Torsten Sträter „Ich habe nie gekokst, weder Persil noch sonst was“

Torsten Sträter ist Poetry-Slammer, Autor und Komödiant.

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Torsten Sträter

Ich hoffe es ist in Ordnung, wenn ich einfach „Du“ sage?

Morgen. Ja klar. War das schon die erste Frage? Falls ja: Ich lasse mich sehr gern duzen. Außer bei IKEA. Die tun das so exzessiv, dass ich immer ein bisschen irritiert bin. Erst nennen Sie einen Plastikstuhl „Kimme“ und dann duzen sie dich auch noch. Ich latsche da trotzdem gern durch, obwohl IKEA rein humoristisch gesehen verbrannte Erde ist. War jeder schon dran, da gibt es 10.000 Gags.

„Poetry Slam“ darüber habe ich eigentlich erst wirklich was gehört nachdem ich Deinen Auftritt bei TV Total gesehen habe. Ist das bisher nur an mir vorbei gegangen oder ist das wohlmöglich in der Comedy ein Nischenprodukt? Denn eigentlich ist das ja grundsätzlich keine Comedy?

Gut, dass du fragst. Kurz erklärt: Poetry Slam ist ein Veranstaltungsformat. Da treffen sich so 4-12 Poeten und treten gegeneinander an. Das Publikum spielt die Jury. Da gibt’s Deutsche Meisterschaften, Landesmeisterschaften, Weltmeisterschaften. Der bekannteste Slam Poet ist vermutlich Sebastian 23. Textlich ist da alles erlaubt, vom frei performten Gedicht bis eben zu lustigen Geschichten. Das Ganze hat auch seine Regeln: Keine Kostüme, keine Instrumente, keine durchgehenden Gesänge, der Text muss von dir sein und du hast nicht ewig Zeit für deinen Text. Hat man bei TV TOTAL auch nicht, deswegen ist Poetry Slam ein gutes Training. Jedenfalls: Theoretisch kannst du auf einer Slam-Bühne auch den Titelsong von Greys Anatomy rülpsen. Wenn du das physisch hinkriegst. Aber nicht singen. 

Was ich bei Stefan Raab gemacht habe, war aber natürlich kein Poetry Slam. Ich bin schon eine ganze Zeitlang mit meinen Geschichten unterwegs, nehme gern an Slams (so die legere Kurzform) teil und komm auch schlecht von Poetry Slam los. Ist ein bisschen wie bei den Anonymen Alkoholikern. Man geht irgendwann nicht mehr so rege hin, bleibt aber immer Teil des Vereins. Aber wenn ich solo spiele oder im TV bin, ist das Comedy, oder Komik, oder Kabarett, oder „Typ mit Mütze trägt was vor“. 

Ich schreibe ja auch Bücher oder ab und zu für den KICKER. Ich möchte Spass haben. Ich möchte, dass andere Spass haben. Fertig. 

Was die Comedy betrifft: Comedy ist gut. Ich habe da keine Berührungsängste oder versuche so zu tun, als wäre ich der große Literat. Material ist lustig oder nicht. Ich lese gern vor, denn ich schreibe mein Zeugs extra, um es vorzulesen. Natürlich kann ich auch freihändig Blödsinn erzählen. Aber mir gefällt dieses „der komische Onkel liest euch nun eine Geschichte vor“. Obwohl ich die meisten Texte auswendig kann. Aber das klingt dann auch wie auswendig gelernte Geschichten. Fakt ist: Ich finde es toll, andere Menschen zum Lachen zu bringen. Nee, ich habe auch nichts gegen Geld. Aber das Gefühl, dass sich Leute abrollen, weil sie auf dem Pott dein Buch lesen oder du auf einer Bühne feststellst, „Jupp, das kommt gut an“ … das ist eines der besten Gefühle der Welt. Ich glaube, auch Mario Barth tut das in erster Linie deswegen.

Wie sieht eigentlich dann so ein Prozess bei Dir aus, wenn Du einen neuen Text schreibst? Feilst Du da sehr lange dran, oder kommen Dir Ideen wie zb bei „Frauenfußballtext 1″ (Das finde ich extrem witzig) spontan?

