Abgeschobener Intensivtäter „Mehmet“ räumt im Streitgespräch mit Günther Beckstein bei Stern TV ein: „Ich spiele mit dem Gedanken, meine Haftstrafe anzutreten“

„Ich bereue, was ich getan habe, aber ich war noch ein Kind. Und: Es waren schwierige Umstände.“ So begründe Muhlis Ari, der in Deutschland als jugendlicher Intensivtäter Mehmet bekannt wurde, am Mittwochabend bei stern TV seine kriminelle Karriere. Erstmals räumt er im Gespräch mit Steffen Hallaschka sogar ein, die noch ausstehende Haftstrafe von 18 Monaten in Deutschland anzutreten: Ja, ich spiele mit dem Gedanken. Recht und Ordnung sollen ihren Weg finden.“

Der Justiz macht Mehmet schwere Vorwürfe: „Ich wurde als politisches Opfer benutzt. Man hat mich als Kind für die Politik ausgenutzt“, sagt er zu Steffen Hallaschka. „Ich wurde mit 14 Jahren abgeschoben, ganz alleine in ein Land, das ich nicht kannte. Wenn das nicht ungerecht ist, dann weiß ich auch nicht.“

CSU-Politiker Dr. Günther Beckstein, der live im Studio war, sieht das anders: „Wir hatten damals ein Problem mit jugendlichen Serientätern. Wir haben mit großem Aufwand versucht, die jungen Leute auf Kurs zu bringen. Aber in den Fällen, in denen alles gescheitert ist, haben wir das Asylrecht angewendet“, sagt Beckstein bei stern TV. Er war als bayerischer Ministerpräsident vor 15 Jahren für die Abschiebung des jugendlichen Intensivtäters verantwortlich. Dass Mehmet heute alles als kleine Jugendstreiche abtue, kann Beckstein nicht verstehen: „Die Kriminalität von Mehmet ist immer härter geworden“, so Beckstein, der die Entscheidung von damals bei stern TV verteidigt hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass er Berufsverbrecher geworden wäre, war groß. Mehmet hätte erfahren müssen, dass sein Verhalten Konsequenzen hat.

Abgeschoben – nach mehr als 60 Straftaten

Ende der 1990er Jahre hatte der Fall Muhlis Ari, genannt Mehmet, eine öffentliche Debatte über den Umgang mit ausländischen Jugendstraftätern ausgelöst: Noch bevor Mehmet 14 Jahre alt wurde, war er den deutschen Behörden bereits als Intensivtäter bekannt. Mehr als 60 Straftaten, darunter schwere Körperverletzungen, gehen auf das Konto des in Deutschland geborenen Jugendlichen mit türkischen Eltern. 1998 fällte die bayerische Justiz dann ein hartes Urteil: Mehmet, der bis dahin in einer Plattenbausiedlung am Stadtrand von München wohnte, wurde in die Türkei abgeschoben – ohne seine Eltern musste er Deutschland verlassen.

Nach vier Jahren durfte Mehmet zwar zurückkehren, geriet aber schnell wieder auf die schiefe Bahn: Weil er seine Eltern erpresst, verprügelt und bedroht hat, wurde Mehmet im Juni 2005 zu 18 Monaten Haft verurteilt. Diese Strafe trat Mehmet aber bis heute nicht an, denn er ist damals in die Türkei geflüchtet, wo er noch immer lebt. Seitdem darf er nicht nach Deutschland einreisen. Es besteht weiterhin Haftbefehl: Mehmet müsste bei Einreise seine Haftstrafe verbüßen.

Gnadengesuch für Mehmet

Gegen das Einreiseverbot in Deutschland hat Mehmets Anwalt Burkhard Benecken nun geklagt. Er will erreichen, dass sein Mandant Deutschland besuchen darf und er die Haftstrafe nicht mehr verbüßen muss. „Wir haben ein Gnadengesuch gestellt“, sagte Benecken bei stern TV. Auch Mehmets Anwalt glaubt, dass sich die Behörden damals „dem medialen Druck gebeugt haben.“ Er sagt: „Andere begehen viel schlimmere Straftaten und werden nicht abgeschoben. Heute wäre das undenkbar.“

Günther Beckstein dagegen fordert auch weiterhin Härte im Fall Mehmet: „Da flüchtet jemand vor der Strafe und wird dann dafür belohnt. Das wäre neu.“