Versuchslabor Armut | TV

Versuchslabor Armut: Vergiss deine Vorurteile. Du musst offen sein. Donnerstag, 23. Mai 2013, 20.15 Uhr in 3Sat.

Abhijit Banerjee bei einem Projektbesuch in Indien.

ZDF und J-Pal, Docuvista Filmproduktion

Versuchslabor Armut: Offizielle Produktbeschreibung

Mehr als vier Milliarden Euro spenden allein die Deutschen alljährlich für humanitäre Hilfsprojekte. Sie tun es in der Hoffnung, die Armut in der Welt zu bekämpfen. Aber wann hilft die Hilfe wirklich? Eine neue Generation von Entwicklungshelfern will diese Frage mit Methoden beantworten, die bislang eher aus den Naturwissenschaften bekannt waren. Die Dokumentation „Versuchslabor Armut“ von Daniela Hoyer und Thomas Hies begleitet Esther Duflo auf einer Forschungsreise nach Indien. Gemeinsam mit ihrem Partner und ihrem zehn Monate alten Baby besucht sie dort Hilfsprojekte ihrer Kollegen. Die Dokumentation zeigt, wie engagiert die Forscherin für die Anwendung ihrer Evaluationsmethoden kämpft. Duflo erzzählt, wie sie mit knapp 25 nach Indien kam und feststellte, dass Armut in Echt nicht dem Klischee ihrer vorstellung von Armut entsprach. Und musste inne halten und dachte: „Vergiss Deine Vorurteile – Du musst offen sein dafür, wie die Dinge hier laufen.“ Und das heißt vor allem, niemanden zu unterschätzen. „Es geht darum, diesen Menschen über die erste Hürde zu helfen. Ein Teil der Armutfalle, in der sie stecken, kommt von ihrem geringen Selbstwertgefühl, weil sie sich nicht zutrauen, selbst etwas auf die Beine zu stellen.“

Die Forscher testen Entwicklungsprojekte wie Pharmaunternehmen ein neues Medikament: mit Zufallsexperimenten und Kontrollgruppen. Die Französin Esther Duflo gehört gemeinsam mit ihrem indischen Partner Abhijit Banerjee zu den Stars dieser jungen Denkschule. Mit ihren 40 Jahren gilt Duflo bereits als Kandidatin für den Wirtschaftsnobelpreis. Das Magazin „Time“ zählt die Wissenschaftlerin, die am Massachusetts Institute of Technology (MIT) lehrt, zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt. Gemeinsam mit Banerjee gründete sie am MIT das Poverty Action Lab, eine Denkfabrik zur Optimierung der Entwicklungszusammenarbeit. Esther Duflo stellt der konventionellen Entwicklungshilfe ein schlechtes Zeugnis aus. Zu lange habe lediglich der gute Wille gezählt – oder die gutgemeinte Hilfe habe die Probleme nur verlagert. Ihre Experimente brachten teilweise erstaunliche Ergebnisse. So stellte sie fest, dass sich die Fehlzeiten von Lehrern in Entwicklungsländern nicht durch höhere Bezahlung, sondern durch soziale Kontrolle verringern lassen. Am zuverlässigsten erschienen diejenigen Lehrer, die jeden Tag von ihren Schülern fotografiert wurden – als Beweis dafür, dass sie bei der Arbeit waren.