Renee Pornero „der Akt vor der Kamera wird immer brutaler“

Renee Pornero ist eine ehemalige Erotik- und Pornodarstellerin aus Österreich.

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Die allgemeine Vorstellung von einem Pornocasting ist völlig verkehrt. Man bekommt einfach eine kleinere Rolle in einem Lowbudget-Film.
Bild © Thomas Burggraf

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Renee, schon früh hast Du angefangen zu modeln, wie war der Einstige in die Berufsbranche, wurdest Du da entdeckt oder gecastet?

Ich bin, genauso wie viele meiner Kolleginnen, zufällig reingerutscht. Obwohl, wie Du schon sagst, habe ich mich bereits früh vor der Kamera ausgezogen. Es war ein simpler Nebenjob und ich hatte kein Problem damit. Im Gegenteil, ich fand es aufregend. Aus reiner Neugier nahm ich am Gina Wild Nachfolge Casting in Berlin teil. Dass mehr daraus werden würde, als ein bisschen Pornoluft schnuppern, hatte ich mir damals nicht ausmalen können. Wer würde sich schon für ein Mädel aus dem fernen Österreich interessieren? Noch dazu ist sie nicht vollbusig und wasserstoffblond. 

Später hast Du an einem Casting bei Videorama teilgenommen, hattest Du da vorher bedenken? Wurdest Du unterstützt oder wusste das keiner das Du da hin gehst?

Niemand wusste es, bis auf meinen Partner. Wir haben lange darüber gesprochen und schlussendlich befand auch er es als eine interessante Herausforderung. Im Anschluss an meine Präsenz auf der Venus Berlin wussten es dann doch einige mehr, weil ich auf der Messe unerwartet vielen Medien gegenüber stand. Ich hatte noch keine Ahnung vom Porn Biz und das Interesse an meiner Person war mir erst Mal nur peinlich. Besonders die naiven Antworten von mir, die ich dann im TV sehen musste, haben mich auf den Boden der Realität zurückgeworfen. Dahingehend war es ein guter Einstieg. Ich wurde einfach ins kalte Wasser geworfen.

Wie läuft so ein Casting eigentlich ab?

Die allgemeine Vorstellung von einem Pornocasting ist völlig verkehrt. Man bekommt einfach eine kleinere Rolle in einem Lowbudget-Film. Wenn die Szene nicht klappt, wird sie eben nicht veröffentlicht. Als Frau müsste man sich da aber sehr dämlich anstellen. Für Männer ist es allerdings sehr schwierig. In der ersten Szene funktionieren die meisten nicht. Entweder sie sind zu geil auf das Mädel oder die Atmosphäre macht ihnen zu Schaffen. Die ganze Aufregung wirkt sich natürlich auf das Standvermögen aus. 

Bild © Ingo Pertramer

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Haben dich deine Familie und Freunde unterstützt bei der Entscheidung Pornofilme zu drehen?

Meine Familie war natürlich nicht glücklich darüber. Vor allem die Tatsache, dass ich zu allem Übel auch noch bekannt damit wurde. Sie haben sich aber damit abgefunden und man spricht nicht darüber. Die meisten in meinem Bekanntenkreis finden es dagegen interessant, manche prahlen sogar gerne mal damit, Renee Pornero zu kennen. 

2002 bist Du nach Amerika gegangen um da weiter Filme zu drehen, was war dafür der ausschlaggebende Punkt?

Zu Beginn wusste ich nicht einmal davon, dass der eigentliche Markt in den USA stationiert ist. Ich musste mich erst von einem Kollegen überreden lassen, mit ihm zu kommen. Ich hatte zugegebenermaßen schon etwas Pammel, schließlich sprach er ständig von einer Goldgrube. Bei derart viel Schönrederei war ich sehr skeptisch. Aber er hatte Recht.

Wodurch unterscheidet sich die Pornofilmbranche in Amerika mit der in Deutschland?

L.A. ist DAS Pornomekka. Für mich als Österreicherin war es die Gelegenheit. Hierzulande musste ich alles selbst organisieren, viel reisen, für weniger Geld. Im Porn Valley holt Dich Dein Agent um halb 6 morgens aus den Federn, um Dir spontan einen Job anzubieten. Zu Mittag hatte ich bereits doppelt so viel Gage in der Tasche, wie ich es in Deutschland bekommen hätte. Die Branche überm Teich ist auch wesentlich organisierter, besonders hinsichtlich der Gesundheitstests. Abgesehen davon zeugen ohnehin die Endprodukte davon, dass der amerikanische Porno die Nase vorne hat. 

Bild © Carl Abrahamsson

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Hast Du den es irgendwann mal bereut zu diesem Casting damals gegangen zu sein?

Nein, absolut nicht. Ich habe meine wilden Jahre bis aufs Letzte ausgekostet. Wer kann schon von sich behaupten, dass er in Los Angeles gutes Geld gemacht und auch noch Auszeichnungen dafür bekommen hat? Eines hat sich jedenfalls bestätigt: Einmal Porno – immer Porno. Der Pornostar und das private Ich lässt sich oft schwer trennen. Es hat einen Touch von Schizophrenie. 

2008 bist Du aus der Branche zumindest als Darstellerin ausgestiegen, warum?

Es war sprichwörtlich das übliche Rein und Raus was mir irgendwann zu fad wurde. Es war nichts mehr Interessantes rauszuholen, ich wollte auch nicht mit 40 noch vor der Kamera stehen, schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass der Akt vor der Kamera immer brutaler wird. Die Gesundheit geht dann irgendwann doch vor. Außerdem hatte ich Sehnsucht nach meiner Heimat und von hier aus ist die Branche zu wenig greifbar. 

Könntest Du dir vorstellen irgendwann mal wieder aktiv zu werden als Darstellerin?

Nein. Definitiv nicht. 

Du Produzierst aber noch Pornofilme?

Nein, auch dazu habe ich Adiéu gesagt. Ich bin zu sehr Idealist und müsste viel kommerzieller denken, um auf diesem Markt als Produzentin zu überleben. Ich genieße lieber den ein oder anderen Film von wirklich guten Regisseuren. Erika Lust zum Beispiel. 

Bild © Doris Karlovits

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Wie sieht deine Zukunft aus, was ist noch geplant für die nächste Zeit?

Als Renee Pornero bleibe ich nur noch im Web vertreten. Ich verkaufe zur Zeit auch viele Habseligkeiten aus meiner Karriere. Es hat sich doch einiges angesammelt, mit dem ich nichts mehr anfangen kann. Privat mache ich das, was ich schon immer nebenher ausgeübt habe: Webdesign. Ansonsten lebe ich sehr zurückgezogen und fast konservativ auf einem abgeschiedenen Hof und kümmere mich um das Wohl meiner Tiere. 

Möchtest Du dem Leser an dieser Stelle gerne etwas mitteilen?

Ja. Einmal Porno – immer Porno! Nicht vergessen. Wer lieber Fan bleibt und ein Stückchen echter Porno-Requisite ergattern möchte, darf sich gerne auf meiner Website umsehen. 

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Es gibt kaum jemandem, mit dem ich nicht klar komme. Aber ein Untoter wäre schon sehr unangenehm. 😉

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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