Die Frauen von Hoheneck | TV Tipp

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Mittwoch, 9. November 2011 | 21:45 im Ersten

Produktinfo: Im Anschluss an den Fernsehfilm „Es ist nicht vorbei“ will die 30-minütige Dokumentation „Die Frauen von Hoheneck“ den historischen Hintergrund deutlich machen und ein Licht auf diesen bisher wenig bekannten, beklemmenden Teil der DDR-Realität werfen, der die Menschen bis heute nicht loslässt.

Im Frauengefängnis Hoheneck nahe Chemnitz wurden ab den späten 40er Jahren, vor allem aber nach 1970, Frauen inhaftiert, die wiederholte Ausreiseanträge gestellt oder Republikflucht geplant hatten. Ihr Wunsch nach Freiheit, nach Familienzusammenführung u. a. wurde vom DDR-Regime mit Kriminalisierung, erniedrigenden Haftbedingungen, Übergriffen des Knast-Personals (z. B. Schlägen) sowie der Ärzte (Behandlung mit Psychopharmaka), Zwangsarbeit und vor allem mit der Zerstörung ihrer Familien (Zwangsadoptionen, geheimdienstliche Zersetzung innerhalb der Familie und andere Maßnahmen) beantwortet. Heute, im Jahr 22 nach dem Mauerfall, geht es aber vor allem um die Frage der Aufarbeitung: Können die Frauen von Hoheneck Ruhe finden?

Die Autoren Kristin Derfler und Dietmar Klein haben in mehrjährigen Recherchen mit vielen Frauen gesprochen. Drei exemplarische Beispiele stellen sie im Film vor: Ellen Thiemann wurde wegen versuchter Republikflucht verurteilt, verraten vom eigenen Ehemann. Ihre Inhaftierung in Hoheneck bleibt ein Trauma und ist noch heute lebendig. Sie klagt Menschen an, die dabei mitmachten, sie wie viele andere Frauen systematisch zu entrechten. Sie gibt sich nicht damit zufrieden, dass die Taten längst verjährt sind, und sich die Täter hinter bürgerlichen Fassaden verstecken können.

Helga Riede wurde verraten, als sie im Kofferraum eines Autos in den Westen wollte. Verräter war der Mann ihrer Schwester, der dafür die Verdienstmedaille der DDR erhielt. Der Kontakt mit der Schwester ist abgebrochen, die Lüge und der Verrat stehen zwischen den Frauen. Heute will Helga Riede versuchen, sich mit der Schwester auszusöhnen.

Regina Labahn hatte mehrere Ausreiseanträge gestellt, als eines Tages ihre Kinder nicht mehr aus der Schule kamen. Sie waren von der Staatsmacht in ein Heim gesteckt worden. Regina Labahn landete in Hoheneck. Erst sieben Jahre später, am Tag nach dem Mauerfall, durfte sie ihre Kinder wieder vom Heim abholen. Noch heute ist die emotionale Entfremdung spürbar, das Eltern-Kind-Verhältnis massiv gestört. Aber sie kämpft um ihre Familie.

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Fazit: Diese Doku war richtig gut, denn hier kamen Zeitzeugen zu Wort und man bekam ein wirklich gutes Gefühl darüber, wie es in dem Gefängnis gewesen sein muss, ein wesentlich besseres Gefühl als durch den Fernsehfilm „Es ist nicht vorbei“ den ich euch ja auch vorgestellt habe. Ich finde also die Doku wirklich sehenswert und informativ.  Ganz wunderbar erfährt man, wie es damals war und welche Schatten dieses Gefängnis heute immer noch auf unsere Zeit wirft.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de