Sascha Rotermund „Meine eigene Stimme zu hören oder mich selbst zu sehen war lange seltsam und fremd“

Sascha Rotermund ist ein deutscher Schauspieler und Synchronsprecher.

Er liest auch das Hörbuch Samba für Frankreich

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Sascha Rotermund Foto by Kida

Bevor Du Schauspieler geworden bist hast Du Lehramt studiert. Wann entstand bei Dir der Wunsch Schauspieler zu werden und was war der ausschlaggebende Punkt das Du dann dein erstes Studium abgebrochen hast?

Das Theater war schon früh meine große Liebe. Als Abitur und Zivildienst hinter mir lagen, fehlte mir zunächst der Mut, die Kunst zum Beruf zu machen. Zu groß war der Respekt davor, abgelehnt zu werden, und vor der Möglichkeit, nicht dauerhaft davon leben zu können. So fing ich das Lehramtsstudium an. Das erste Semster im Uni-Leben war noch spannend, die vielen neuen Menschen, die Uni-Parties. Aber bereits im zweiten Semster hat mir das Theater empfindlich gefehlt, und ich bin zu den Hochschulen gefahren um für einen Schauspiel-Studienplatz vorzusprechen.

Seit einigen Jahren bist Du überwiegend Synchronsprecher. Was daran fasziniert Dich am meisten?

Es sind die tollen Kollegen, denen wir versuchen, gerecht zu werden. Wir haben es bei der Synchronisation oft mit Schauspielern zu tun, von denen man sich „’ne Scheibe abschneiden möchte“, in meinem Fall John Hamm, Benedict Cumberbatch oder auch Omar Sy. Dazu so großartige Filme wie „Ziemlich beste Freunde“, „The Social Network“ oder die Serie „Mad Men“. Es ist ein Geschenk für einen Schauspieler, hier beobachten und „ein Stück weit mitspielen“ zu können.

Was war bisher Deine Lieblingsrolle die Du synchronisiert hast?

Ich versuche, mich auf drei zu beschränken: Don Draper in „Mad Men“ (Jon Hamm), Driss in „Ziemlich beste Freunde“ (Omar Sy), Ned in „Pushing Daisies“ (Lee Pace)… okay, einer geht noch: Michael Bluth in „Arrested Development“ (Jason Bateman). 

Schaust Du dir eigentlich alle Filme oder Serien an in denen Du eine Rolle gesprochen hast oder kann man das nicht, ist das seltsam wenn man seine eigene Stimme bei einer anderen Person hört?

Ich sehe mir die Arbeiten an, die mich „was gekostet haben“, die mir nicht leicht gefallen sind. Und die Filme und Serien, die mir persönlich gut gefallen haben. „Mad Men“ ist die einzige Serie, die ich mir komplett angesehen habe, weil ich sie grundsätzlich großartig finde, die Figuren und ihre Schauspieler, die Drehbücher, das Setting bis hin zur Musik und der gesamten Dramaturgie: ein Geniestreich. Meine eigene Stimme zu hören oder mich selbst zu sehen war lange seltsam und fremd, nach 13 Jahren in diesem Beruf habe ich mich aber daran gewöhnen können.  

Bei der Drei Fragezeichen Tournee Der seltsame Wecker – Live and Ticking im Herbst 2009 hat man dich in verschiedenen Rollen als Gastsprecher gesehen. Das wäre wohl als Fan der Drei Fragezeichen mein Highlight gewesen, was war Dein bisheriges Highlight?

Die „Live and Ticking“ Tour gehört mit Sicherheit zu den absoluten Highlights. Eine Show, die unheimlich viel Spaß gemacht hat, ein wunderbares und hochprofessionelles Ensemble, dazu das riesengroße Publikum, daß jeden Abend eine unheimlich schöne, warmherzige Athmosphäre in den Hallen geschaffen hat, das war toll. Berufliche Highlights für mich waren diverse Theaterproduktionen, die ich besonders gerne gespielt habe, z. B. „Harold und Maude“, „Little Shop of Horrors“ und auch „Der Widerspenstigen Zähmung“, aber auch die bereits genannten Synchronrollen.

Sascha Rotermund & Carolin Fortenbacher Photo by Kida

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Im Winter werde ich wieder im Hamburger Altonaer Theater spielen, in der schwarzen Komödie „Ladykillers“. Aber auch musikalisch gehe ich demnächst wieder auf die Bühne, ich bin Gitarrist und Sänger in der Band „La Fortenbacher & die Carolinger“. Zur Zeit arbeiten wir an unserem Album, im Herbst spielen wir im Hamburger Schmidts Tivoli und im Frühjahr 2014 folgen weitere Gastspiele quer durch die Republik.

