Jessika Westen „Vor GIGA hatte ich nicht den Wunsch zu moderieren“

Jessika Westen ist Diplom-Journalistin, war Netzreporterin im Channel Netbeat bei NBC GIGA und ist aktuell als Live-Reporterin für das ARD Morgenmagazin tätig.

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Deine Journalistische Karriere hast Du ja damals bei GIGA angefangen mit einem Praktikum, das sehr schnell zum redaktionellen Volontariat wurde. War die Entscheidung damals leicht das Studium zu pausieren und das Volontariat anzutreten oder hat die Entscheidung doch etwas gedauert?

Anfangs habe ich mich mit der Entscheidung tatsächlich sehr schwer getan, weil ich eigentlich jemand bin, der die Dinge, die er einmal angefangen hat, erstmal zu Ende bringt. Da ich mit meinem Studium, das ich zunächst begonnen hatte (Allgemeine Sprachwissenschaften, Soziologie und Medienwissenschaften auf Magister) aber ohnehin nicht ganz glücklich war, kam ich dann doch relativ schnell zu der Entscheidung das Volontariat zu machen. Außerdem wusste ich, dass ich als Bewerberin mit abgeschlossenem Volontariat, die Chance habe, doch noch das zu studieren, was ich eigentlich wollte, nämlich Journalistik in Dortmund. 

Damals lag der Numerus Clausus bei 1,0 und ich war leider nicht dabei. Mit abgeschlossenem Volontariat gab es aber zehn Plätze, auf die man sich ohne NC bewerben konnte. 

Im Nachhinein eine gute Entscheidung?

Absolut. Die Zeit bei GIGA war toll. Ich habe viel gelernt und konnte viel ausprobieren. Außerdem hatte ich die Möglichkeit während des Volontariats auch Station bei der Deutschen Fernsehnachrichten Agentur (DFA) zu machen, die damals noch einen Vertrag mit N-TV hatte. So habe ich nicht nur Jugendfernsehen gemacht, sondern auch „richtigen“ Nachrichtenjournalismus. Das Volontariat war sehr abwechslungsreich: Bei GIGA war es eine Kombination aus Moderation und Onlinejournalismus, bei der DFA war ich als Reporterin zu Themen aus den Bereichen Politik und Wirtschaft unterwegs und habe dort auch selbst drehen und schneiden gelernt. Die Kollegen waren toll, die Arbeitsatmosphäre sehr angenehm und GIGA konnte großartige Firmenpartys feiern.

Außerdem hat es nach dem Volontariat dann auch genau so geklappt, wie ich vorher gehofft hatte: Ich habe mich in Dortmund auf den Journalistik-Studiengang beworben und einen der zehn Plätze für Bewerber mit abgeschlossenem Volontariat bekommen. Also: Alles richtig gemacht. 

Kurze Zeit später warst Du dann zum ersten Mal „vor der Kamera“. War dieser Schritt schon immer ein Wunsch von Dir? Oder war es bis dahin wirklich der Wunsch hinter der Kamera in einer Redaktion zu arbeiten und der Schritt vor die Kamera war eher Zufall?

Vor GIGA hatte ich nicht den Wunsch zu moderieren, ich hatte auch noch nie darüber nachgedacht. Damals war ich noch bei der Zeitung und mochte den Job dort auch sehr. Als ich aber einmal bei GIGA angefangen hatte und die Kollegen bei der Moderation beobachtete, war mir ziemlich schnell klar: Das willst Du auch. Und ich musste nicht mal wirklich danach fragen. Schon nach wenigen Wochen fragte mich mein Chef damals, was meine Karriereziele für NBC GIGA seien und ich sagte damals noch sehr zaghaft so was wie: „Naja, ich könnte mir schon vorstellen, vielleicht auch mal was vor der Kamera zu machen“. An die Antwort erinnere ich mich genau, mein Chef sagte: „Alles klar, sehr schön, das ist eh schon im Gespräch, morgen machst Du ein Casting“. Tja und so bin ich da ziemlich schnell reingeschliddert. 

Hast Du eigentlich noch Kontakt zu den ehemaligen GIGA Kollegen, oder verliert man sich irgendwann aus den Augen?

