Hanno Friedrich „Wir haben in den sieben Jahren SECHSERPACK über tausend Sketche gedreht“

Hanno Friedrich: Hanno Friedrich wurde 1966 in Wuppertal geboren. Seine Schulzeit verbrachte er am Niederrhein, in Holland und Süddeutschland. Abitur und Zivildienst machte er auf der schwäbischen Alb. Dazwischen studierte er sechs Monate italienisch in Florenz. 1988 zog er nach Berlin und belegte an der FU Berlin die Studiengänge Romanistik, Anglistik und Theaterwissenschaften. Vielen unter Euch wird er als Mitglied bei Sechserpack bekannt sein.

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Ich bin großer Genre-Fan, und lasse keine Gelegenheit aus, in Horror- oder Science-Fiction-Filmen mitzuwirken.

Hanno Friedrich

Zu Anfang Deiner Karriere warst Du Ensemblemitglied am Staatstheater Oldenburg. (Ich wohne in der Nähe von Oldenburg) daher würde mich interessieren, was Dich heute noch mit dieser Vergangenheit verbindet?

Nur schöne Erinnerungen. Ich hatte dort in einem Jahr mehr als 200 Vorstellungen und habe durch das Robert Wilson/Tom Waits-Stück „Black Rider“ meine Affinität zur Musik entdeckt. Es war eine sehr intensive berufliche Findungsphase. Das habe ich dem damaligen Intendanten Stephan Mettin zu verdanken, der mir von 1993 bis 97 die Chance gab, mich vom Anfänger hoch zu spielen. Als ich von Berlin dorthin zog, rechnete ich mit Kulturschock und Langeweile, habe aber Oldenburg als eine sehr lebendige, junge Partystadt kennen gelernt, voller kreativer Leute, zu denen ich heute noch Kontakt habe. Außerdem habe ich dort geheiratet, und meine Tochter wurde in Oldenburg geboren.

Gab es einen speziellen Moment, an dem Du wusstest: „Ich will Schauspieler werden“?

Während des Abiturs habe ich gemeinsam mit meinem Freund Burkhard Althoff (der  jetzt ZDF-Redakteur ist. Er spielte Hamm, ich Clov.) und drei weiteren Mitschülern eine Inszenierung von Becketts „Endspiel“ produziert. Wir haben das ganz ohne Lehrerhilfe geschafft und wurden als eine von drei Schulen zur ersten Baden-Württembergischen Schultheaterwerkstatt 1985 eingeladen. Es war ein enormer Erfolg für uns, und irgendwie fand ich es damals wichtiger als das Abitur selber, das ich im gleichen Jahr machte. Zu der Zeit wurde mir klar, dass ich diese Kunstform, in der man mit Haut und Haaren in einer alternativen Realität aufgehen kann, zu meinem Beruf machen möchte. Den Mut, mich an einer staatlichen Schauspielschule zu bewerben, hatte ich allerdings erst vier Jahre später.

Gerade von 2003 bis 2009 in der Sketchserie Sechserpack hast Du ja einen sehr starken Charakter gespielt.Ist es dann eigentlich sehr schwer, als Schauspieler Rollen zu finden? Ich könnte mir vorstellen, dass man Dich dann nur als „Comedian“ sieht.

 Ich habe ja nicht einen, sondern Hunderte Charaktere gespielt. Da wir keine Gesichtsakrobatik oder Zappelkomik abgeliefert haben und auch die miesesten Pointen noch ernst genommen haben, wurde uns das Prädikat ‚Schauspieler’ nie wirklich aberkannt. Wir haben in den sieben Jahren SECHSERPACK über tausend Sketche gedreht. Natürlich kann man nicht bei jedem Sketch eine neue Facette zeigen, aber im Laufe der Zeit wurden die Sketche gewagter und absurder, und ich konnte mich auch schauspielerisch ‚weiter aus dem Fenster lehnen’ und Neues ausprobieren. Da habe ich noch einiges dazu gelernt. Dass SECHSERPACK nicht mehr gedreht wird und ich zur Verfügung stehe, hatte sich allerdings nicht so schnell herumgesprochen, und schwieriger war es eher, ein ‚SAT1-Gesicht’ zu sein.  Ich habe aber nach Drehschluss der letzten Staffel zu einer sehr guten Agentur  (Britta Imdahl, Bochum) gewechselt und bin danach gar nicht mehr als ‚Comedian’ wahr genommen worden.

Hanno Friedrich

Hast Du noch Kontakt zu den ehemaligen Kollegen vom Sechserpack oder lebt man sich nach einer Produktion eher auseinander?

Naja, wir waren ja keine WG und gingen schon damals  unsere eigenen Wege. Unsere gemeinsame aufregende Zeit als Team kann uns aber keiner nehmen, und ich freue mich immer, wenn ich einen der Kollegen treffe. Wir haben wirklich viel gelacht.

In der letzten Zeit sieht man Dich aber eher am Theater als im Fernsehen, wie unterscheiden sich Deiner Meinung nach diese beiden Medien?

Das stimmt nicht ganz. Ich habe im Winter 2011/12 in Wuppertal und Bonn Theater gespielt und bin mit meiner Musik-Comedy „ABBA Jetzt!“ live zu sehen, vorrangig mache ich aber immer noch Fernsehen. Demnächst gibt’s mich zu sehen in: „Der Alte“, „SoKo Wismar“, „Heldt“, „Cobra 11“, „Heiter bis tödlich-Zwischen den Zeilen“. Beim Fernsehen schöpft man viel mehr aus dem Moment. Ich lerne die szenische Situation erst am Drehtag kennen und muss gleichzeitig den Text absolut parat haben, ansonsten verlasse mich da sehr auf meine Spontaneität. Beim Theater kann ich mehr ausprobieren und einen eingeschlagenen Weg auch wieder verlassen. Auf der Bühne arbeite ich in linearer Kontinuität, und habe deshalb die Möglichkeit, Entwicklungen subtiler darzustellen. Beim Drehen ist der Schauspieler eher ein Puzzleteil, welches nach getaner Arbeit vom Regisseur in das große Ganze eingefügt wird.

Auf Deiner Homepage habe ich von einem Projekt gelesen, „Blutdruck“, ein Independent-Film, in dem Du mitwirkst. Du spielst da den Richard, erzähl mal etwas zu der Produktion.

„Blutdruck“ ist der Pilot für eine deutsche Zombie-Serie, produziert von Kölner Filmstudenten. Regie führt Leo Ostermeier. Richard ist ein älterer, traumatisierter Soldat, ein Scharfschütze, der für das Überleben einer Gruppe von Flüchtenden eine wichtige Rolle spielen wird.

Hanno Friedrich

Was genau hat Dich eigentlich überzeugt, bei einer solchen Independent-Produktion mitzuwirken? Für viele Kollegen wäre das wohl finanziell nicht interessant, Dir sind da andere Dinge wichtiger?

Da hat der Nerd in mir entschieden. Ich bin großer Genre-Fan, und lasse keine Gelegenheit aus, in Horror- oder Science-Fiction-Filmen mitzuwirken. Diese Independent-Produktionen werden mit riesigem Engagement und viel Herzblut gegen viele Widerstände ins Leben gestemmt, das macht die Arbeit sehr befriedigend. Die Studenten hatten sich ja gar nicht getraut, mich zu fragen, ich habe mich Ihnen geradezu aufgedrängt.

Was schaust Du im Fernsehen eigentlich selbst am liebsten?

Ganz allgemein: Kultursendungen, am liebsten auf ARTE, ZDF Kultur, EINS Plus, 3Sat. Gerne mal: „Roche & Böhmermann“, „Durch die Nacht mit…“. Fernsehserien: gerade „Breaking Bad“, „Sherlock“ im Original auf DVD und „Pastewka“

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Mein Spektrum erweitern: Schreiben, Musik machen, Regie führen. Und wieder Theater spielen.

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Weg von den Computern, ab an die frische Luft. Rausgehen ist das neue facebook!

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen? 

Ich kann mich gar nicht entscheiden: Franz Josef Wagner, Desirée Nick, Helmut Kohl, Bushido…. Es gibt so viele… Ich sitze so gerne in der Sauna, das ich dort am liebsten allein bin.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de
Bilder© Sandra Then