In den neuen Batman-Hörspielen sprichst Du den dunklen Rächer. Wie bereitet man sich auf so eine Sprecherrolle vor? Schaut man sich da die Synchronisationen von Kollegen an, die Batman zb. in Filmen synchronisiert haben?

Das Dialogbuch ist immer das Wichtigste. Ich entwickle meine Rollen anhand der Handlungen und Verhaltensweisen in der jeweiligen Geschichte, und so war es auch hier. Für weitere Hintergrundinformationen habe ich mich durchs Internet gewühlt, habe gelesen, und habe mir Ausschnitte mit Keaton, Kilmer, Clooney und Bale angesehen, um zu sehen, wie Batman und Bruce da rüberkommen.

Deutsche Synchronisationen habe ich hierbei bewußt außen vor gelassen (was nicht falsch verstanden werden darf, ich schätze die Kollegen allesamt sehr!) Die Hauptarbeit entsteht dann im Studio mit dem Regisseur. 

Du bist ja „nur“ 5 Jahre älter als ich, bist also wahrscheinlich auch irgendwie mit der Batmanserie aus den 60ern mal in Kontakt gekommen zu sein und ich nehme an Du kennst auch die aktuelleren Filme. Welchen Batmandarsteller findest Du selbst am besten?

So richtig auf einem Batman-Trip war ich mit 15 (1989) als der Tim Burton-Film mit Michael Keaton und Jack Nicholson in die Kinos kam. Ich weiß noch, daß ich zu der Zeit ein Paar Tage in Paris war und über dem Eingang zum Virgin Megastore ein riesiges Batman-Zeichen hing, das fand ich ultracool.

Ich muß aber gestehen, daß ich die wenigsten Batman-Filme gesehen habe, und auch mit der Serie aus den 60ern nicht wirklich vertraut bin, daher kann ich nicht sagen, welcher Schauspieler mir am besten gefällt, jeder hat seine Vorzüge, und alles hat seinen Charme. Spontan fällt mir bei der Frage aber auf, daß ich mich viel mehr an die Gegenspieler erinnere, eben Jack Nicholson als Joker, Danny de Vito als Pinguin und natürlich auch Heath Ledger. 

Wer ist Dein Lieblingssuperheld?

Ich persönlich war immer mehr von Anti-Helden fasziniert. Als Kind habe ich die Geschichten von Don Quixote de la Mancha geliebt. Ein weiterer großartiger Antiheld ist auch Cyrano de Bergerac. Wer’s noch nicht kennt: rein ins Theater oder die „Man of La Mancha“-Verfilmung mit Peter O’Toole und Sophia Loren, und die Cyrano-Verfilmung mit Gerard Depardieu ansehen!

In gewisser Weise hast Du ja schon einmal Batman synchronisiert. Christian Bale, den Batman Darsteller im Film Public Enemies, zumindest sehr nahe dran. Worin unterscheidet sich eigentlich die Synchronisation im Film zu einem Hörspiel?

Na, die Rollen, in denen ich Bale synchronisiert habe, haben sich doch sehr von Batman unterschieden. 😉 

Der Unterschied zwischen Synchronisation und Hörspiel besteht darin, daß bei der Synchronisation die Geschichte, die Charaktere und die Situationen bereits von anderen Schauspielern entwickelt worden sind. Die Schauspieler am Mikrophon spielen diese Szenen im Studio lediglich in deutscher Übersetzung nach. Man benutzt die Mittel der Schauspielerei in Gefühl und Ausdruck, doch man ist nur sehr bedingt kreativ, da man immer nur ein Original bearbeitet.

Beim Hörspiel wird eben auch entwickelt. Man ist nicht an Originaltöne und Lippensynchronität gebunden, und kann eine Rolle nach seinem Empfinden und Verständnis ausspielen. Und im besten Fall spielt man seine Szenen im Studio mit den Kollegen zusammen, dann ergeben sich die Dialoge im Moment, mit Dynamik und auch mit Pausen, denn Schauspielerei heißt auch, dem Partner aktiv zuzuhören und konkret zu reagieren. Diese Freiheit hat man bei der Synchronisation nicht.

Beides hat seinen Reiz, Hauptsache die Inhalte sind gut!

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Ich hoffe, die Rollen für Euch bestmöglich auf deutsch zu vertonen, so daß Ihr Spaß am Film habt, und die Tatsache, daß er synchronisiert ist, total vergessen könnt!  

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit ’nem Kater… 😉

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de