Sandra Borgmann „Hinter jedem Erfolg stehen x Rückschläge“

Sandra Borgmann ist eine deutsche Schauspielerin die unter anderem durch die Serie Die LottoKönige bekannt ist.

Unterstütze diesen Interviewpartner:
Klicke auf den Artikel und besuche die Links

Sandra Borgmann bei ihrer Agentur | bei IMDbmehr Infos…

Jetzt bei Amazon bestellen um die Autoren damit zu unterstützen! Vielen Dank!

WESTDEUTSCHER RUNDFUNK KÖLN Die LottoKönige Staffel 2, Folgen 7 -12 Claudia König (Sandra Borgmann).

Sandra, In der Schule hast Du schon Theater gespielt und direkt nach der Schule angefangen Schauspiel zu studieren. War Dir immer schon klar Schauspielerin werden zu wollen und wie entstand der Berufswunsch?

Es begann darüber, dass ich gerne gelesen habe, immer schon. Geschichten also. Zu Weihnachten gingen meine Eltern mit mir ins Weihnachtsmärchen. Zu meinem 12. Geburtstag ging meine Mutter mit mir und meinen Freunden in „Clowns“, das sie gerade am Theater an der Ruhr spielten. Das war 1986. Ich saß mit offenem Mund und war glücklich zuzuschauen. Ich glaube, das war der Beginn. Ab dann ging ich immer wieder dorthin. Später, vor dem Abi, gründete Holger Bergmann, der mittlerweile den Ringlokschuppen in Mülheim an der Ruhr leitet, eine Theatertruppe aus Schülern und Studenten. Wir spielten in alten Mannesmann-Hallen, spielten in Avignon, improvisierten, entwickelten die Geschichten in starken Bühnenräumen. Heftige Geschichten auch. Und ab dem Punkt war es im Grunde klar. Wir bewegten uns über Jahre zwischen Ciulli, der das Theater an der Ruhr leitet, Pina Bausch in Wuppertal, diversen Kunstgeschichten in NRW und den freien Theater-Companien Europas, die einmal im Jahr bei den Ruhrfestspielen zusammen kamen. Und natürlich Helge nicht zu vergessen…:) Das waren starke Einflüsse und sehr autarke Künstler, die jenseits der abgetrampelten Pfade arbeiteten. NRW war für so was immer gut, die Künstler konnten unabhängiger arbeiten als z.B. unter dem Druck in Berlin. Und irgendwann wusste ich, dass ich das machen wollte. Obwohl ich eigentlich große Angst hatte auf eine Bühne zu gehen. Aber das war dann egal.

Deine ersten Rollen waren unter anderem eine Nebenrolle im Tatort oder auch die Hauptrolle in Oi!Warning. So eine Karriere sieht man ja sehr selten, wie viel Glück gehört eigentlich in dem Beruf dazu eine Rolle zu bekommen? Ich könnte mir vorstellen, dass das Können von Schauspielerin immer sehr dicht an dem der Kollegen liegt oder gibt es da riesen Unterschiede?

Die erste Frage kann ich beantworten, über die zweite bin ich nicht ganz klar, was Sie damit meinen. Einiges am Erfolg können wir nicht beeinflussen. Und das nennen wir meistens dann Glück. Oder wir sagen, Leute haben Glück gehabt, wenn sie etwas erreicht haben, was wir nicht erreicht haben. Letztendlich glaube ich, dass das Glück überall im Leben eine Rolle spielt und zur gleichen Zeit, wenn wir uns die Biografien erfolgreicher Menschen anschauen, hat deren Erfolg mit vielen Dingen zu tun, und nur in den seltensten Fällen mit Glück. Ich glaube nicht, dass die Aldi-Brüder besonders viel Glück hatten. Oder Schlingensief. Oder Helge Schneider. Oder Pina Bausch. Oder Wim Wenders. Oder die Ottos. Deren Biografie beginnt deutlich früher als das, was wir heute behandeln; und hätten Sie früher Helge mit seiner Band in diesen kleinen Clubs im Ruhrgebiet gesehen, hätten Sie wahrscheinlich nicht gedacht, dass das ein Mann ist, der irgendwann mal von jedem gekannt wird:) Hinter jedem Erfolg stehen x Rückschläge. Und mit denen umgehen zu können und die produktiv zu überwinden, ist keine Glückssache.