Zu vielen Kollegen habe ich noch über die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Xing Kontakt. Wirklich regelmäßigen persönlichen Kontakt haben wir aber leider nicht. Es gab hier und da mal ein „Revival-Treffen“, die waren auch immer gut besucht und sehr nett. Aber natürlich geht jeder seinen eigenen Weg individuell weiter und da ist es eher schwer jeden Kontakt aufrecht zu erhalten, ich glaube das ist der normale Lauf der Dinge. Mit dem einen oder anderen telefoniere ich ab und zu noch. 

Sehr lustig finde ich: „Rentnerfernsehen? Die Öffentlich-Rechtlichen verlieren immer mehr jugendliche Zuschauer“ war Deine Diplomarbeit. Heute bist Du Live-Reporterin für das ARD Morgenmagazin und außerdem noch im WDR zu sehen. Würdest Du dem Satz „Die Öffentlich-Rechtlichen verlieren immer mehr jugendliche Zuschauer“ heute noch zustimmen oder hat sich das in den letzten Jahren geändert?

Ich habe da jetzt keine aktuellen empirischen Daten zu, aber ich würde sagen, die Öffentlich-Rechtlichen geben sich zumindest Mühe dem entgegenzuwirken. Es gibt ja mittlerweile Sender wie ZDFneo oder Einsfestival. Im Hauptprogramm könnte meiner Ansicht nach aber noch mehr passieren. Ich finde es auch schade, dass sich so wenige Ideen aus dem eigenen Haus durchsetzen. Es gibt oft viel versprechende Pilotprojekte, aber in vielen Fällen haben die sich nach einigen Folgen schon wieder erledigt. Woran das genau liegt kann ich nicht sagen, dafür habe ich zu wenig Einblick in die Strukturen hinter den Kulissen, aber da spielt sicher immer auch die Angst mit eine Rolle, die „Älteren“ zu vergraulen.

Vielleicht ist das hier ja meine Chance noch mal anzubringen, dass ich immer noch das Konzept für ein Jugend-Nachrichtenformat in der Schublade habe… also wenn sich ein Entscheider bei mir melden würde, ich bin zu Gesprächen bereit und moderiere das Ding natürlich auch gerne. (lacht)

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Seit etwa einem Monat gibt es ein Profil von Dir auf Facebook. Man könnte ja sagen, dass Du dich relativ spät entschlossen hast in die sozialen Netzwerke zu gehen. Was hat dich dennoch dazu bewogen das zu machen, ist ja auch mit mehr Arbeit verbunden oder?

Der äußere Eindruck täuscht. Ich bin schon einige Jahre bei Facebook, allerdings bisher nur mit einem privaten Profil. Ich hatte dort wirklich nur Kontakt zu Leuten, die ich auch im wirklichen Leben kenne. Mein Profil konnten auch nur „Freunde von Freunden“ sehen. Ab und zu kam es dann aber doch vor, dass Zuschauer mich gefunden haben und natürlich Kontaktanfragen stellten. Um dem gerecht zu werden habe ich dann irgendwann entschieden eine öffentliche Facebook-Seite anzulegen. Außerdem muss man ja mit der Zeit gehen und auch immer ein bisschen Werbung in eigener Sache betreiben. 

Was ist für die nächste Zukunft geplant, wo kann man Dich als nächstes sehen?

Regelmäßig sehen kann man mich momentan im WDR bei der Lokalzeit aus Duisburg (Mo. – Sa. 19:30 Uhr und die bundesweite Wiederholung morgens um 6:50 Uhr), dort bin ich oft als Außenreporterin unterwegs, mache aber auch viel als Autorin hinter den Kulissen. Ab und an kann man mich auch in der Aktuellen Stunde sehen und manchmal im ARD Morgenmagazin, diese Einsätze sind aber sehr unregelmäßig und sozusagen auf „Zuruf“. Ich habe gelernt, dass man in der Branche nicht viel planen kann, was als nächstes kommt und wann, das kann man nie wissen. Und bis dahin gilt es den „Jetzt-Zustand“ zu genießen. 

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Eigentlich hoffe ich in der Sauna nie jemandem zu begegnen, den ich kenne. Also keinem Kollegen oder guten Bekannten. Saunen gehe ich nur mit meinem Mann oder ein, zwei guten Freundinnen. Sonst muss ich da niemandem über den Weg laufen, den ich sonst nur angezogen kenne. Glücklicherweise hat das bisher auch immer funktioniert. 

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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