Irina von Bentheim „Ich war und bin ein sehr eigensinniger Mensch“

Irina von Bentheim ist eine deutsche Schauspielerin und Synchronsprecherin. Sie synchronisiert u.a. Sarah Jessica Parker und Naomi Watts.

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Wann entstand bei Dir der Wunsch Schauspieler bzw. Synchronsprecherin zu werden, gab es da einen Speziellen Moment? Oder war das einfach Durch deine Rollen als Kind immer so, das es gar keine Idee für einen anderen Berufswunsch gab?

Es gab unendlich viel Raum für viele Ideen, Innenarchitektin, Ladenbesitzerin, ayurvedische Zentren wollte ich eröffnen, Kamerafrau werden, Talkshowmoderatorin, aber irgendwie hat meine Arbeit mit der Stimme mich immer wieder ins Radio getrieben zu geliebten Radiomoderationen oder vor Synchronstudio-Mikrofone, in Sprecherkabinen und dann eben nicht vor die Kamera, sondern auf die Bühne. Ein Regisseur-Ehepaar – Synchronkollegen-fragte mich, ob ich in einer Posse mit Gesang und Tanz mit spielen wolle. Und ich wollte und entdeckte meine Liebe zur Bühne. Nach dieser Produktion arbeitete ich eine Solo-Show aus, mit der ich dann durch den gesamten deutschsprachigen Raum tourte. „Sex and the City“ on stage quasi. Eigene Radiosendungen folgten und noch viele Bühnenshows zum Thema Erotik,-  Talk und Showprogramme.

Dadurch fing ich dann an eigene Sketche zu schreiben und habe mit meinem Bühnenkollegen Klaus-Peter Grap schon drei Programm auf die Bühne gebracht, mit denen wir durch Nord- und Ostdeutschland touren und in Berlin in „Die Stachelschweine“ gastieren.

Die Schauspielerei hat mich also eingeholt. Als ich als Kind Einblick in die deutsche Fernseh- und Kinowelt bekam, wollte ich das ehrlich gar nicht. Das Spielen hat mir Spaß gemacht, ja,  und mit Größen wie Heinz Rühmann oder Heinz Erhardt, Peter Alexander(!) zusammen arbeiten, von ihnen lernen zu können, war  ein Geschenk, aber das ganze Drumrum, die Falschheit, der Neid, die haben mich abgestoßen.

Als Kind hatte ich noch die Hoffnung, dass es in anderen Branchen besser wäre und ich was „anständiges“ lernen sollte, anstatt permanent von Durchgeknallten umgeben zu sein. Das würde ich heute revidieren, aber ich bereue nichts. Nach über 40 Jahren kenne ich die Branche aus unterschiedlichen Blickwinkeln, habe viele Bereiche kennen gelernt, neben dem künstlerischen auch immer den Journalistischen. Ich beschäftige mich inzwischen sehr gerne mit Marketing. Vielleicht durch die viele Werbung, die ich sprechen darf. Schließlich muss ich aber auch Hörproduktionen aus meinem Verlag „hörbarWeiblich“ vermarkten. Ich schreibe auch Werbetexte und erarbeite Konzepte. 

Wie war das damals Anfang der 70er ein „Kinderstar“ zu sein, wie hast Du das damals erlebt, da gab es ja noch nicht die Vielzahl der Medien wie heute, war das für dich als Kind normal, eher ein Abenteuer oder schon eher anstrengend?

Es war bestimmt ein Abenteuer. Ich durfte ja noch die Ausläufer des deutschen Familienfilms miterleben. Die Arbeit zu meinem ersten Film- „Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft“ war wirklich spannend. Das hatte Niveau. Wolfgang Liebeneiner, der Regisseur, war bezaubernd. Die Dreharbeiten sehr spielerisch und dann die Synchronisation(deswegen synchronisiere ich seit 43 Jahren), die Premierenfeiern in verschiedenen deutschen Großstädten mit viel Brimborium . Das war sehr cool! Andere Drehs waren dann abenteuerlich eher durch die verheerenden Umstände, wie die Dreharbeiten mit Heinz Erhardt an der Adria im Hochsommer. Ich wusste damals nicht, wieviel Doornkaat Erhardt trinkt. Er hat ihn wohl gut vertragen, aber Käthe Jaenicke(keine Ahnung, was sie trank) erschien regelmäßig nicht zum Dreh.

Ende der 60er Anfang der 70er liebte ich Peter Alexander und Heintje. Nachdem ich beide getroffen hatte, wusste ich, dass ich Peter Alexander wollte, aber leider kam ich an seiner Frau nicht vorbei. Die Erkenntnis hätte ich ohne Filmstar zu sein nie erlangt. Insofern war das sehr hilfreich. Aber wieder muss ich vom Neid anfangen. Es war in der Schule schon als Irina von Bentheim, Tochter des berühmten Fernsehmoderators, nicht leicht. Also hat meine Schauspielerei meinen Beliebtheitsgrad unter meinen Mitschülern leider nochmal stark herabgesetzt.

