Jochen Bendel „Ich hatte 2007 einen TV Overkill“

Jochen Bendel ist ein deutscher Moderator, bekannt durch die Sendung „Ruck Zuck“

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Ich bin Einzelkind und war deshalb schon als Kind oft nur mit Erwachsenen zusammen. Als Einzelkind schnappt man viele Gespräche auf. Meine Eltern waren genervt, daß ich immer eins zu eins Gespräche wiedergegeben habe, die ich bei Erwachsenen vorher aufschnappte.

Foto: Jochen Bendel

Jochen, Sie haben am Anfang Ihrer Karriere angefangen als Sprecher zu arbeiten, gab es eigentlich einen Zeitpunkt an dem Sie gemerkt hatten, dass Sie ein besonderes Talent haben „zu quatschen“ und zu entertainen?

Ich bin Einzelkind und war deshalb schon als Kind oft nur mit Erwachsenen zusammen. Als Einzelkind schnappt man viele Gespräche auf. Meine Eltern waren genervt, daß ich immer eins zu eins Gespräche wiedergegeben habe, die ich bei Erwachsenen vorher aufschnappte. Sie gaben mir den Spitznamen “Kassettenrecorder”. Das war ehr lustig gemeint, weil ich mit meinen “Nacherzählungen” immer alle zum Lachen brachte. 

Sie haben eine klassische Musik- und Gesangsausbildung. Wie passt das mit Ihrem jetzigen Beruf zusammen? Hatten Sie mal andere Pläne?

Als ausgebildeter Sprecher und Sänger ist es mir natürlich sehr leicht gefallen als Synchronschauspieler und Sprecher für Werbung oder Dokumentationen Fuss zu fassen.  Die Stimme ist ein Instrument, das gepflegt und trainiert werden muss. Wenn ich bei Aufnahmen für die Serie “Pokemon” einen ganzen Tag im Studio am Rumschreien bin, werde ich z.B nicht heiser. Das ist der Vorteil meiner Ausgebildeten Stimme. Ich habe ja als Sprecher schon sehr früh angefangen und bereits mit 17 Jahren beim Radio moderiert. Dass ich vor die Kamera wollte habe ich relativ schnell gemerkt. Mir hat beim Radio immer die “3. Ebene”  – das Visuelle, gefehlt. Und diese zusätzliche Ausdrucksform gibt’s halt beim Radio nicht. Wenn man da die “Klappe” hält, ist man weg. Beim Fernsehen kann ich auch mit Mimik oder Gesten “alles sagen”. 

Der breiteren Masse wurden Sie später durch die Sendung „Ruck Zuck“ bekannt. Wie nehmen Sie das als Moderator wahr, dass Sie für eine Generation ein fester Bestandteil vieler toller Fernseherinnerungen sind?

Ruck Zuck war ein Glücksgriff. Wie ein 6er im Lotto. Ich bin ins Kalte Wasser gesprungen und niemand hat mir Erfolg zugetraut. Gameshows haben ältere Herren mit hochgekrempelten Sakko-Ärmeln moderiert. Die haben immer Mega rumgeschleimt aber die Omis ganz glücklich gemacht. Ich hatte die letzten 2 Jahre vor Ruck Zuck eine erfolgreiche Musikshow moderiert und viel Party gefeiert. Jeder dachte, mit dem hält sich Ruck Zuck keine 6 Monate. 

Über 2800 Folgen haben Sie moderiert, gibt es welche an die Sie sich spontan gut erinnern können?

Natürlich an meine Erste  RUCK ZUCK Show, zusammen mit Werner. Ich im Anzug und Krawatte. Ganz der brave Schwiegersohn. Aber ein paar Monate Später war Schluss mit der “Verkleidung”. Ich durfte mich bei RUCK ZUCK immer mehr entfalten und hab mich nicht verstellt. Ich habe nicht Showmaster gespielt, sondern habe die Show moderiert. Eben mal flapsig und auch mal mit einem Spruch “Knapp vorbei” aber immer so wie ich wirklich bin. Momente an die ich mich besonders gerne gibt’s viele. Einige davon kann man sich heute noch bei YOUTUBE ansehen… 

Warum haben Sie sich eigentlich 2007 aus dem Fernsehen zurückgezogen?

Ich hatte einen TV Overkill. Von 2003 bis 2007 habe ich eine tägliche live Sendung (Nachtfalke) spät abends bis 00:30 moderiert und redaktionell mit betreut. Ruck Zuck wurde immer am Wochenende aufgezeichnet. Ich habe meine Synchronarbeit weiter gemacht und 2005/2006 immer montags mit Oli Petszokat und Ruth Moschner “Big Brother – die Entscheidung” Moderiert.  Bei mir war echt die Luft raus. Ich habe einfach mal wieder Luft zum Durchatmen gebraucht. Wollte meine Freundschaften pflegen, abends ganz normal ins Kino gehen oder mal länger als nur ein Wochenende in Urlaub fahren. Das habe ich getan. Ich habe meine Fähigkeiten als Koch in 2 Restaurants in München professionalisiert und an jedem Promi-TV Koch-Wettbewerb teilgenommen – und gewonnen. Das tat gut. Ich komme aus einer Gastronomen Familie. Schon meine Urgrossmutter war Köchin, mein Großvater ein Spitzenkoch, der mir schon  als ich ein kleiner Junge war anfing alles beizubringen. 

Im letzten Jahr dann das „Comeback“, waren Sie damit zufrieden? oder was hätte besser laufen können?

Naja, das Comeback ging ja voll in die Hose. Das Thema Kreuzfahrt hat mich interessiert und als RTL2 mir das Konzept vorgestellt hatte, dachte ich: Kreuzfahrten boomen im wirklichen Leben. Vielleicht lieben das die Zuschauer eine Sendung zu diesem Thema. Aber RTL2 Zuschauer lieben anscheinend was völlig anderes. Der 18:00 Sendeplatz ist ein Harakiri-Sendeplatz, das wusste ich vorher. Da konnte sich bisher kein einziges Format lange halten. Trotzdem, mehr als Probieren konnte man es nicht. Ich war in der Show eh kaum zu sehen. Inhaltlich war das alles etwas unausgearbeitet. Persönlich mach ich mir keinen Vorwurf – shit happens. 

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Wo kann man Sie als nächstes sehen?

Ich muss aufpassen mich nicht noch einmal so verheizen zu lassen und mich darauf konzentrieren was ich wirklich gut kann. Reisen, Kochen, Talken. Das sind meine Stärken.  Themen bei denen ich mich zu hundert Prozent auskenne und interessieren. Genau das sind auch meine nächsten Projekte. Im Juni reise ich nach Tunesien um präsentiere bei Deutschlands größten Reisesender “Sonnenklar.TV” die schönsten Locations und starte in München und dann Deutschlandweit mit witzigen und unkomplizierten Kochkursen für Anfänger. 

Gibt es etwas, dass Sie an dieser Stelle gerne dem Leser mitteilen würden?

Haha, nein gerade nicht. Ich rede doch eh so viel. Hier kann der Leser mal kurz Luft holen. (Grins) 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Spongebob. Meine Lieblings Cartoonfigur. Er würde elendig vertrocknen. Und das würde ich nicht überstehen….

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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