Daniel Lieske „Die Wormworld Saga entstand ursprünglich als Hobbyprojekt“

Daniel Lieske der Autor und Illustrator der Wormworld Saga:  Jonas ist ein Träumer. Als er die Sommerferien bei seiner Großmutter auf dem Land verbringt, entdeckt er auf dem Dachboden ein eigenartiges Bild, das sich als das Tor zu der geheimnisvollen Wurmwelt erweist. 

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Ich hatte in der Schule damals kleine Comichefte gezeichnet, in denen unsere Lehrer durch den Kakao gezogen wurden und ich habe diese auf dem Schulhof verkauft.

The Wormworld Saga

Wann hast Du eigentlich zum ersten Mal gemerkt, dass Du ein größeres Talent zum Zeichnen hast?

Ich weiß gar nicht, ob man das selbst so direkt wahrnimmt. Was ich auf jeden Fall sagen kann ist, dass Zeichnungen für mich schon immer auch als Ersatz gedient haben für Dinge, die ich mir anders nicht mehr vor Augen führen konnte. Ich habe Szenen aus Filmen nachgezeichnet, um sie nochmal zu erleben oder sogar Bildschirme von Computerspielen, die ich selbst nicht hatte und nur beim Nachbarjungen gesehen habe. Die Zeichnungen haben mir dabei geholfen, diese Dinge lebendig werden zu lassen und im Grunde mache ich das heute auch noch immer genau so.

War es dann auch immer Dein Wunsch in der Richtung zu arbeiten oder kam das erst später?

Ich hatte in der Schule damals kleine Comichefte gezeichnet, in denen unsere Lehrer durch den Kakao gezogen wurden und ich habe diese auf dem Schulhof verkauft. Das war so meine erste Erfahrung mit der Kommerzialisierung meines Hobbys. Das hat mich auch irgendwie geprägt, glaube ich. Irgendwie bin ich ab dem Punkt davon ausgegangen, dass man mit dem was ich mache irgendwie Geld verdienen kann. Aber ein bewusstes Berufsziel hatte ich damals eigentlich nicht. Es gab ja diese ganzen tollen Berufsbilder wie „Concept Artist“ oder „3D Artist“ noch gar nicht. In der Computerspiele-Firma, in der ich direkt nach dem Zivildienst angefangen hatte, saßen ausschließlich Autodidakten, die alle ursprünglich aus ganz anderen Berufen kamen. Und so bin auch ich dort gelandet, weil ich irgendwie zeichnen konnte und auch ganz gut mit dem Computer umgehen konnte. Ich bin da mehr oder weniger reingerutscht.

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Auf Deinem Blog hast Du einige tolle Zeichnungen aus der Anfangszeit veröffentlicht, die ja sehr durch Filme geprägt sind, das ist zumindest mein Eindruck, stimmt der? Lässt Du Dich sehr durch beispielsweise Science-Fiction-Filme inspirieren?

Filme sind für mich eine ganz große Inspirationsquelle. Ich halte den Film für eine grandiose Kunstform, in dem alle Elemente, die ich sehr liebe – Fotografie, Animation und Musik – zusammenkommen und ein großes Gesamtkunstwerk bilden. Ich schätze, man merkt auch der Wormworld Saga an, dass ich ein großer Filmfan bin. Ich versuche auf jeden Fall, meine Szenen wie durch eine virtuelle Kamera zu betrachten und auch mit dem Licht so umzugehen, als wäre es fotografiert. 

Hat sich Deine Art zu zeichnen eigentlich in den letzten Jahren Deiner Meinung nach stark verändert?

Da ich 100% digital arbeite, entstehen mit jeder neuen Softwareversion und jedem neuen Grafiktablet auch immer neue technische Ansätze und Workflows. Manchmal beneide ich Künstler, die noch klassisch auf dem Papier oder der Leinwand arbeiten darum, dass sich ihre Werkzeuge in den letzten Jahrzehnten nicht wirklich verändert haben. Auf der anderen Seite muss ich aber auch sagen, dass die „digitale Leinwand“ einem in so vielfältiger Art und Weise das Arbeiten erleichtert, dass ich nicht wieder zurück wollen würde. Ich habe die Zeiten noch erlebt, wo ich stundenlang Maskierfilm zugeschnitten habe, um einen einzelnen Farbauftrag mit dem Airbrush anlegen zu können. Das geht heute alles in einem Bruchteil der Zeit.  

The Wormworld Saga

Wann kam Dir eigentlich dann die Idee zu der Wormworldsaga?

