Interview: Proschat Madani „Das Fernsehen ist langsamer als die Realität“

Proschat Madani ist eine österreichische Schauspielerin mit iranischen Wurzeln.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Fotografin: Mirjam Knickriem

Fotografin: Mirjam Knickriem

Proschat, Ihre Vorfahren kommen aus dem Iran, was verbindet Sie denn zu diesem Land heute?

Nicht nur meine Vorfahren kommen aus dem Iran, beide meiner Eltern sind Iraner und ich bin dort geboren. Quasi waschecht. Mit vielen Iranern verbindet mich die Sehnsucht danach, dass es endlich Freiheit für dieses Land gibt. Vertraut ist mir die Mentalität der Menschen, ihre Sprache, ihre Denkweise….und ganz besonders: Das gute Essen!

 

Am Anfang Ihrer Karriere spielten Sie am Theater, war die Schauspielerei schon immer auch Ihr Berufswunsch?

Stimmt, meine ersten Berufsjahre habe ich ausschließlich am Theater verbracht. Schauspielerin wollte ich werden, da war ich erst acht. Initialzündung war eine Aufführung von Shakespeares „Viel Lärm um nichts“. Ich habe fast nichts verstanden, fand es aber toll. Da stand fest, das mache ich auch.

 

Als Schauspielerin wurden Sie in Ihrer Karriere oft in eine typische Rolle besetzt, gibt es als Schauspielerin auch mal Momente wo man verärgert ist, dass man aufgrund seiner Abstammung besetzt wird? Wissen Sie was ich meine?

Das Fernsehen ist langsamer als die Realität. In Berlin, wo ich wohne, leben Menschen unterschiedlichster Herkunft, die Deutsche sind. Im Fernsehen muss eine Figur gebrochen deutsch reden oder es muss sich explizit um eine Ausländergeschichte handeln, damit jemand wie ich besetzt wird. Mich darüber zu ärgern, bringt nichts. Ist nun mal so. Und es wird besser. Ansonsten würde ich nicht die Tanja Haffner spielen, z.B.

 

Wieviel Proschat  steckt denn in der Rolle von „Tanja Haffner“ aus „Der letzte Bulle„?

Viel und wenig. Viel, weil ich der Tanja mit der Zeit naturgemäß einige meiner Eigenheiten aufgeprägt habe. Wenig, weil ich mich in vielen „Tanja-Situationen“ wahrscheinlich ganz anders verhalten würde. Ich hätte gar nicht die nervliche Kondition für so eine Geschichte wie Tanja sie mit Mick hat.

 

Wie würden Sie die Rolle der Tanja beschreiben?

Nach außen hart, nach innen weich. Eine Frau, die gelernt hat sich unter Männern zu behaupten. Dementsprechend selbstbewusst und tough gibt sie sich. Dahinter steckt aber auch jemand, der Angst hat, die Kontrolle zu verlieren, Angst vor Gefühlen, Angst verletzt zu werden. Gleichzeitig auch eine Frau, die stolz ist, selbstständig und intelligent, in ihrem Beruf aufgeht und zuweilen einsam ist. Snief!

 

Fotografin: Mirjam Knickriem

Fotografin: Mirjam Knickriem

Gerade als Serienschauspielerin denke ich hat man immer einen straffen Terminplan, wie reagieren Familie und Freunde auf Ihren Beruf?

Die Familie kennt es nicht anders und die Freunde sind darauf eingestellt, mich längere Zeit nicht zu sehen und dann wieder jeden Tag.

Alles nur eine Frage der Organisation und hoher Telefonkosten.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, darf man da schon etwas verraten?

Ein Projekt ist im Gespräch, eins in Planung. Aber Näheres, wenn es so weit ist.

Ansonsten lasse ich mich überraschen, was das Leben für mich bereit hält.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Ein ganz persönlicher Tipp an die Leser: Dankbarkeit üben. Allgemeinplatz, ich weiß. Trotzdem machen wir es so selten. Dankbarkeit für all die großartigen Momente, die wir normalerweise nicht einmal bemerken, geschweige denn schätzen. Gelingt mir nicht immer, aber immer öfter und macht aus mir einen glücklicheren Menschen. Sehr empfehlenswert.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Colin Firth. Ihm möchte ich gerne unverschwitzt begegnen.

 

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© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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