Unterschiedlich. Meistens ist da diese Grundidee. Die muss gar nicht lustig sein. Vor vier Wochen steige ich nachts in Hamm, Westfalen um, schlurfe durch die Passage zu Gleis 4 und sehe das Plakat. Riesengroß. Darauf: Das Gesicht eines irgendwie bekümmert wirkenden Pandabären.

Darunter: WIR MÜSSEN REDEN 

Da stehst du dann mitten in der Nacht in einem vollgestrullten Gang vor einem Panda-Poster und hörst dich laut sagen:

„Aber machs kurz, in vier Minuten kommt der Zug nach Dortmund.“

Das ist die klassische Idee. Hat sich so zugetragen. Ob da was draus wird, zeigt sich, wenn das Schreiben beginnt.

Frauenfußballtext 1 entstand zusammen mit Version 2 an einem einzigen Sonntag. Ich durfte für den DFB die Frauenfußball-WM begleiten und im Team mit anderen Schreibern an den Austragungsstätten der WM lesen.

Sonntag morgen, am Vortag der Reise, lese ich mir die Email mit den Instruktionen erstmals richtig durch. Wie jetzt? Die Texte müssen von FußBALL handeln? Holla.

Okay. Jetzt aber. Kanne Kaffee, Wikipedia auf, schauen obs was lustiges gibt, ne, alles Klischeezeug, muss ich eben selbst was machen, toll, los geht’s. Der Text entstand in einer Sitzung, danach sofort Variante 2, die im neuen Buch als FUMP zu finden ist.

Grundsätzlich versuche ich immer Themen zu verwursten, die einigermaßen Zeitlos sind. Ich habe einen schönen Text über Bubble-Tea, aber die Thematik ist durch. Schade. Es gibt natürlich auch Sachen, an denen ich mir einen abbreche. Momentan schreibe ich über Senf. Keine Ahnung, warum ich mir das in den Kopf gesetzt habe.

Wie viel von Dir, also wirklich erlebten, stecken eigentlich in Deinen Texten?

Och … ich habe nie gekokst, weder Persil noch sonst was. Nehmen wir mein Leben als Kulisse, wie in einer Karl May-Aufführung in Bad Segeberg. Da kommts von links, da kommts von rechts, ich schnapp mir das beste. Einige Geschichten sind allerdings absolut wahr. DIE SACHE MIT STRUPPI, oder DIE DREI PRÜFUNGEN. Meinen Sohn baue ich einfach gern in meine Geschichten ein, weil ich ihn so liebe. Ein kleines Denkmal. Die ganzen absurden Situationen finden natürlich so nicht statt, aber wenn ich mich in einer Geschichte befinde, und es geht über Tische und Bänke, habe ich ihn gern an meiner Seite.

Worüber kannst Du eigentlich selbst am besten lachen?

Ich finde vieles lustig. Olaf Schubert. Ein Sprach-Virtuose. Dieter Nuhr. Jochen Malmsheimer, der ein unglaubliches Genie der Sprache ist, da ist kein rankommen. Filme mit Bill Murray. Die frühen Sachen von Steve Martin. Literarisch: David Sedaris, oder Woody Allen, da gibt’s ganz viel. Max Goldt. Marc Uwe Kling.

Wann hast Du eigentlich gemerkt, dass Du ein Talent dazu hast Geschichten lustig vorzulesen oder besonders witzige Texte zu schreiben?

Als die Leute das erste Mal lachten. Live. Unbeschreiblich. Entschuldige, dass die Antwort so knapp ist.

Torsten Sträter

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant? Wo kann man Dich als nächstes sehen?

Die Verlockung, jetzt hier meinen Terminkalender einzukopieren, ist riesig. Ach egal, hier die hyperaktuelle Seite meiner Agentur: http://www.susannebuhr.de/torsten-straeter/programm.html Meine Website ist momentan eine Idee zu unaktuell. Ich erstellte sie selbst, und zwar mit Plakafarben und PAINT. So sieht sie auch aus. Manche Menschen bekommen nach TV-Shows obszöne Mails, ich wohlmeinende Angebote von IT-Leuten und Webdesignern. Nun ja. Da muss ich mal was tun. 