Die ersten Ideen-Fragmente habe ich schon 2003 in einem Notizbuch gesammelt. Damals waren das vor allem Ansätze zur Mythologie der Welt, dem „großen Wurm“, dem die Welt auch ihren Namen verdankt. Im Jahr 2006 habe ich dann für einen Wettbewerb das Bild „The Journey Begins“ gemalt, das einen kleinen Jungen zeigt, der auf einem Dachboden vor einem magischen Bild kniet. Die Ideen haben sich dann verknüpft und mir sind immer mehr Fragen über die Zusammenhänge in den Sinn gekommen, auf die ich letztendlich Antworten finden musste. Herausgekommen ist dabei letztendlich ein Story-Konzept für eine epische Trilogie – die Wormworld Saga.  

Ich finde es klasse, dass man die Kapitel kostenlos auf der Webseite lesen kann, warum hast Du Dich dazu entschieden, das kostenlos anzubieten?

Die Wormworld Saga entstand ursprünglich als Hobbyprojekt neben meinem festen Job in der Computerspieleindustrie. Als ich das erste Kapitel fertig hatte, war mein Hauptziel, dass es so viele Menschen wie möglich lesen würden. Daher habe ich es im Internet veröffentlicht und es außerdem auch komplett kostenfrei gehalten, damit es keine Barrieren für die Leser gibt. 

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Wie viel von Dir steckt eigentlich in Deinen Figuren, kommen die auch alle aus Deiner Fantasie oder sind manche auch realen Menschen in Deiner Umgebung nachempfunden?

Ich denke, dass jeder halbwegs authentische Charakter in einer Geschichte auf persönlichen Erfahrungen des Autors beruhen muss. Ich verarbeite in meinen Charakteren sowohl Aspekte meines eigenen Lebens als auch der Menschen, die mich umgeben. Manchmal fällt mir das auch erst auf den zweiten Blick auf und hat schon für die ein oder andere interessante Erkenntnis gesorgt. Jeder Mensch ist ja im grunde ein hochgradig komplexer Charakter, aus dem man mühelos zahlreiche verschiedene Figuren ableiten kann.   

Mittlerweile gibt es die Wormworldsaga auch in Buchform. Funktioniert diese Form von „verkaufen“ denn es zielt ja mehr oder weniger auf ein moderneres Prinzip, dass man sich entscheiden kann das Buch zu kaufen wenn man den Comic gut fand oder?

Das Buch ist ja noch nicht lange am Markt. Wie gut der Ansatz funktioniert, wird sich also erst noch herausstellen müssen. Die Fragen nach einem Buch waren allerdings schon von Anfang an sehr laut und ich denke, dass viele Menschen sich noch Bücher wünschen, auch wenn sie die Inhalte eigentlich schon kennen. Tatsächlich ist die Rechnung im Moment eher die, dass je mehr Leser die kostenlose Version im Internet entdecken, desto mehr Käufer für das Buch daraus resultieren. Das Schöne an dem Ansatz ist, finde ich, dass letztendlich nur Leute die Bücher – oder z.B. auch den Zusatzkontent in der Wormworld Saga App – kaufen, die schon herausgefunden haben, dass die Geschichte etwas für sie ist. Das Buch findet also quasi nur zufriedene Kunden und niemand wird gezwungen, sein Geld auszugeben für etwas, das ihm am Ende vielleicht gar nicht gefällt.  

The Wormworld Saga

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Also, zunächst einmal arbeite ich weiter an meinen Kapiteln und werde die auch wie gewohnt nach Fertigstellung online stellen. Um die Projektfinanzierung weiter zu sichern, werden meine Frau und ich im Januar einen Fan-Shop auf der Webseite eröffnen und auch weiterhin ist geplant, mehrere Kapitel jeweils in einem Buch zusammenzufassen. Ich hoffe, dass wir neben der deutschen Buchausgabe auch Ausgaben im Ausland auf die Beine werden stellen können. Interesse daran wurde von ausländischen Verlagen schon bekundet. Und na ja, dann sehen wir einfach, wie lange die ganze Sache gut geht. Ich arbeite jetzt seit Juli 2011 Vollzeit an dem Projekt und diesen Zustand möchte ich mir so lange es geht, erhalten.   

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Ich möchte gerne jeden dazu einladen, sich völlig kostenfrei und ohne irgendwelche Einschränkungen meine Geschichte im Internet anzuschauen. Und das mit völlig reinem Gewissen!  

The Wormworld Saga

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen? 

Schwer zu sagen. Auf jeden Fall nicht mit Lady Gaga, wenn sie ihr Kleid aus rohem Fleisch trägt. Zumindest nicht, so lange es noch nicht gar ist. 

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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