Linda Marlen Runge „Ich bin genauso brutal ehrlich wie Anni“

Linda Marlen Runge ist eine deutsche Schauspielerin, die aktuell bei Gute Zeiten, Schlechte Zeiten (GZSZ) auf RTL zu sehen ist.

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Anni 2

Dein Name ist ja die Tage in allen Medien zu lesen „Die neue bei GZSZ“ Das muss ein Wahnsinns Gefühl sein oder?

Ganz ehrlich? Wahnsinns-Gefühl, nee. Witzig ist es. Teilweise auch erschreckend. Ich meine, ich habe mir das erste Mal in meinem Leben die Bild-Zeitung gekauft, ich hätte das gar nicht mitbekommen, wenn ich nicht am Sonntag um acht Uhr morgens (Hallo?? Sonntag. 8 Uhr morgens. Ich dachte es wär‘ jemand gestorben…) eine Nachricht von einer Grundschulkameradin bekommen hätte. (Zitat: „DU BIST IN DER BILDZEITUNG 😀 “ )

Aber klar, ich habe das dann mit meinen besten Freunden hier gefeiert, hatten wir halt diesmal noch einen Grund mehr zum Anstoßen im Mauerpark außer das übliche  „Auf uns und auf das Leben.“- Prosit. 

Du wirst dort die Rolle der Andrea „Anni“ Brehme, erzähl mal was „Anni“ für ein Charakter ist und wie Du sie selbst siehst.

Anni ist meiner Meinung nach eine coole Sau. Sie sagt was sie denkt, sie ist keine Tussi, sie ist offen und liebt Menschen, sie geht gerne auf neue Leute zu, sie ist ein Paradiesvogel, ist tätowiert und ja, sie ist lesbisch.

Dennoch hat sie eine nicht so schöne Phase erlebt, ihr Outing ist ihr bei ihren extrem konservativen Eltern schwer gefallen, sie wurde verletzt, quasi verstoßen – deshalb hat sie zum einen ein Problem, wenn es darum geht Jemandem zu vertrauen und Gefühle zu zulassen und zum anderen ein Problem damit, wenn sie merkt, dass sie irgendwo auch konservativ und durchstrukturiert ist. Sie mag Pläne, Zahlen, Bürokratie, sie brauch Sicherheit. Eben wie ihre Eltern. 

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Euch?

Ich bin genauso brutal ehrlich wie Anni und musste lernen (den Schritt hab ich im Gegensatz zu Anni schon gemacht), dass nicht alle Menschen die nackte Wahrheit verkraften. Ich habe auch schon Menschen weh getan, weil ich sie nicht ins offene Messer laufen wollte, oder wenn ich gesehen habe, dass sie dabei sind sich in was zu verrennen. Ich sage was ich denke, ich kann nicht anders, aber ich habe im Laufe meines Lebens gelernt einfach mal den Mund zu halten- ich kann nicht lügen oder Jemandem etwas vormachen, aber wenn ich heute vor einer Person stehe, die das nicht abkann, sage ich lieber gar nichts. 

Anni 1

Bis vor kurzem hast Du ja noch in Mexico gelebt und dort Musik gemacht, wie kann man sich das Leben, dass Du in Mexico geführt hast vorstellen und wie läuft Dein „normaler“ Tag heute ab?

Ich bin mit einem Rucksack und 50 Euro in meiner Tasche nach Mexiko geflogen, ich hatte also quasi gar nichts und musste komplett neu anfangen. Spanisch konnte ich auch nicht, hatte aber das Gefühl, dass ich etwas tun muss, um mich wieder zu beleben. Ich habe bevor ich nach Mexiko gegangen bin in Berlin gelebt und bin mit meiner Kunst nicht so wirklich voran gekommen, dementsprechend haben mich Selbstzweifel aufgefressen, das in Kombination mit einer besorgten Familie, die einem immer wieder sagen „Mensch, Kind, dann geh doch wieder zur Uni“ war tödlich. Ich hatte keine Kraft mehr zum kämpfen, aber hier ging es mir zu gut, um aufzugeben. Ich wusste, ich muss irgendwo hin, wo mir keiner helfen kann außer ich mir selber, weil mein Wille so groß war, aber ich die Motivation nicht mehr aufbringen konnte.

Und Mexiko war ein einziger Kampf. Die Sprache, die Armut (ich hab ja nicht in irgendeiner Villa am Strand gelebt und Cocktails getrunken, ich hab mit 9 Mann in einem Haus mit 4 Zimmern gewohnt – 3 Generationen unter einem Dach), die Hoffnungslosigkeit, die Kriminalität, all das musste man 24/7 bekämpfen und sich überwinden trotzdem weiter zu machen, an sich zu glauben, nicht nur ich, die ganze Band- also haben wir den kompletten Tag damit verbracht Geld zu verdienen um den Proberaum und unser Studio finanzieren zu können, wir haben Equipment verliehen, Konzerte und Parties organisiert, auf denen wir spielen konnten, anfangs kannte uns ja keiner und dann Abends eben gespielt. Irgendwann hatten wir eine Fanbase, dann sind wir noch dazu getourt, durch ganz Mexiko, das war saugefährlich, aber der Zusammenhalt der Menschen und die Musik hat uns immer wieder zum Weitermachen bewegt.

