Interview mit der Synchronsprecherin Annina Braunmiller „Wenn ich mit meiner Arbeit zufrieden bin, vergesse ich, dass ich das bin, die da spricht“

 

Annina Braunmiller ist eine deutsche Synchronsprecherin. Bekannt ist sie durch die Synchronisation der US-amerikanischen Schauspielerin Kristen Stewart als Bella Swan in allen bislang erschienenen Twilight-Filmen.

 

Liebe LeserInnen,

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Annina, mit 6 Jahren haben Sie angefangen Ballett-unterricht zu nehmen. Tänzerin werden war also schon damals Ihr Traum? Auf einer Bühne zu stehen, zu unterhalten? Oder wann haben Sie gemerkt, dass es in diese Richtung geht?

Schauspielerin zu werden war schon immer mein Traum. Ich hab ja nicht nur früh angefangen zu tanzen, sondern auch in einer Theatergruppe mitgespielt. Als Kind hab ich generell viel ausprobiert (Leistungsturnen, Reiten, Tennis, Skifahren) – aber Schauspiel war schon immer das allergrößte! Als es dann darum ging, einen Ausbildungsplatz zu suchen, fand ich die Stage School – eine Musicalausbildung schien genau das Richtige für mich, da ich dort zusätzlich zum spielen auch tanzen konnte und sogar Singen gelernt habe :-)Aber ja, die Bühne/Film war schon immer mein Ziel!

 

Wie kam es dann später dazu, dass Sie am ZDF–Showballett mitgewirkt haben? Da muss man doch sicher schon richtig gut sein, das schafft sicher nicht jeder?

Das war ein ganz normales Vortanzen, eine sogenannte Audition, auf die mich eine Freundin aufmerksam gemacht hat. Natürlich muss man tänzerisch fit sein, aber im Showballett ist vor allem die Ausstrahlung wichtig – ein perfektes Turnout interessiert da zum Glück niemanden… Und da das Team und ich gut und gern zusammen gearbeitet haben, war ich da mehrere Jahre dabei, bis es zeitlich wegen der Sprecherei nicht mehr ging.

Und wie kam es dann dazu, dass Sie sich des Weiteren noch an Filmsynchronisation machten? Liegt ja irgendwie nicht wirklich nahe oder?

Ich wusste schon während der Ausbildung, dass mein Schwerpunkt im Schauspiel/Sprechen liegt. Ich habe in München dann mit einem Regisseur zusammengearbeitet, der auch als Synchronsprecher arbeitet –ihn habe ich dann über die Sprecherei ausgefragt, da mich Synchron schon immer interessiert hat! Glücklicherweise hat sich dann schnell rausgestellt, dass mir das wohl  einigermaßen liegt und da mir Synchron sehr viel Spaß macht, habe ich mich irgendwann ganz auf die Sprecherei verlegt.

 

Seit 2008 kann man sagen kennt eigentlich jeder Ihre Stimme. Stört es Sie eigentlich ein wenig, dass Sie dann doch eine gewisse Berühmtheit eher mit der Synchronisation erreicht haben als mit dem Tanzen? Oder täuscht das?

Wie gesagt, als Tänzerin zu arbeiten, war nie wirklich der Plan. Es gab einen Punkt in meinem Leben, wo ich ein Musicalangebot abgelehnt habe, um in München zu bleiben und mich auf die Spielerei/Sprecherei zu konzentrieren. Auch wenn es mir fehlt auf der Bühne zu stehen, habe ich diese Entscheidung nie bereut. Ich liebe die Sprecherei in all ihren unterschiedlichen Formen!! Aber klar, manchmal würd ich auch gern wieder selber spielen… Das man vor allem meine Stimme kennt, finde ich nicht schlimm, so ist mein Privatleben völlig ungestört, was sehr angenehm ist.

Schauen Sie sich eigentlich Filme an in denen Sie synchronisiert haben? Ich glaube ich hätte da Schwierigkeiten mit, hört sich dann für sich selbst doch sicher komisch an oder?

Grundsätzlich versuche ich, mir möglichst viel von meiner Arbeit anzuhören, denn nur so kann ich mich verbessern und ein Gefühl dafür bekommen, was hat funktioniert und was gar nicht. Aber manchmal ist das schon hart…Wenn ich jedoch mit meiner Arbeit zufrieden bin, dann kann es auch vorkommen, dass ich für kurze Zeit vergesse, dass ich das bin, die da spricht. Aber eine wirklich entspannende Erfahrung ist das nur selten 🙂

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, wo kann man Sie als nächstes Hören oder sehen?

Gerade ist „Das karmesinrote Blütenblatt“ auf DVD erschienen, eine mini-Serie, die für mich mit zu den tollsten Sachen gehört, die ich bisher gesprochen habe! Im Synchron steht jetzt  „Snow White and the Huntsmen“ an, worauf ich mich riesig freue, da ich diese Art von Filmen sehr mag. Und auch im Mai steht ein Projekt an, auf dass ich schon sehr gespannt bin, da darf ich aber noch nichts verraten… Bei den Hörbüchern kommen einige Fortsetzungen, von „Delirium“, „Touched“ und der Schlussteil von „Starters“ der „Enders“ heißen wird – alles Bücher, die mir sehr am Herzen liegen. Außerdem habe ich gerade „Scherbenparadies“ eingelesen und vier Märchen für eine Grimm-Hörspielbox. Und natürlich Ende des Jahres der letzte Twilight-Film, das wird sicherlich nochmal eine sehr intensive Aufnahmezeit… Was dieses Jahr sonst so passiert…wer weiß…

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Ich würde mich sehr gern für all die tolle Unterstützung bedanken – mir bedeutet es wirklich viel, wenn mir Leute schreiben oder sagen, dass ihnen meine Arbeit gefällt, denn ich kämpfe fast täglich mit Selbstzweifeln, und hadere mit meiner Leistung. Da tut es unwahrscheinlich gut zu erfahren, dass Menschen meine Arbeit schätzen!!

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Ui, eine wirklich schöne Frage. Doch auch echt schwer zu beantworten – ich bin grundsätzlich nicht unbedingt ein Saunagänger… aber wenn…puh, da gäb es schon einige, bei denen ich das merkwürdig fände… Generell wäre es wahrscheinlich nicht so entspannt, mit einem Regisseur oder Kollegen nackt zusammen zu sitzen und dann locker zu plaudern… ich meine, da wär ich so mit weggucken beschäftigt, dass ein Gespräch schwierig wird… und bei manch einem Politiker oder Umweltsünder würd ich mich so aufregen, dass ich sicher in der Hitze sicher einen Herzinfarkt bekäme…

 von Daniel Pietrzik | nachgebloggt | cc-by-nc 
Fotograf: Chris Hirschäuser