Torsten Knippertz „Für mich ist die Faszination beim Fußball die Mischung aus Emotion und Leidenschaft“

Torsten Knippertz ist ein deutscher Moderator und Schauspieler.

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Seitdem Theo Zwanziger DFB Präsident ist, wird es ja  -Gott sei Dank- nicht mehr so tabuisiert. 
Foto © Lars Henning Schröder

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Ihr aktuelles Projekt heißt „Balls – Fußball ist unser Leben!“ ein Theaterstück, möchten Sie da kurz mit eigenen Worten erklären um was es geht?

Es geht um Fußballer, Fußball, Leidenschaft FÜR und Diskriminierung IM Fußball(schwule Fußballer, lesbische Fußballerinnen, antisemitische Parolen, Gewalt im Fußball). Das alles wird auf die Bühne gebracht von Schauspielprofis und Laien(Fußballfans aus NRW) gemeinsam. Im Stück selbst werden fiktive Texte aber auch Texte, die von den einzelnen Fußballfans selbst kommen, gesprochen. Alles in allem wird das ein ziemlich bunter, lustiger aber manchmal auch schockierender Abend, bei dem -nicht nur manchem Fußballfan- wahrscheinlich das Lachen im Hals stecken bleibt. Ach ja und Live- Musik wirds auch noch geben… 

Welche Rolle spielen Sie?

Das wechselt während des Stücks. Ich werde – genau wie die meisten anderen – einerseits mal die Rolle z.B. des rassistischen Fans übernehmen. Auf der anderen Seite werde ich aber auch zum Teil meine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse widergeben. Es ist also für jeden einzelnen auch ein ziemlich persönliches Stück. Grundsätzlich könnte man sagen, dass wir alle Fußballfans spielen. 

Premiere ist am 19.6.2011 in der Casa des Schauspiels Essen, wieviel proben Sie eigentlich?

Da muss ich kurz korrigieren. Premiere ist jetzt doch der 18.6., also einen Tag früher. Das muss auf meiner eigenen Homepage auch noch geändert werden. Ist aber ganz praktisch, dann kann ich nämlich die Premierenfeier direkt damit verbinden, um in meinen Geburtstag reinzufeiern. Aber zurück zur Frage. Wir proben seit Mitte März. Am Anfang haben wir uns nur einmal pro Woche getroffen. Und so langsam steigert sich das jetzt bis zur Premiere. Momentan proben wir 2-3-mal die Woche abends für jeweils 4-5 Stunden und wenn  es dann ab Anfang Juni so langsam auf die Endprobenphase zugeht werden wir wohl so 5-mal wöchentlich proben. 

Foto © Lars Henning Schröder

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Ihre Liebe zum Fußball in Verbindung mit der Arbeit ist ja nicht das erste solche Projekt, gerade in Ihrer Anfangszeit im Radio waren sie Bundesliga Moderator, was macht für Sie die Faszination Fußball aus?

Ha! Genau darum geht es auch in BALLS. Was macht eigentlich die Faszination Fußball aus? Für mich ist es die Mischung aus Emotion und Leidenschaft. Es gibt wenige Dinge, bei denen ich mich so aufregen kann, wie bei einem Fußballspiel. Ich bin manchmal selbst erschrocken, wenn ich nach einem Spiel auf Bildern sehe, wie ich teilweise in manchen Situationen reagiert habe. Eigentlich bin ich ganz lieb. Letztens meinte ein Aufnahmeleiter vom Fernsehen zu mir, er würde mich nur noch Kloppo nennen, weil Jürgen Klopp, der Trainer von Borussia Dortmund ja während der Spiele auch immer so ausflippt. Gott sei Dank nicht nur im negativen, sondern auch bei freudigen Dingen. Wobei man als Borussia Mönchengladbach Fan im Moment ja echt auf eine harte Emotionsprobe gestellt wird. Diese Faszination bezieht sich übrigens nicht nur auf den passiven Teil. Auch, wenn ich, was leider viel zu selten vorkommt, selbst mal wieder kicke, flipp ich manchmal ziemlich aus. Also wie gesagt: Eigentlich bin ich ganz lieb…

Frauenfußball- WM 2011, Deutschland wird klar Weltmeister werden oder was denken Sie?

