Dr. Thomas Burgdorff „Wie schlimm ist die Lage im AKW Fukushima für Deutschland?“

Am 11. März wird Japan von einem der schwersten Erdbeben der Geschichte erschüttert. Am 12. März gibt es die erste Explosion im japanischen Atomkraftwerk (AKW) Fukushima.

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Ich habe nun einige Tage darüber nachgedacht ob ich über diese Thematik bloggen soll, ist es doch untypisch für dieses Projekt. Meiner Meinung nach ist das Ziel vieler Medien einfach nur Panikmache bei der Berichterstattung.

Ich höre also in meinem Bekanntenkreis des Öfteren ausgesprochene Ängste über mögliche Strahlenbelastung in Deutschland. Natürlich ist die Katastrophe schlimm für die Japaner und für die asiatische Region und ich bedauere dies zutiefst. Natürlich mache auch ich mir sorgen über die Menschen dort und wie sie mit dieser Tatsache umgehen werden sollte etwas schlimmeres passieren aber ich denke man muss es objektiv berichten, so ist die Gefahr einer Strahlenbelastung in Deutschland doch eher gering und wir müssen uns da keine großen Sorgen machen wie es so mancher TV Sender oder Online-Medium versucht zu erklären.

Schlimm finde ich in diesem Zusammenhang auch direkt wieder die Menschen die gegen Atomkraft protestieren. Denkt da eigentlich mal jemand genau nach? Irgendwo habe ich mal gelesen, dass nicht mal 20% der Stromversorgung für Deutschland mit erneuerbaren Energien abgedeckt werden können und diese Menschen fordern den direkten Atomausstieg? Versteht mich nicht falsch, ich finde erneuerbare Energien auch klasse aber solange es nun mal nicht machbar ist wäre es doch völliger Schwachsinn eine Abschaffung der Atomkraftwerke zu fordern, sollte man sich lieber dafür einsetzen, dass erneuerbare Energien geschaffen werden zb. mit Spenden, doch wer von diesen Leuten hat dafür schon gespendet oder setzt sich wirklich dafür ein? Nun ja, Hauptsache man hat gebrüllt oder?

Glaubt Ihr wirklich unsere Bundeskanzlerin lässt einige AKWs abschalten weil Sie von eurem Anliegen überzeugt ist? Mal darüber nachgedacht, dass die Brennelemente nicht aufhören zu existieren nur weil das AKW nicht mehr läuft? Oder vielleicht mal über die Tatsache nachgedacht, dass andere Kraftwerke nun mehr fahren um die abgeschalteten auszugleichen? Bleibt nur noch zusammenfassend zu sagen, dass ich persönlich das was in Fukushima passiert schlimm finde und ich hoffe das die Japaner diese Krise meistern. Für andere Fragen, die mich auch immer wieder erreichen habe ich mir einen Gesprächspartner gesucht der von der Materie weitaus mehr Ahnung hat als ich.

Dr. Thomas Burgdorff, Leiter der Standortkommunikation des abgeschalteten AKW Unterweser

Gerd Altmann / pixelio.de

Gerd Altmann / pixelio.de

Wie stehen Sie zu der Entscheidung, dass das AKW Unterweser auf Anweisung vom Netz genommen werden muss?

Diese Entscheidung nehme ich zur Kenntnis. Der Gesetzgeber bestimmt die Rahmenbedingungen für den Betrieb der Kernkraftwerke in Deutschland.

Was denken Sie ist der Hintergrund dieser Entscheidung?

Die Bundesregierung hat die Ereignisse in Japan zum Anlass genommen, die Sicherheit aller Kernkraftwerke in Deutschland erneut zu überprüfen. Die sieben ältesten Kernkraftwerke wurden dafür vom Netz genommen, die übrigen werden laut Bundeskanzlerin Angela Merkel ergebnisoffen bei laufendem Betrieb überprüft. Klar ist, dass die Entscheidungsträger in Deutschland angesichts der Ereignisse in Japan nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können.

Deutsche AKWs unterliegen ja strengen Sicherheitsanforderungen, die deutschen haben jetzt während der Lage in Japan natürlich Angst. Wissen Sie wie sich die Sicherheitsanforderungen zb. zu Japan unterscheiden?

