Interview: Özgür Yildirim „Das Kreative interessierte mich eher als mich selbst zu präsentieren“

Özgür Yildirim ist ein türkisch-deutscher Filmregisseur.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

© NDR/Maria Krumwiede

© NDR/Maria Krumwiede

Özgür, Sie haben mit 14 bereits einen Roman veröffentlicht, war das schreiben, also die Arbeit eines Autors Ihr erster Berufswunsch?

Ja. Filme gucken und Schreiben haben mir als Kind schon immer Spaß gemacht. Durch Filme konnte ich mich inspirieren lassen, Geschichten zu erfinden, vor allem Geschichten mit wahren Figuren aus meinem Umfeld. Da ich mir am liebsten Horrorfilme ansah, mussten Freunde und Bekannte in Gruselgeschichten sämtliche Abenteuer bestehen.

 

Wann entstand denn die Liebe zum Film?

Seitdem ich denken kann, sind Filme für mich schon immer etwas Besonderes gewesen. Als 10jähriger habe ich heimlich „The Evil Dead“ von Sam Raimi gesehen. Dieser Film hat mich sowohl fasziniert als auch verstört. Doch gleichzeitig war es der Anstoß für mich mit dem Geschichtenschreiben anzufangen.

 

Die meisten Menschen schauen ja Filme und träumen davon Schauspieler zu werden, was am Beruf des Regisseurs hat Sie so fasziniert?

Das Kreative interessierte mich eher als mich selbst zu präsentieren. Der Gedanke, meine eigenen Ideen umzusetzen fand ich irgendwie interessanter als die Anweisungen von anderen zu befolgen. Zeichnen, schreiben, Musik machen waren als Kind meine Hobbys. Als Regisseur kann man all diese Hobbys immer wieder gebrauchen, ohne dass sie nur bloße Hobbys sind.

 

Volkan Özcan hat mir erzählt Sie sind Freunde, wie kamen Sie denn auf die Idee ihn, der kein Schauspieler ist für die Rolle des Tibet im Film Chiko zu nehmen?

Volkan und ich sind seit der Grundschule befreundet und haben gemeinsam die ersten Hobbyfilme gedreht. D.h. er war einer meiner ersten Schauspieler und ich sein erster Regisseur. Dadurch haben wir sehr viel Vertrauen zueinander und haben auch Drehbuchfassung für Drehbuchfassung über die Figur Tibet in Chiko diskutiert. Ich kann nicht sagen, was mich dazu bewegt hat, gerade ihn als Tibet zu besetzen, schließlich ist er absolut das Gegenteil dieser Figur. Ich treffe solche Entscheidungen aus dem Bauch heraus.

 

Chiko war ja ihr erster Spielfilm, entsteht danach eigentlich ein Druck wieder so erfolgreich sein zu müssen?

Klar, irgendwann macht man sich selbst Druck, vor allem wenn man plötzlich mehr erreicht als man sich gedacht hatte. Aber man merkt auch schnell, dass so ein Druck einem eher schadet als hilft, denn sowas ist schließlich kein Druck, sondern nur reiner Egokram. Mir ist wichtig, dass ich einen Sinn darin sehe, was ich mache und nicht mich immer wieder selbst übertreffen muss. Natürlich will kein Filmemacher einen schlechteren Film machen als den zuvor, aber es ist wie in jeder anderen Sache auf der Welt auch. Mal ist man besser, mal schlechter. Ich versuche, meinen Ehrgeiz anders zu nutzen.

 

Demnächst hat Chiko die FreeTV Premiere, 3 Jahre nach dem erscheinen, eine verdammt lange Zeit, stört Sie diese Begebenheit als Regisseur eigentlich, würden Sie da etwas ändern wenn Sie könnten?

Ich habe in der Zwischenzeit an vielen verschiedenen Ideen gearbeitet und viel Zeit damit verbracht, mir zu überlegen, was der nächste richtige Schritt ist. Wenn man fest angestellt ist und fürs Fernsehen z.B. Serien dreht, dann wird man sicher keine 3 Jahre brauchen, bis man wieder am Set steht. Aber mir war eben sehr wichtig, das Richtige Projekt anzugehen. Da habe ich die 3 Jahre in Kauf genommen.

 

Ihr aktuelles Projekt heißt „Blutzbrüdaz“ Dürfen Sie da schon verraten um was es gehen wird?

Gerade zu diesem Projekt möchte ich im Vorfeld nicht viel verraten, ehrlich gesagt. Abgesehen davon, dass ja schon viel im Internet steht, möchte ich selber im Voraus nichts kommentieren.

 

Spielen da auch wieder Freunde von Ihnen mit?

Nein. Auch das war eine bewußte Entscheidung. Allerdings hat mein Vater wieder einen kleinen Auftritt, der ja schon bei Chiko als Taxifahrer kurz zu sehen war.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, darf man da schon etwas verraten?

Na ja, über Pläne zu sprechen, fällt mir immer schwer, weil ich ja nie weiß, was ich verwerfe und was nicht. Sagen wir mal so: Ich habe so einige Pläne, aber muss eben die richtigen Figuren auf die richtigen Positionen bringen.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Danke, dass Sie das Interview bis hierhin so aufmerksam gelesen haben und falls der 25. Juli nicht schon vorbei ist, schalten Sie Chiko auf ARD um 22.45 Uhr ein oder holen Sie ihn sich aus der Videothek.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Dirk Diggler.

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

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  • Amazon: Chiko

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