein, das ging gar nicht! Und die talentbefreiten Iren kamen auch weiter: Jedward. Diesmal überraschend nicht mit ihrer berühmten Frisur, die sie zur Marke gemacht hat, das Outfit gewohnt überirdisch. Der Gesang und das Tanzen unterirdisch, aber wie immer: sehr amüsant. Es ist ein grauseliger Ohrwurm, aber naja, man möchte ja auch unterhalten werden. Und eine schöne Frisur ist ein Muss: Nicht zuletzt die fettigen Haare des Montenegriners Rambo Amadeu waren sein Untergang. Neben eines Vortrags, der dann drei Minuten lang doch zu wenig Stoff gab. Ich freue mich schon auf das zweite Halbfinale: Ob das auch so unterhaltsam wird wie das erste?

Gastbeitrag von Jannis Plastargias
© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de
Bild © NDR/EBU

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