Firat Arslan „Ich habe Marco Huck besiegt“

Firat Arslan ist ein deutscher Boxer türkischer Abstammung und ehemaliger WBA-Weltmeister im Cruisergewicht. Zuletzt hatte er bei seinem Kampf gegen Marco Huck für Aufsehen gesorgt.

Unterstütze diesen Interviewpartner:
Klicke auf den Artikel und besuche die Links

Homepage | Facebook | mehr Infos…

Jetzt bei Amazon bestellen um die Autoren damit zu unterstützen! Vielen Dank!

 

Firat Arslan

Firat, Du hast ja eigentlich erst sehr spät mit den Boxen angefangen. Wie kommt es, dass Du Dich erst mit 18 entschieden hast diesen Sport zu betreiben, was war vorher Dein Ziel?

Ehrlich gesagt bin ich vorher nie auf die Idee gekommen. Und so klischeehaft es auch klingen mag: Schuld daran sind mein Bruder, der auch geboxt hat – und die Rocky-Filme. Ein Mann, der aus dem Nichts kommt, sich durchboxt und alles erreicht. Das hat mich schwer beeindruckt, er wurde zu einem Vorbild für mich. Ich habe zu diesem Zeitpunkt eine Lehre als Konstruktionsmechaniker absolviert, die ich auch abgeschlossen habe – aber das war mehr aus Verzweiflung. Ich wusste nicht, was ich sonst hätte tun sollen. Erst durch das Boxen hatte ich ein konkretes Ziel vor Augen, das hat mir auch Halt im Leben gegeben.

Du hast dann lange ohne Trainer und Management geboxt, wie kam das? Bist Du eher der Einzelgänger? Denn Anfragen gab es doch sicher auch vorher genug oder?

So viele Anfragen waren das nicht. Im Gegenteil. Zu Beginn meiner Karriere hätte ich mir einen Trainer wie Fritz Sdunek oder Ulli Wegner gewünscht, der mir alle Tricks und Kniffe zeigt, mich boxerisch weiterentwickelt. Aber das gab es nicht. Ich musste mich meistens mit meinem kleinen Team alleine durchboxen. So ist das bis heute geblieben – und ich habe es schätzen gelernt. Ganz nach dem Motto: Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Ich mache ungefähr 70 Prozent meiner Vorbereitung alleine, erst in der Schlussphase kommt mein Team intensiver hinzu. Das heißt aber nicht, dass ich nicht mehr dazulernen will. Überhaupt nicht. Ich versuche immer, mich weiterzuentwickeln.

Sehr beeindruckend fand ich damals Deinen Kampf gegen Virgil Hill, dessen Karriere Du ja im Prinzip durch den Gewinn beendet hast. Wenn Du selbst heute an die letzten Jahre denkst, welchen Kampf hast Du dann besonders in Erinnerung?

Am präsentesten ist natürlich der Kampf gegen Marco Huck im letzten Jahr. Der Fight, der mich eigentlich zum Weltmeister hätte machen müssen. Das war sehr emotional – im positiven wie im negativen Sinne. Kaum jemand hatte mir im Vorfeld etwas zugetraut, aber dann habe ich Marco Huck besiegt. Nur die Punktrichter sahen das anders, was sich mir für den Rest meines Lebens nicht erschließen wird.  

Hill war damals über 40, Du bist es heute. Ist das „Aufhören“ schon so langsam ein Thema für Dich oder steht das noch gar nicht zur Diskussion?

Derzeit beschäftige ich mich damit überhaupt nicht. Ich habe gegen Marco Huck gezeigt, dass ich mit den Besten mithalten kann. Wenn ich das Gefühl habe, dass das nicht mehr so ist, höre ich sofort auf. Aber zuvor will ich mir auf jeden Fall noch meinen großen Traum verwirklichen: erneut Weltmeister werden. Diesem Ziel ordne ich alles unter.

Firat Arslan

Zuletzt hat man Dich in einem großartigem Kampf gegen Marco Huck gesehen, den Du leider durch Punkte verloren hast. Die meisten Experten sahen das aber anders. Mittlerweile sind ja ein paar Wochen ins Land gezogen, bist Du noch sehr sauer und enttäuscht über die Entscheidung?

Jeder, der den Kampf objektiv verfolgt hat, weiß, dass ich der Sieger bin. Aber es hilft nichts, groß zu lamentieren, ich kann es ja nicht mehr ändern. Deshalb blicke ich nach vorne.

In wie weit kennt man sich untereinander eigentlich? Stehst Du auch Privat in Kontakt mit Marco oder anderen Boxern oder ist da auch so eine gewisse Art Rivalität?

Mit Luan Krasniqi, der seine Karriere mittlerweile beendet hat, bin ich sehr eng befreundet. Er ist wie ein Bruder für mich. Mit vielen anderen Kollegen komme ich ebenfalls sehr gut aus. Aber es ist nicht so, dass wir ständig miteinander telefonieren.

Einen Rückkampf wird es aber von Deiner Seite aus geben? Was hast Du Dir dafür vorgenommen?

Marco und sein Management haben mir ja den Rückkampf versprochen. Und ich habe keinen Zweifel, dass sie auch zu ihrem Wort stehen. Was ich mir dafür vorgenommen habe? Den Weltmeistergürtel mitzunehmen, den ich beim letzten Mal vergessen habe…

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Ich hoffe so schnell wie möglich auf die Revanche gegen Marco. Das ist das Ziel, das ich vor Augen habe. Alles andere wird erst einmal hinten angestellt.

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Ich will mich sehr herzlich bei allen bedanken, die immer an mich geglaubt haben. Und auch für all die aufmunternden Worte und Briefe nach dem Kampf gegen Marco Huck. Das hat mir sehr gut getan.

Firat Arslan

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

(Lacht.) Die Frage bringt mich ganz schön ins Schwitzen. Da fällt mir spontan niemand ein, ich bin eigentlich ein Mensch, der mit den meisten Personen ganz gut auskommt.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

Das könnte Dir auch gefallen: