Balian Buschbaum „Ich identifiziere mich nicht als transsexuell“

Balian Buschbaum war unter dem Namen Yvonne Buschbaum als erfolgreiche deutsche Leichtathletin im Stabhochsprung aktiv und ist aktuell bei Let’s Dance auf RTL zu sehen.

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Balian Buschbaum und Sarah Latton (c) RTL / Stefan Gregorowius

Balian Buschbaum und Sarah Latton (c) RTL / Stefan Gregorowius

Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass viele Leser Dich nicht auf Anhieb kennen werden. Bekannter bist Du unter Deinem ehemaligen Namen „Yvonne Buschbaum“. Hier holtest Du im Stabhochsprung internationale Titel. Seit 2007 gehst Du relativ offen mit Deiner Transsexualität um, stört es Dich eigentlich sehr auf dieses Thema angesprochen zu werden?

Zunächst glaube ich, dass egal, was ein Mensch in der Vergangenheit erlebt hat, er sich für nichts schämen braucht. Ich bin ein ganz normaler Mann mit einem etwas anderen Werdegang. Ich identifiziere mich auch nicht als transsexuell. Dies ist ein Begriff, den die Gesellschaft benötigt, um Menschen in Schubladen zu stecken. Ich arbeite seit Jahren daran, dass wir dieses Schubladendenken sprengen. Jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen. Ich verstehe, dass mein Werdegang für manche Medien als Sensation erscheinen könnte, allerdings nur dann, wenn man diesen Weg oberflächlich betrachtet. Um mich zu verstehen, sollte man einen Ausflug in die Biologie wagen, um zu wissen, wie Transsexualität überhaupt entsteht. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass unser Geschlecht im Gehirn festgelegt wird und NICHT zwischen unseren Beinen abgelesen werden kann. Die Natur kreiert und geht auch im Tierreich spielerisch mit all ihren Kreationen um, warum auch nicht beim Menschen? Ich empfinde es mittlerweile schon als „langweilig“ wenn meine Vergangenheit ständig thematisiert wird. Letztendlich stelle ist niemand von uns seine Vergangenheit, denn wir leben alle im Hier und Jetzt. Ich stelle Sie ja auch nicht als Reporter vor, der sich zum Beispiel vor vier Jahren hat Fett absaugen lassen oder sich eine Fußwarze entfernen ließ.

Wie hat sich Dein Leben seit der Zeit damals im Vergleich zu heute verändert? Bist Du jetzt glücklicher, wie kann man sich das vorstellen?

Ich bin endlich ich! Ich lebe körperlich und seelisch im Einklang und fühle Harmonie in mir. Verändert hat sich nicht wirklich viel, außer, dass ich heute nun der Mann bin, der ich innerlich schon immer war. Menschen sind dann glücklich, wenn sie ganz sie selbst sein können. Mein Lebenstraum hat sich daher erfüllt und dafür bin ich sehr dankbar.

Dein neues Buch heißt „Frauen wollen reden, Männer Sex“ erzähl mal, was man sich darunter vorstellen kann, was erwartet den Leser?

In meinem zweiten Werk geht es zu Beginn um typische Mann-Frau Vorurteile, Klischees und Verhaltensweisen, die ich durch Studien und eigene Erfahrungen etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Meine größte Motivation war es allerdings mich abzuheben von den üblichen Mann-Frau Ratgebern. Ich habe versucht ein ganzheitliches Buch zu schreiben. Dementsprechend könnte der Titel auch Mann-Frau-Mensch heißen. Hier finden die Leser Antworten auf Lebensfragen ganz unabhängig der Geschlechter.

Ebenfalls geht es um den gesellschaftlichen Umgang mit Andersartigkeit, Akzeptanz und dem Mutmachen einer sich immer wieder lohnenden Horizonterweiterung. Gedanken über Liebe, Beziehung und Partnerschaft kommen ebenfalls nicht zu kurz. Als Highlight erreichen die Leser natürlich auch wieder persönliche Geschichten und Erlebnissen, bei denen es wieder viel zu lachen gibt.

Balian Buschbaum und Sarah Latton (c) RTL / Stefan Gregorowius

Balian Buschbaum und Sarah Latton (c) RTL / Stefan Gregorowius

Du bist nicht nur Buchautor, sondern mittlerweile auch Stabhochsprungtrainer. Wieso eigentlich Stabhochsprung? Was an dem Sport hat Dich so fasziniert?

Ich bin kein Stabhochsprungtrainer mehr, sondern habe mich selbständig als Buchautor, Mental- und Fitnesscoach Coach gemacht. Ich sehe es als meine Berufung Menschen weiter zu bringen, denn jeder hat sein Päckchen zu tragen und ist es wert, dass man sich mit ihm beschäftigt.

Tanzen ist ja auch ein Sport, Du nimmst an der aktuellen Staffel von Lets Dance teil. Trainierst Du da schon und weißt Du schon wer Deine Tanzpartnerin sein wird?

Wie gut kannst Du eigentlich tanzen? Ich nehme an, auch nicht besser als jeder der mal einen Tanzkurs gemacht hat? Oder hast Du da schon mehr Erfahrungen?

Ich bin ein Frischling. Tatsächlich habe ich es nie geschafft einen Tanzkurs zu machen. Immer dann, wenn meine Klassenkameraden den nächsten Kurs absolviert haben, war ich auf Wettkämpfen oder im Training unterwegs. Heute freue ich mich, dass ich mir diesen Wunsch erfüllen kann. Tanzen ist Sport. Tanzen bedeutet für mich aber auch Freiheit.

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Das Leben ist ständige Veränderung und nicht planbar. Wer den Mut hat sich fallen zu lassen und in den Fluss des Lebens hineinzuspringen, den wird erwarten, was gut für ihn ist. Ich lasse mich gerne überraschen welche Anfragen mich noch erreichen werden…

Balian Buschbaum (c) RTL / Stefan Gregorowius

Balian Buschbaum (c) RTL / Stefan Gregorowius

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Vertraut auf Eure Intuition und vergesst nicht: Der Weg zur Freiheit ist der Mut!

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Ich bin ein Menschenfreund und weiß, dass jede Ablehnung im Außen auch eine Ablehnung in meinem Inneren wäre. Wir sind doch alle auf irgendeine Art und Weise miteinander verbunden. 

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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