Janni Hönscheid „Surfen ist ein sehr unbeständiger Sport“

Janni Hönscheid ist eine deutsche Surferin und Model.

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Deine Familie ist ja sehr früh nach Fuerteventura ausgewandert. Für dich ist die Insel also sozusagen auch mehr Heimat als Deutschland? Kann man das so sagen und welche Verbindung hast Du noch zu Deutschland?

Ja, meine Familie ist tatsächlich vor 35 Jahren nach Fuerteventura ausgewandert, meine Eltern lebten lange auf Hawaii, allerdings war es ihnen zu weit weg von der Heimat, also entschieden sie sich alternativ für Fuerteventura, wo es für mein Vater als Profi Windsurfer perfekte Bedingungen zum Trainieren gab -nur 4 std. entfernt von Deutschland.  Sie reisten nach Sylt um mich dort zur Welt zu bringen, dann Reisten sie wieder zurück als ich 2 Wochen alt war, Ich wuchs also auf Fuerteventura in einem Haus am meer auf und besuchte eine Spanische Schule, allerdings hatte ich in meiner gesamten Kindheit immer eine sehr starke Beziehung zu Sylt/ Deutschland, da es auf Fuerteventura zu diesen Zeiten auch noch nicht viel gab schickte meine Oma immer Geschenke aus Deutschland oder nahm KiKa auf Kassetten auf und schickte sie uns rüber, als teenager verbrachte ich sehr viele Sommer auf Sylt und ich liebe es immer noch oft dort zu sein und es ist wunderschön solch ein Netztwerk aus Generationen dort zu haben, zB freunde mit denen mein Vater damals anfing zu Surfen, da merke ich schon dass ich Nordfriesische Wurzeln habe.

Surfen liegt ja bei Dir auch in der Familie, war Dein Wunsch dann schon immer auch in der Richtung einen Beruf nachzugehen? Oder gab es auch mal andere Alternativen?

Surfen gehörte für mich als Kind einfach dazu, da es meine ganze Familie tat und ich praktisch auf dem Strand aufgewachsen bin entwickelte sich surfen für mich zu mehr als nur ein Sport, es wurde eine Lebenseinstellung und ist für mich wie die Luft zum Atmen -im Wasser fühle ich mich einfach wohl! Als ich dann mein Abitur als Klassenbeste mit einer 1 abschloss und sogar eine Auszeichnung dafür bekam, wusste ich nicht genau was ich machen sollte: einerseits machte mir lernen Spass und ich interessierte mich dafür evtl. Psychologie zu studieren, doch ich wollte die Welt sehen und mich im surfen verbessern, also beschloss ich mit dem Surfboard die Welt zu Erobern.

Deine Schwestern sind ja beim Surfen auch sehr erfolgreich, wie ist das bei Euch unter Geschwistern, gibt es da Konkurrenzdenken, gerade bei Wettkämpfen vielleicht?

Sonni, Bitsy(meine älteste Schwester) und ich haben uns immer super verstanden und wir wurden von unseren Eltern nicht als Contest Maschinen erzogen (so wie es bei vielen anderen Pro Surfern ist) sondern haben immer zuerst den Spass beim Sport in den Vordergrund gestellt. Sonni und ich waren anfangs immer zusammen auf den Deutschen Meisterschaften, Sonni gewann 12 Jahre hintereinander! Natürlich haben wir uns dort im Wasser als Konkurrentinnen gesehen, da machst Du keinen Unterschied. Allerdings haben beide gerade im laufe der letzten Jahre wirklich ihr Ding gefunden und wir machen nun beide super tolle Sachen und gönnen uns die Erfolge, Sonni ist zudem eine Ausgezeichnete Künstlerin und designed gerade sogar Bikinis für meinen Sponsoren Chiemsee die ich dann bei den Fotoshoots für den Katalog Trage -wir arbeiten super zusammen.

Die Tage warst Du bei Stefan Raab zu sehen und hast da einige interessante Dinge erzählt. Du kommst sehr viel rum auf der Welt, erzähl mal: Wie oft im Jahr bist Du unterwegs bzw. wie lange?

Surfen ist ein sehr unbeständiger Sport -es fängt schon bei den Bedingungen an: manchmal wachst Du auf und es sind super Wellen, du surfst den ganzen Tag, manchmal sind 3 Wochen hintereinander gar keine Wellen, dann trainierst Du viel und hältst Dich fit. So ist es auch mit den Reisen und Foto/Media Jobs, Du weisst nie wirklich was kommt, ich bin aber für alles Offen und finde es total Spannend! Dazu kommt das mein Freund ja auch Profisurfer ist, hauptsächlich in grossen Wellen, also bin ich wirklich super viel Unterwegs und lerne so als Sportlerin und als Mensch sehr viel dazu weil du dich auf den reisen mit vielen dingen ausseinander setzt; zB war ich Anfang des Jahres mit dabei als mein Freund zum ersten mal die berühmte „Mavericks“ Welle in Californien Surfte, auch ich bin an dem Tag mit raus gepaddelt, habe es allerdings nur vom Rand beobachtet -eine Wahnsinns Erfahrung!