Da geh ich auch von aus. Ich freu mich außerdem, dass ich bei den drei Spielen, die im Borussia-Park stattfinden werden (unter anderem ein Halbfinale) auch Stadionsprecher sein kann. 

Irgendwo habe ich mal eine Statistik gelesen das 1 von 10 Menschen in Deutschland Homosexuell sind, bei Fußballern  hört man nie davon, warum denken Sie ist das noch naja fast ein Tabu-Thema im Sport?

Seitdem Theo Zwanziger DFB Präsident ist, wird es ja  -Gott sei Dank- nicht mehr so tabuisiert.  Ich denke, dass es daran liegt, dass im Fußball immer noch sehr konservatives Denken herrscht. Übrigens nicht nur, was die sexuelle Ausrichtung betrifft, sondern ganz allgemein. Fußball gilt als „harter“ Männersport und in der Denkweise vieler, wird Homosexualität wahrscheinlich mit Verweichlichung gleichgesetzt. Das ist meine Vermutung. Was das betrifft kann ich übrigens nur sagen, dass wir selbst einmal mit einer Hobbymannschaft meines damaligen Radiosenders Radio Köln beim Come Together Cup in Köln mitgespielt haben, einem Fußballturnier, dass vom „Sozialwerk für Lesben und Schwule e.V.“ veranstaltet wird und wer bei diesem Turnier einmal gegen das „CreamTeamCologne“ gespielt hat , einer Mannschaft, in der hauptsächlich oder sogar ausschließlich Schwule spielen, der wird nie wieder sagen, dass homosexuelle Fußballer zu weich seien. Das gleiche gilt übrigens für Didi, den linken Verteidiger unseres legendären Hobbyteams „6.FC Bananenfisch“. Didi ist auch bekennender Schwuler und war der härteste Kicker im Team überhaupt. Ach ja: Auch beim Duschen brauchte übrigens keiner Angst haben von ihm angesprungen zu werden. Selbst beim Seife aufheben…soviel zu den Stammtischsprüchen und Vorurteilen.

Foto © Florian Bergmann

Foto © Florian Bergmann

Gibt es etwas, dass Sie an dieser Stelle gerne dem Leser mitteilen würden?

Ja:  Habt Mut auch mal anders zu denken, anders zu handeln und anders zu sein. Und kommt am 18.6.  in die CASA des Schauspiels Essen zur Premiere von BALLS. 

Wo kann man Sie neben „Balls – Fußball ist unser Leben!“ noch sehen?

Demnächst mit einem Miniauftritt  bei „Der Bulle und das Landei“ mit Uwe Ochsenknecht und Diana Amft, dann am 14. Mai im Filmhaus Köln im Theaterstück „4 Stories -One night“ , Außerdem regelmäßig beim Nachrichtensender n-tv in der Rubrik KNIPPERTZ SCHNELLTEST, im Internet unter www.fohlen.tv (Internet-TV von Borussia MG) , in der Internetserie KNIPPI ERMITTELT und natürlich im Stadion bei Heimspielen von Borussia Mönchengladbach. Ach ja . Außerdem kommt demnächst irgendwann der Film „A dangerous method“(mit Viggo Mortensen, Keira Knightley u.a.) von David Cronenberg ins Kino, da durfte ich auch mal als Ernest Jones durchs Bild laufen…;)) 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

´Nem Pelzmantel…Im Ernst. Da gibts einige: Daniela Katzenberger stünde ziemlich weit oben auf der Liste. Oder Geißbock Hennes. Nazis. Die Liste derer mit denen ich GERNE mal in der Sauna säße ist allerdings mindestens genauso lang.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de