Interview: Olaf Reichmann „Meistens bekomme ich nur die Szenen zu sehen, in denen ich auch sprechen muss“

Olaf Reichmann ist ein deutscher Synchronsprecher. Er spricht zb. die Rolle des Ethan Rom in der Serie „Lost“.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews. 

Foto: Dietmar Spolert

Foto: Dietmar Spolert

Olaf, wie sind Sie eigentlich dazu gekommen Synchronsprecher zu werden? Rutscht man da irgendwie rein oder war das schon immer ein Berufswunsch?

Ich bin da sicherlich kein typisches Beispiel, da ich tatsächlich „irgendwie rein gerutscht“ bin. 1998 war ich beim Radio und habe dort Ingo Albrecht kennen gelernt, der zu diesem Zeitpunkt bereits ein bekannter Synchronschauspieler war. Ich habe ihn zu einem seiner Termine begleitet und bin dort mit meiner Stimme dem Regisseur aufgefallen. Meine „Karriere“ war also durchaus nicht geplant, wurde dann im Laufe der Jahre aber von vielen netten und aufmerksamen Kollegen gefördert. Ich hatte also – neben Talent – auch viel Glück.

 

Viele Kollegen sind ja auch selbst Schauspieler und spielen hin und wieder einige Rollen neben der Synchronarbeit, Sie aber nicht? Hat Sie das nie gereizt?

Doch. Natürlich hat mich das gereizt. Ich habe Ende der 80er-Jahre u.a. Theater in Düsseldorf gespielt, aber mit dem Fall der Mauer öffnete sich für mich die Tür zum Journalismus. Und ich habe mich dann dafür entschieden. Mit der Zeit ist mir dann der Drang zur Bühne verloren gegangen. Im Dunkeln vor dem Mikro fühle ich mich wohler. Aber ich stehe durchaus noch bei Live-Hörspielen und Lesungen vor Publikum.

 

Wie läuft eine Synchronisation zb. genau ab bei einem Kinofilm aus den USA? Sicher bekommen Sie diesen schon weit vor den Zuschauern in Deutschland zu sehen, was ja bestimmt nicht schlecht ist oder?

Das passiert nur in den seltensten Fällen. Meistens bekomme ich nur die Szenen zu sehen, in denen ich auch sprechen muss und auch das nur unmittelbar während der Synchronisation. Im Gegenteil: aus Geheimhaltungs- und Kopierschutzgründen werden viele Blockbuster heute im Rotoskop-Verfahren synchronisiert. Das heißt, die Leinwand bleibt schwarz oder das Bild wird grob verpixelt und erst, wenn die Sprache beginnt, öffnet sich wie mit einem Suchscheinwerfer „beleuchtet“ der relevante Teil des Bildes. Oft ist dann nur der Mund oder der Kopf des betreffenden Schauspielers zu sehen. Dadurch bleibt natürlich die Kunst auf der Strecke, da man für ein Nachempfinden der Situation, der Figur und ihrer Gefühle mehr sehen muss, als nur ihre Zähne. Viele Kollegen lehnen diese Art der Synchronisation inzwischen – zu Recht – ab. Wir äffen ja als Synchronschauspieler keine Stimmen nach.

 

Lernt man dann die Texte eigentlich vorher, oder ist das mehr Spontan beim ablesen?

Also „abgelesen“ wird schon mal gar nicht. Man lernt spontan beim ersten Lesen. Manchmal sind die Takes aber so lang, dass man auch während der Aufnahme ein Auge auf dem Text haben muss. Aber idealer weise klappt’s auswendig.

 

Das nächste Projekt ist „Der kleine Prinz“ erzählen Sie mal wie es zu dem Projekt kam.

Ich wurde zum Probesprechen eingeladen und wie es aussieht, hat’s gepasst.

 

Welche Rolle sprechen Sie in „Der kleine Prinz“ und wie würden Sie diese Rolle beschreiben?

Ich spreche den Fuchs. Er ist der lockere Part in „Der kleine Prinz“ und immer für einen lustigen Spruch gut. Viel wichtiger aber: Er ist dem kleinen Prinzen ein guter Freund auf den er sich unbedingt verlassen kann, und er lässt ihn bei seinen Abenteuern nie allein, auch wenn ihm oft nicht ganz wohl dabei ist. „Aufpasser“ ist vielleicht das falsche Wort, aber ich würde sagen, er hält ihm den Rücken frei.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, darf man da schon etwas verraten?

Beim Synchron ist alles eher kurzfristig. Ich bin selbst gespannt, was da alles in nächster Zeit kommt. Zunächst einmal freue ich mich auf die deutsche Kino-Premiere von „Chicken with Plum“ mit Mathieu Amalric (Anfang 2012), einem großartigen französischen Schauspieler, der für mich als seine deutsche Stimme immer wieder eine Herausforderung darstellt. Und dann bereite ich mich innerlich auf meine künftige Rolle als Tatort-Kommissar vor. Denn man weiß ja nie, in was man noch so alles hinein rutscht… 😉

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Fortuna Düsseldorf gehört in die 1. Liga! 

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Da gäbe es so viele, dass ich vorsichtshalber gar nicht erst rein gehe. 

 

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