Was die 2. Frage angeht… Was Schauspieler an Qualitäten oder Nicht-Qualitäten mitbringen, ist sehr unterschiedlich. Und Spielen ist keine Solo-Veranstaltung. Je mehr der Spielpartner mit rein bringt, desto interessanter wird die Szene werden. Und doch, ja, natürlich, es ist so wie überall sonst auch: es gibt Kollegen, die so wenig reinbringen, dass man eine Sache alleine wuppen muss. Und andere, wo man nach nem Arbeitstag ganz satt und zufrieden nach Hause geht.

WESTDEUTSCHER RUNDFUNK KÖLN Die LottoKönige Staffel 2, Folgen 7 -12 V.l. Nora (Olga von Luckwald), Theo König (Max von der Groeben), Claudia König (Sandra Borgmann), Rudi König (Waldemar Kobus), Helga König (Beate Abraham) und Herr Scheffel (Wichart von Roell)

 

Aktuell bist Du in „Die Lottokönige“ zu sehen. Erzähl mal, was erwartet uns in der neuen Staffel?

Die neue Staffel führt in neuen Variationen weiter, was bisher erzählt wurde. Die Königs versuchen sich ihre Wünsche zu erfüllen ohne dass jemand merkt, wie viel Geld sie dafür zur Verfügung haben. Und dann passieren natürlich noch einige Dinge, die ich nicht verraten darf. 

In einem Interview hast Du mal gesagt es gäbe keine Rollen, denn man bekommt ja nur seinen Text und wäre die Rolle selbst. Ist das wirklich so, ist deine Rolle 100% Du?

Nein:) Das habe ich nicht gesagt. Das, was ich sagte, war, dass eine Rolle erst einmal einfach Blätter sind mit Text darauf. Und das glaubt einem ja schon keiner. Die verbreitete Annahme ist, dass eine Rolle etwas ist, was da steht im Raum wie eine Kostüm-Menschen-Schablone, in die man „schlüpft“ wie in einen Mantel. Und dann „ist“ man das, in diesem Mantel drin, und bildet das auf Film ab. Oder auf der Bühne. Die andere Annahme, die etwas konträr dazu verläuft, aber genauso verbreitet ist, ist, dass Schauspieler sich zum „Rollenspiel“ verstellen. Und wer sich besonders gut verstellt, ist ein besonders guter Schauspieler. Als wäre eine Rolle etwas, wofür man sich eine Maske aufsetzt. Und da wäre wieder der Mantel.

Margareta Broich hat mal gesagt, es sei ein Phänomen z.B. mit Perücken. Es gibt Kollegen, die setzten die Perücke auf, und sie sieht aus wie ihr eigenes Haar. Und andere, auf denen sitzt sie wie eine Badekappe. Ein sehr lustiges Bild. Und es stimmt:)

Wenn man jetzt z.B. an Musiker denkt, vielleicht ist es da einfacher zu verstehen. Klassische Musiker, die ein bestimmtes Repertoire spielen. Oder singen. Schubert-Lieder. Dieselben Noten. Der eine singt sie so, dass wir ganz glücklich werden beim Zuhören. Und der andere singt sie so, dass sie uns überhaupt nicht berühren. So ist das. Und keiner von beiden ist Schubert.

Wenn Du heute 1. Millionen Euro bekommen würdest, was würdest Du mit dem Geld machen?

Einen Großteil spenden, und von dem Rest ein nettes Häuschen im warmen Süden kaufen.

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant? Wo kann man Dich noch sehen?

Gerade abgedreht habe ich einen Polizeiruf Rostock und vor einiger Zeit den Berliner Krimi „Die letzte Instanz“. Und im Oktober kommt die schöne Verfilmung vom „Kleinen Gespenst“ in die Kinos, wo ich die Mutter vom Karl spiele.

WESTDEUTSCHER RUNDFUNK KÖLN Die LottoKönige Staffel 2, Folgen 7 -12 Claudia König (Sandra Borgmann).

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Da ich die Leser nicht kenne, fällt mir jetzt gar nichts ein 🙂

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Im Moment 🙂 ? Mit Uli Hoeneß. Sicher nicht.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de
Bilder © WDR/Frank Dicks