Ja und irgendwann haben wir dann große Festivalbühnen gespielt.

Ergo, ein Tag in Mexiko: Aufstehen, nachdem Mann grad um 4 erst ins Bett gegangen ist (nach entweder Probe oder Gig mit LEJANA), schnell was essen, Auto voll laden mit Equipment (das bei Minimum 30 Grad), zum Kunden, zurück, was essen, Proberaum, proben, zurück, Konzert spielen, feiern, wieder abbauen, zurück, Bett und auf repeat.

Und am Wochenende ins Studio, Album aufnehmen. 

Mein normaler Tag heute: Aufstehen (wenn man Pech hat und als erster in der Maske sitzen muss um 5), Kaffee, Duschen, Rausrennen weil ich immer zu spät bin, wieder zurückrennen, weil ich die Kaffeemaschine angelassen hab, zur Bahn, feststellen, dass man doch noch 10 Minuten Zeit gehabt hätte, ins Studio nach Babelsberg fahren, drehen, irgendwann nachmittags fertig sein, nach Hause rennen, schnell umziehen, Make up aus dem Gesicht waschen, Gitarre packen, ins Berliner Funkhaus fahren, 3 Stunden Musik machen, sich nach dem zweiten Feierabendbier sagen „ok, jetzt ist aber Schluss“, nach Hause fahren, unterwegs Text lernen und so früh heimkommen, dass man noch mindestens 7 Stunden Schlaf bekommt, sonst bin ich nämlich ungenießbar. 

Bei „GZSZ“ spielst Du eine sehr rebellische Rolle, im realen Leben hast Du für die Rolle aber dein „rebellisches“ Leben etwas aufgegeben, würdest Du mir da zustimmen?

Nee, so gar nicht. Ich musste ja schon immer arbeiten, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen, ich war Königin der Nebenjobs, teilweise 3 auf einmal, damals in Berlin hab ich unter der Woche tagsüber im Biomarkt am Prenzlberg gesessen, abends auf Events gearbeitet und am Wochenende bin ich als Altenpflegerin über ’ne schäbige Zeitarbeitsfirma von Heim zu Heim gehetzt worden, also da musste ich mein Leben (ich würd es nicht rebellisch nennen) zum Großteil irgendwie auf Eis legen.

Heute hab ich einen Job, der mir sauviel Spaß macht, von dem ich leben kann und nebenher hab ich eigentlich – wenn ich vergleiche – MEHR Zeit und Möglichkeiten, mich der Musik zu widmen. Ich bin keine Rebellin, ich bin einfach kein Roboter. Ich habe damals nicht fertig studiert, weil ich einfach keinen Bock hatte etwas zu tun, was ich nicht mein Leben lang machen will – das wär definitiv der leichtere Weg gewesen, aber ich hab mich für Kunst entschieden und dafür arbeitete und arbeite ich nach wie vor sehr hart und diszipliniert! 

GZSZ Pia und Anni

Schaust Du dir eigentlich privat auch Soaps an? Oder was schaust Du am liebsten im Fernsehen?

Ich liebe Filme, vor allem alte, am liebsten mit Marlene Dietrich (Marokko zum Beispiel ist einer meiner Lieblingsfilme), spanische und mexikanische Filme find ich ganz groß, ich liebe Tarantino und Rodriguez Filme, ich steh total auf Woody Allen. Fernsehtechnisch schau ich auch Sitcoms, gerne mit extrem schwarzen Humor, zum Beispiel kenn ich alle Episoden von „Curb your Enthusiasm“ und „Extras“. 

Darfst Du schon was verraten wie Dein Charakter eingeführt wird und worauf sich der Zuschauer freuen darf?

Anni trifft Pia und Mesut im Vereinsheim und bewahrt sie vor einem Fehler, die beiden sind dabei über den Tisch gezogen zu werden, da kommt sie mit Pia ins Gespräch, die dann erfährt, dass Anni auf Wohnungssuche ist… 

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Ich hoffe, ihr habt Spaß mit mir, sehen uns ja demnächst wohl öfters… Bleibt, wie ihr seid, macht euer Ding und lasst euch nicht unterkriegen. (lacht) 

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit Johnny Depp. Mein Blut würde kochen, ich würde explodieren und dann wären meine Eingeweide überall und auf ihm drauf und uuääähhh… das macht doch keinen guten Eindruck so beim ersten Treffen, oder?

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de
Bilder © RTL – Rolf Baumgartner