TV TOTAL war schon sehr sehr geil, machen wir uns nichts vor. Bald geht’s zum SATIREGIPFEL mit Dieter Nuhr. Aufregend! Und auf Tour. Ich hoffe, dass mein Buch weiterhin so gut läuft, damit ich ENDLICH MAL ein Hörbuch machen kann. Ich weiss nämlich auch, dass ich aussehe wie ein Sack Mett, und das mit der Mütze wirkt auch seltsam, aber eine schöne Stimme hab ich. Ich würde gern mal was synchronisieren, aber ich fürchte, schauspielerische Nieten wie ich sind da nicht so begehrt. Ich könnte nur Sachen machen wie:

„Butter.“ Pause. „Butter ist gut.“

Trotzdem.

Na ja, ich mache gerne einen auf cool, und ab und zu bin ich auch eher unaufgeregt, aber im Moment ist alles sehr … prickelnd. Hu.

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Lieber Leser, egal ob du nun das hier liest oder mein Buch oder beides: Danke fürs durchhalten. Wenn du gerade Ärger hast: Kopf hoch. Ich weiß, es kommen wieder gute Tage. Halt dich aufrecht. Versuch, das Leben mit Humor zu nehmen. Nützt ja nichts. Und ganz wichtig: Du bist nie so gut wie die Leute sagen. Und nie so schlecht. Das gilt für dich und mich.

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Komm, beides.

Top 5 der Leute, mit denen ich gern in der Sauna sitzen würde: 

  1. Clint Eastwood. Denn er kann nonverbal, nur mit einem stechenden Seitenblick „heiß hier“ sagen.
  2. Jochen Malmsheimer. Das Gegenteil von Eastwood. Er kann in etwa 70 todkomischen Sätzen „heiß hier“ sagen, was dichten und 15 Minuten wie 3 Sekunden wirken lassen.
  3. Batman. Ich bin großer Fan, fast Sachverständiger, aber ich würde schon gern sehen, wie ihm von innen das Kostüm volläuft.
  4. Helmut Krauss, die deutsche Stimme von Marlon Brando. Und Samuel L. Jackson in den meisten Tarantino-Filmen. Mir unverständlich, warum sie ihn nicht für Jackson in DJANGO UNCHAINED genommen haben. Lächerlich. Nach der Performance in PULP FICTION hätte es niemand anderes sei dürfen. Egal. Sauna, und er redet wie Brando. Bitte nur Sachen wie „Ich möchte, dass du mit Francesco die Giallo-Brüder besuchst. Und ich möchte kein Aufsehen, mein Freund.“ Ich nicke dann immer.
  5. Mein Kleiner Bruder. Ist immer lustig mit ihm. 

Top 5 der Leute, mit denen ich NICHT gern in der Sauna sitzen würde: 

  1. WAGNER, von POST VON WAGNER. Ich schreibe mir mitunter schon großen Stuss zusammen, aber was der Mann da wirklich stellenweise für einen hirnverbrannten Dreck unter die Leute bringt … Hut ab. Keine Sauna. Never.
  2. Die EX-Assistentin von Gottschalk. Sach schnell. Wenn ich jetzt GOOGLE aufmache, kackt mir das Dokument ab. Jedenfalls könnte ich da vielleicht 5 Minuten still hocken … dann:

„DEIN TATTOO IST SO NEUNZIGER! HILFE!“ Hunziger. Genau.

  1. Fantomas. Ich finde, der hat immer zu viel von seinen Plänen verraten. „Ich werde die Temperatur nun hochdrehen, lieber Freund, nun, da Sie mein Gast sind, und dann werde ich so lange Aloe Vera-Soße im Raum verpritzen, bis Sie tot sind. Danach werde ich Ihren Körper auf der Kirmes in diese BREAKDANCE-Teil setzen und Sie zentrifugieren, bis selbst Ihre Mutter Sie nicht mehr wieder erkennt. Danach aber …“ Das juckt mich doch alles nicht, wenn ich sowieso tot bin.
  2. Frettchen. Mit dem Geruch komme ich schon kaum klar, wenn die Biester trocken sind.
  3. Harald Glöökler. Nicht falsch verstehen, ich mag den. Ich mag generell schwule Männer. Viel attraktiver und gepflegter als unsereins. Ich bin kein Phobiker. Aber ich glaube, Harald schwitzt sehr stark und riecht dabei SEHR blumig. Das kann ich in der Sauna nicht gut vertragen. Und ich möchte, dass er sich seinen Glamour bewahrt.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de