Das Erste: „Menschen bei Maischberger“ am Dienstag, 29. Oktober 2013, um 22.45 Uhr

Erbschleicher – der hässliche Kampf um das Vermächtnis

Jedes Jahr werden Häuser, Aktien, Schmuck und Bargeld im Wert von über 200 Mrd. EUR vererbt. Bei jedem zehnten Nachlass gibt es Streit: Immer wieder versuchen Familienangehörige, aber auch Außenstehende, sich das Erbe auf kriminelle Weise zu sichern. Oft werden alleinstehende ältere Menschen Ziel der Erbschleicher. Wie kann man sich dagegen wehren?

Gäste:
Renate Scheffel (Psychologin)
Diana Mauritz (Opfer von Erbschleicherei)
Schwester Bernadette Brommer (Ordensschwester)
Parichehr Sauer und Anuschka Weyand (kämpfen um Sorayas Erbe)
Gerhard Weber (Bankangestellter, vermeintlicher Erbschleicher)
Joachim Mohr (Fachanwalt für Erbrecht)

Renate Scheffel 
Über Jahrzehnte hatte die Berlinerin eine enge Beziehung zu ihrer 
Schwester Helga und deren Ehemann. Nach dem Tod des Schwagers gelang 
es der Pflegerin, die Schwester zu isolieren und sich eine 
Generalvollmacht zu beschaffen. Renate Scheffel versuchte vergeblich,
die Schwester der Betreuerin wieder zu entziehen. Nur durch einen 
Zufall erfuhr sie von dem Tod ihrer Schwester und einem Testament 
zugunsten der Pflegerin. Renate Scheffel ging dagegen juristisch vor.
Die Richter gaben ihr Recht.

Diana Mauritz 
"Ich fühle mich von meiner eigenen Schwester um das Erbe betrogen", 
klagt die 45-Jährige. Kurz bevor die Mutter stirbt, räumt die jüngere
Schwester von Diana Mauritz das Konto der Todkranken leer. Im 
Testament waren die beiden Töchter zu gleichen Teilen bedacht worden.
Doch von ihrem Anteil hat Diana Mauritz bis heute nichts gesehen: 
"Meine Schwester behauptet, unsere Mutter habe das Geld unter dem 
Krankenhauspersonal verteilt." Dieser Version glaubte das Gericht 
nicht. Das Geld aber bleibt verschwunden.

Schwester Bernadette Brommer 
Die Ordensfrau deckte den Fall eines Erbschleichers im eigenen 
Freundeskreis auf. "Die Wut und Ohnmacht von Angehörigen, die 
Erbschleichern machtlos gegenüber stehen, habe ich selbst verspürt", 
berichtet Schwester Bernadette vom Orden "Guter Hirte" in München. Um
das Erlebte zu verarbeiten, schrieb sie das Buch "Willenlos - Wehrlos
- Abgezockt." Seitdem kann sich die couragierte Ordensschwester vor 
Briefen und Anrufen kaum retten und hilft Betroffenen.

Parichehr Sauer und Anuschka Weyand 
Der Fall ist wegen der Prominenz und der hohen Erbsumme spektakulär: 
Wenige Tage nach dem Tod von Prinzessin Soraya starb auch ihr in Köln
lebender Bruder, der das Millionenvermögen der Ex-Kaiserin von 
Persien geerbt hatte. Sein Privatsekretär und Chauffeur legte ein 
Testament vor, das ihn angeblich zum Universalerben einsetzte. Über 
20 Verwandte von Soraya gehen juristisch dagegen vor, unter ihnen die
in Deutschland lebende Groß-Cousine Parichehr Sauer mit ihrer Tochter
Anuschka. Anfang November ist der nächste Gerichtstermin in Köln.

Gerhard Weber 
Zu Unrecht geriet der Bankangestellte in den Verdacht, ein 
Erbschleicher zu sein. Über viele Jahre verwaltete Gerhard Weber mit 
einer Vollmacht das Geld einer guten Freundin, der Ehefrau seines 
früheren Chefs. Als sie starb, vererbte sie ihm einen Teil ihres 
Nachlasses. Sein Arbeitgeber sah darin eine gesetzeswidrige 
Vorteilsnahme im Amt und kündigte ihm fristlos. Gerhard Weber 
prozessierte und bekam Recht. Doch bis heute leidet er unter dem 
Gerede, sich ein Erbe erschlichen zu haben.

Joachim Mohr 
"Die meisten Fälle von Erbschleicherei passieren bereits vor dem Tod 
des Erblassers", so der Rechtsanwalt. "Häufig werden Vollmachten 
missbraucht, häufig innerhalb der Familie", sagt Joachim Mohr, der 
sich auf Erbrecht spezialisiert hat. 

„Menschen bei Maischberger“ ist eine Gemeinschaftsproduktion der ARD, hergestellt vom WDR in Zusammenarbeit mit der Vincent TV GmbH.