Deutschland gehört nach Aussage der Bundesregierung „zu den Ländern mit den höchsten Sicherheitsstandards für Atomanlagen“. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass Im Zuge der jetzt ausgesetzten Laufzeitverlängerung die Betreiber der Kenkraftwerke zusammen mit den zuständigen Aufsichtsbehörden der Länder begonnen haben, Nachrüstprogramme für ihre Anlagen auszuarbeiten und Schritt für Schritt umzusetzen. Dies trifft natürlich auch für das Kernkraftwerk Unterweser zu. Hier sind Ausgaben in dreistelliger Millionenhöhe geplant, um die Sicherheit der Anlage weiter zu optimieren. Ein genauer Vergleich der Sicherheitstechnik und -anforderungen ist an dieser Stelle u.a. deshalb nicht möglich, da gesicherte Erkenntnisse aus Japan zum Teil noch fehlen. Daher beschränke ich mich auf einige wenige Anmerkungen: Die tragische Verkettung eines Erdbebens und eines Tsunamis wie in Japan ist in Deutschland nicht vorstellbar. Deutsche Kernkraftwerke  – und damt auch das Kernkraftwerk Unterweser – sind gemäß Regelwerk gegen ein so genanntes Bemessungserdbe­ben gesichert. Das Bemessungserdbeben ist das nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ma­ximal auftretende potenzielle Erdbeben im Umkreis von 200 km der jeweiligen Anlage. Für die Erdbebenauslegung kerntechnischer Anlagen ist ein Bemessungserdbeben, ein sogenann­tes 100.000-jährliches Erdbeben, zu berücksichtigen. Zum Vergleich: konventionelle Bau­werke oder Anlagen werden in Europa für ein 475-jährliches Erdbeben ausgelegt.  Der Hochwasserschutz von Kernkraftwerken erfordert die Berücksichtigung eines Bemes­sungshochwasserstands, der als 10.000-jährliches Hochwasser bezeichnet wird. Zum Ver­gleich: für den üblichen Hochwasserschutz wird im Allgemeinen ein 100-jährliches Hoch­wasser betrachtet. Für den Fall, dass die elektrische Stromversorgung aus dem Netz ausfällt, stehen im Kernkraftwerk Unterweser mindestens vier Notstromdiesel zur Verfügung. Nach meinem Kenntnisstand verfügen die betroffenen Anlagen in Japan nur über zwei Notstromdiesel. Sollten auch diese vier Notstromdiesel ausfallen, kommt die Notstandstromversorgung zum Tragen. Das Notstandstromnetz im Kernkraftwerk Unterweser verfügt über zwei zusätzliche Dieselag­gregate, die in gebunkerten Gebäuden untergebracht sind. Diese sind unabhängig von der Flusswasserkühlung. Die Kühlung der Diesel erfolgt durch Nebenkühlwasser aus der Weser. Wenn alle diese Systeme ausfallen würden, ist beim Kernkraftwerk Unterweser eine Stromversor­gung über einen dritten Netzanschluss vorgesehen. Des weiteren verfügt das KKU über Anschlussstutzen für mobile Pumpen zur Wärmeabfuhr aus dem Reaktorkern.

EON - Luftbild KKU

Wenn es in Japan doch noch zu einem Super GAU kommen würde, was wären Ihrer Meinung nach die Auswirkungen, vor allem was würde das für uns in Deutschland bedeuten?

Die Ereignisse in Japan haben die politische Diskussion zur Zukunft der Kernenergie in Deutschland wieder neu entfacht. Es ist richtig und notwendig, die Ereignisse in Japan sorgfältig zu analysieren und zu bewerten, welche Konsequenzen diese eventuell für den Betrieb von Kernkraftwerken in Deutschland haben könnten. Die Betreiber der Kernkraftwerke haben sich zu Recht dazu verpflichtet, ihre Sicherheitssysteme ständig weiterzuentwickeln. Dies wird regelmäßig von den zuständigen Behörden und unabhängigen Gutachtern überprüft. Wichtig ist meines Erachtens jetzt, dass zukünftige Entscheidungen in der Energiepolitik auf einer sachlichen Grundlage getroffen werden, frei von Polemik und Ideologie. Unabhängig von Wahlen brauchen wir einen möglichst breiten gesellschaftlichen Konsens in der Energiepolitik.

Glauben Sie in Japan passiert noch schlimmeres, oder ist das schlimmste ausgestanden?

Ich hoffe selbstverständlich, dass es gelingt, die Lage in den betroffenen Kernkraftwerken unter Kontrolle zu bringen, damit ein größerer Schaden für Mensch und Umwelt verhindert werden kann. E.ON hat bereits im Rahmen seiner Möglichkeiten entsprechende Hilfsangebote gemacht, um sein fachliches Know-how, technische und logistische Mittel zur Bewältigung dieser besonderen Notsituation zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus sollte jeder Einzelne prüfen, wie er den Menschen in Japan helfen kann.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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