Wenn Du so an deine Reisen zurückdenkst, ist Dir dann eine ganz Speziell in Erinnerung geblieben, eine die Du sofort im Kopf hast, weil die Welle vielleicht perfekt war? Eine an die Du dich gerne erinnerst?

Eine Reise die mir wohl immer im Kopf bleiben wird ist ein Boot Trip auf die Malediven als ich gerade mein Abitur gemacht hatte, meine Schwester war auch mit dabei. Es war meine erste grosse Reise raus aus Europa. Davor war ich 5 Monate aus dem Wasser da ich eine Verletzung im Oberschenkel hatte und so konnte ich es gar nicht erwarten auf die Malediven zu fahren. Die Wellen waren ein absoluter Traum, jede Welle war wie aus einer Maschine, einfach Perfekt, und ich habe zum ersten Mal gemerkt wie ich mich in so kurzer Zeit unheimlich verbessert habe, ich glaube diese Reise war für mir sehr Entscheidend um weiter zu surfen.

Wie gefährlich ist das Surfen eigentlich? Welche Gefahren lauern und wovor muss man aufpassen, was kann also das schlimmste sein, was passieren kann und ist Dir schon einmal was passiert?

Das wichtigste beim Surfen ist dass man sein Können und die Bedingungen Einschätzen kann.  Den Vorteil den ich habe ist am Meer aufzuwachsen, daher habe ich das Auge dafür wie sich Wasser Bewegt. Surfen kann sehr gefährlich sein wenn man nicht weiss was man tut, oder sein können Überschätzt und dinge Überstürzt; Du solltest dich herantasten, zuerst in ganz kleine Wellen gehen, dich langsam steigern, ich würde jedem Einsteiger empfehlen ein kleinen Kurs zu machen( und sich diesen sehr gut auszusuchen) und sich Tips zu holen. Ich wurde schonmal lange Unter Wasser gehalten in einem Strand auf Fuerteventura (Cotillo) überall waren die Wellen zu gross nur dort schien fast gar nichts reinzukommen, also stürzten meine Schwester Sonni und ich uns rein, doch gerade wo wir beim raus paddeln waren kam ein wirklich grosses Set an. Sonni kam gerade noch drüber doch ich wurde für einige Wellen Unterwasser gezogen, danach ging ich sofort raus und setzte mich erschöpft auf den Sand. Allerdings sind solche Erfahrungen wertvoll und bringen dich im Grossen Bild weiter! Andere Gefahren lauern auf Reisen, zB. giftige Insekten/Quallen, Malaria Mücken, Krankheiten, man sollte sich vor einem Surf Trip immer gut Informieren und sich auf eine Reise Vorbereiten.

Was ist für die nächste Zukunft geplant, wo kann man Dich als nächstes sehen?

Momentan befinde ich mich in Irland um ein bisschen zu entspannen und zum Surfen natürlich, danach werde ich vom 5.-12 November in Marocco sein bei einem von Chiemsee und dem Robinson Club organisiertem Girls Camp, dort geben meine Schwester Sonni und Ich Surfunterricht für Anfängerinnen und Fortgeschrittenen  Surfer Girls und freuen uns auf eine schöne Woche mit allen Teilnehmerinnen bei der wir auch andere coole Sachen wie Yoga, Shoppen und Barbeques  -es sind übrigens noch Plätze frei!

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Ich bin Dankbar und glücklich dass ich meinen Traum leben kann und so viel Surfe und Reise, und ich freue mich wenn ich meine Sportart so rüberbringen kann dass es auch anderen Freude bringt und sie motiviert ihren eigenen Traum zu leben!  Mein bester tipp für alle: Natur ist die Realität, selbst Leute die in Städten wohnen sollten den nächsten Wald aufsuchen, ein bisschen Yoga Machen oder sogar auf einem Stand Up Paddle Board den nächsten See unsicher Machen,  also raus aus Facebook und rein ins Abenteuer!

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit dem Chef von der Spanischen Ölfirma „Repsol“ weil er neben den Kanaren Öl Platformen hin bauen will -das geht garnicht! So ein Wahnsinn! Alle die mit mir einer Meinung sind, bitte Unterschreibt: www.savecanarias.org… Danke!

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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