 Tatsächlich bin ich auch überall angequatscht worden, jeder kannte mein Gesicht. Das fand ich hoch peinlich und wäre immer am liebsten im Erdboden versunken. Ich bin ja eigentlich sehr schüchtern. Das merken nur die wenigsten.

Peinlich ist mir die Schauspielerei von damals nicht mehr. Inzwischen bin ich sogar stolz darauf(noch nicht sehr lange). Ich hatte eine sehr gute Schule und habe natürlich immer weiter gelernt. Bis heute. 

Viele Kinderstars werden später nicht wirklich wieder erfolgreich, aktuelles Beispiel ist ja Radost Bokel,  war das für Dich irgendwann ein Thema und eine Überlegung oder hattest Du eine Art Drang oder Zwang weiterhin erfolgreich zu sein? Wie bist Du da damals mit umgegangen, ich stelle mir das durchaus sehr schwierig vor?

Ich war und bin ein sehr eigensinniger Mensch und habe es mir nicht immer leicht gemacht. Mit 15 wollte ich auswandern und Gemüse anbauen, da hatte ich noch einen Tatort- Dreh und danach hab ich mich gar nicht mehr darum gekümmert, ausgewandert bin ich bis heute nicht, aber viel gereist. Eine meiner großen Leidenschaften! Gemüse baue ich auch an, aber zuhause. Ansonsten habe ich immer viel gearbeitet. Natürlich auch für Anerkennung aber vorallem weil es mir Spaß gemacht hat und natürlich auch weil ich mein eigenes Geld verdienen wollte, um unabhängig zu sein. Ich durfte in meinem Leben glücklicherweise schon viele Erfolge feiern. Nach dem ganz großen Rummel sehne ich mich immer weniger. 

Mittlerweile bist Du als Synchronsprecherin unterwegs und leihst Deine Stimme Berühmtheiten wie z.B.. Naomi Watts und Sarah Jessica Parker. Welche Rolle ist da deine liebste? Welche macht Dir am meisten Spaß?

Da wären wir wieder beim Thema Spaß! Spaß machen mir fast alle meine Rollen. Ganz schlimm war es, als ich neulich einen Film synchronisieren sollte, in dem Naomi Watts und Robin Wright zusammen spielen (beide synchronisiere ich seit 20 Jahren) und ich leider nicht beide sprechen durfte. Auch eine Giraffe, die ich in Barbar der Elefant spreche, macht mir Spaß. Das hängt viel an dem Team. Du kannst den tollsten Kinofilm synchronisieren ohne viel Spaß, weil die Bedingungen nicht gut sind und die Chemie nicht stimmt. Das passiert aber glücklicherweise äußerst selten. 

Gab es auch Projekte von denen Du sagst „Die hätte ich lieber nicht gemacht“?

Keineswegs, ich lebe doch von meiner Arbeit, insofern bin ich über jeden Auftrag froh und glücklich. Ab und zu sage ich allerdings auch mal „nein“. 

Was ich ganz spannend fand war auf Deiner Homepage der Abschnitt über „HörbarWeiblich“ eine Hörbuchreihe. Was kann man sich darunter vorstellen?

Das sind 7 Produktionen, die mir sehr am Herzen liegen. Das erste Bollywood-Hörbuch der Welt beispielsweise. Geschrieben von Shobhaa Dé, einer faszinierenden Frau! Oder „Beziehungskisten“- Kolumnen, die ich selbst geschrieben habe oder „Ich bin eine Berlinerin“, ein Feature aus meiner Radiozeit rund um den Fall der Mauer. „Die Bienenkönigin“ eine erotische Novelle von Gloria Vanderbild- noch eine faszinierende Frau, It-girl der 50er. Dieses Jahr habe ich noch 2 ungekürzte Bücher hinzugefügt, zum Download auf audible www.irinavonbentheim.de/audible. Dann gibt es „Ich trau’s mich kaum zu sagen“ brandaktuell. Und während ich dies hier schreibe warte ich auf ein Feedback aus der Schweiz für die Rechte für eine mögliche neue Produktion über die ich leider noch nicht reden darf. 

Was ist für die nächste Zukunft geplant, wo kann man Dich als nächstes hören?

In besagtem neuen Hörbuch auf audible. Dann kommt Anfang November der Film „Two mothers- Tage am Strand“ in die Kinos. Darin habe ich Naomi Watts meine Stimme geliehen und dann wartet „Lady Di“ auf mich, ebenfalls mit Naomi Watts. In Großbritannien hat der Film leider keine gute Resonanz gefunden. Und auf den Bühnen der Thaterschiffe in Bremen und Lübeck kann man mich auch noch sehen und hören.

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Es würde mich sehr freuen, wenn alle die dies lesen auf audible gehen und meine Hörbücher downloaden oder in den nächsten Buchshop gehen und meine Hörbücher bestellen. Außerdem werde ich jetzt sofort alle Auftrittstermine auf meiner Website www.irinavonbentheim.de aktualisieren und dann kann jeder mal gucken, ob und wann er Zeit hat zu kommen.

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mir fällt kaum einer ein, mit der oder dem ich in der Saune sitzen möchte. Also der ganze Rest!

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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