Interview: Tommy Krappweis „Man kann erst dann vom Schreiben leben, wenn man einen Bestseller hat“

Tommy Krappweis ist ein deutscher Komiker, Autor, Regisseur und Produzent.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

© Studio-Backlight.de

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Ich habe vorhin einen RTL Samstag Nacht Clip gesehen, Sie duellieren sich mit Wigald Boning.

Ja, das haben wir zu RTL-Samstag Nacht Zeiten hinter seinem Haus im Allgäu in der Freizeit gedreht. Ich habs dann zuhause geschnitten und vertont und dann wurde es fertig bei Hugo Egon Balder vorgeführt. Wenn der es lustig fand – was zu 99% der Fall war – dann kam es in die Sendung.

 

Wenn man die Stationen Ihrer Karriere so sieht könnte man meinen Sie wären 80 und dieses wäre nun Ihr letztes Interview über Ihr Lebenswerk:

Ja, im Moment fühle ich mich auch so ähnlich, aber ich denke mal wenn ich endlich wieder Zeit hatte zu duschen, dann fühle ich mich höchstens wie 70…

 

Wie finden Sie diese Muse für diese vielen Projekte, ich stelle mir das unglaublich Stressig vor oder?

Die Muse ist nicht das Problem, wenn wir von der Inspiration sprechen. Was ich mir schon wünschen würde, wäre mehr Zeit, um all das zu machen was ich machen will oder auch muss. Nun entstehen meine Ideen auch nicht unbedingt im Brainstorming oder bei endlosen Sitzungen, sondern in dem ich mich hinsetze und dann gefälligst eine Idee habe. So kann ich seltsamerweise am besten arbeiten. Das kommt vielleicht von den hunderten Sketchen, Ideen, Songtexten und Drehbüchern der letzten äh… siebzig Jahre. Die mussten irgendwie alle immer JETZT fertig sein. Allerdings war das bei mir immer schon so: Mein erstes Projekt in der Richtung war ein Stop-Motion-Film auf Super 8 Film. Da war ich acht Jahre alt und es dauerte Wochen, bis ich fertig war. Ich habe allerdings nie viel Zeit verschwendet, um drüber nachzudenken wie anstrengend es wohl werden könnte. Während andere sich überlegen, ob das wie für wen wann und warum überhaupt, hab ich schon längst angefangen und kann die Hälfte der Fragen aus der Praxis beantworten.

 

Foto: Tommy und Bernd

Foto: Tommy und Bernd

Wie kommt man auf die Idee eine Figur wie „Bernd das Brot“ zu erschaffen?

Wir mussten, also taten wir es. Mein Kollege Norman Cöster und ich saßen in einem italienischen Lokal und waren mit den bisherigen Ideen nicht zufrieden. Dummerweise war am drauffolgenden Tag der Termin beim Ki.Ka, wo wir diese Ideen vorstellen sollten. Und zwar am besten mit dem Brustton der Überzeugung. Der schlechtgelaunte Kaktus gefiel uns irgendwie nicht und eine braungrüne Figur die dauernd einen Arm hochhebt, passt vielleicht gut in eine Guido-Knopp-Doku, ist aber vielleicht dann doch nix für das deutsche Kinderprogramm. Dann schaute Norman auf den Brotkorb und sagte mit Bernds Stimme: „Brot ist lustig“. Ich stimmte zu und das wars im Wesentlichen.

 

Es ist ja sogar ein Kinofilm über Bernd das Brot in Planung ist? Wie weit sind denn da die Fortschritte, darf man da schon was sagen?

Wir haben bald die zweite Fassung des Drehbuchs fertig, die dann an unsere Wunschschauspieler und auch an die entsprechenden Partner versendet wird. Im Frühjahr 2012 wollen wir drehen, wenn alles klappt.

 

Wie würden Sie denn Ihren Job im Moment selbst bezeichnen? Produzent, Regisseur? Comedian?

Ich war jetzt lange Zeit Regisseur, aber der dauernde Kampf ums Budget hatte es mir dann irgendwann verleidet. Somit war ich gerne eine Zeitlang Autor für Drehbücher und Romane und zudem Produzent. Comedian wurde ich jetzt seltsamerweise wieder durch meine Auftritte mit den Büchern. Ab und an kann es schon passieren, dass eine Lesung eher zu einem Standup mutiert. Kommt ganz auf das Publikum an. Und ich spiele nach wie vor mit meiner Band „Harpo Speaks!!“.

 

Ein weiteres unglaublich erfolgreiches Projekt ist auch: „Mara und der Feuerbringer“ eine Trilogie, bei der der 3 Band im September diesen Jahres erscheint, um was geht es da eigentlich?

Da geht es um ein vierzehnjähriges Mädchen im heutigen München, das eigentlich sehr unter Tagträumen leidet, dann aber feststellt, dass diese wohl eine Art Rest ihrer seherischen Begabung ist. Sie bekommt den Auftrag, die „Götterdämmerung“ aufzuhalten. Also das nordisch-germanische Ende der Welt. Maras Sicht der Welt ist von schräg links oben, also recht naja, valentinesk könnte man sagen. Daraus entspringt der Humor in den Büchern. Sie ist eben kein typischer Held, der so lange mit dem Schwert irgendwo draufdonnert, bis sich alle ergeben oder tot sind. Eher das Gegenteil. Sie kämpft ja noch in Teil III damit, dass ihr nie ein cooler Spruch einfällt. Außerdem lernt man nebenbei eine Menge über die Religion unserer Vorfahren und die Mythen und Sagen der Germanen. Jedes Buch hat am Ende einen Anhang mit Name und Begriffserklärungen und Professor Rudolf Simek von der Uni Bonn korrigiert alles auf seine wissenschaftliche Richtigkeit.

 

Und welchen Bezug haben Sie zu der Geschichte, wie kamen Sie darauf?

Es sollte eigentlich ein Pitch für eine Mystery-Serie für Pro Sieben werden. Aber als ich mich für eine vierzehnjährige Heldin entschieden hatte und zudem eine zusammenhängende, komplexe Story war mir auch klar, dass das nix für Donnerstag, 20:15 auf Pro Sieben ist. Zumindest vorerst…

 

© Studio-Backlight.de

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Ist in der Richtung für die Zukunft noch was geplant? Also zu schreiben, ist das etwas, dass Sie sich vorstellen können weiter?

Man kann erst dann vom Schreiben leben, wenn man einen Bestseller hat. Und selbst dann auch nur, wenn man hoffentlich danach noch einen hat. Im Moment könnte ich mich sehr gut vorstellen, den Rest meines Lebens witzige Fantasyromane zu schreiben. Aber ich liebe auch meinen Job in der bumm film und die Arbeit mit meinen langjährigen Kollegen und Freunden dort. Und jetzt steht ja auch erst einmal der Bernd-Film an.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, darf man da schon etwas verraten?

Romanschreibtechnisch gönne ich mir und meiner Familie jetzt mal eine Pause. Ich habe vier Jahre meines Lebens fast meine gesamte Freizeit der Mara und dem Feuerbringer geopfert. Also auch die Nächte, die Wochenenden und die halbe Stunde auf den Flügen, wenn man elektronische Geräte nützen darf. Ich brauche wieder Schlaf und möchte wieder entspannt mit meiner kleinen Tochter Finja Lego spielen.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Außer KAUFTMEINBUCH?… Hm, ja doch und zwar LESTESDANNBITTEAUCH. Sonst wüßt‘ ich jetzt nix.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit mir. Ich hasse Schwitzen und wird dann schlecht gelaunt.

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de