Antonia aus Tirol „Ich lege gar nicht so großen Wert auf Chart-Platzierungen“

Antonia aus Tirol: Sandra Stumptner ist eine Sängerin und Entertainerin aus Österreich. Große Bekanntheit erlangte sie durch ihr Lied „…ich bin viel schöner“

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In Deutschland muss eine Plattenfirma schon mit einem anständigen Marketingkonzept auffahren was sehr kostenaufwendig ist, es reicht schon lange nicht mehr einen guten Song zu haben.

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Mit 14 heißt es hatten Sie so Ihre ersten Bühnenerfahrungen, war eigentlich schon immer klar, dass Sie Musikerin werden wollen? 

Ja irgendwie schon, es war immer ein Traum von mir auf der Bühne zu stehen und zu singen. Es gab aber eine Zeit da wollte ich ganz ernsthaft Nonne werden, ich war damals viel in der Kirche, fast täglich und habe immer mit dem lieben Gott gesprochen, das gab mir ein unheimlich gutes Gefühl, ich wollte dem ganzen wohl noch näher sein. Ich denke aber da haben mich auch meine Eltern nicht wirklich ernst genommen und so haben sie mir empfohlen Krankenschwester zu werden, auch das hätte ich mir gut vorstellen können. Ja und heute bin ich Sängerin, mein Traum hat sich erfüllt, mit dem lieben Gott spreche ich aber auch heute noch und bin dankbar für dieses Leben. 

Vor 11 Jahren wurden Sie dann bei der breiteren Masse bekannt als Antonia. Sie haben Gerhard Friedle ja in gewisser Weise den „Durchbruch“ zu verdanken, würden Sie das auch so sehen und wie ist denn der Kontakt heute zu Gerhard? 

Ja in gewisser Weise könnte man das schon so sehen dass ich Gerry meinen Durchbruch zu verdanken habe, besonders wenn man von den Pressemeldungen ausgeht wie darüber immer Berichtet wurde. Dennoch ist es aber eine Tatsache das ich nicht erst zu diesem Projekt „Anton aus Tirol“ dazu gestoßen bin als es schon ein Hit war sondern von der Picke an als fester Bestandteil mit dabei war. Ich habe in vollem Umfang meinen Beitrag und die Leistung dazu erbracht das dieses Lied so ein großer Erfolg wurde. Ich war daran ein ganz erheblicher Bestandteil, wenn dem nicht so gewesen wäre dann hätte ich gar nicht die Möglichkeit und Chanche bekommen eine eigene CD aufzunehmen. Dieses Angebot und diese Chanche habe ich natürlich genützt, das hätte jeder getan außerdem hatte Gerry mir zu dieser Zeit nicht mehr den Eindruck gemacht als wolle er mit einem oder einer Bühnen und Gesangspartnerin weiter machen wollen. Überrascht allerdings war er dann doch als er darüber informiert wurde dass ich jetzt mein eigenes Ding weiter mache, er war darüber damals alles andere als erfreut aber er in meiner Situation hätte da ganz genau so gehandelt. Fakt ist, „Anton aus Tirol“ wurde mit mir und Dj Ötzi gemeinsam zum Nr.1 Hit das kann und will ich mir auch gar nicht nehmen lassen denn es waren wir gemeinsam die immer und immer wieder durch die Diskotheken getingelt sind bis der Song auf einmal zündete und zu einem Nr.1 Hit wurde, ich stand die ganze Zeit bei diesen Touren singend und tanzend neben Gerry, anfangs nur auf einem Bierkasten und war bei jedem PR Termin und jeder TV Sendung dabei. Diesen ganzen Erfolg dann auf eine Person reduzieren zu wollen finde ich ehrlich gesagt auch etwas unfair und außerdem waren da im Hintergrund außer uns noch weit mehr Personen daran beteiligt das es so ein großer Erfolg wurde, die sollte man auch nicht vergessen. Gerry und ich sehen uns heute immer wieder mal bei Fernsehsendungen und Veranstaltungen, wenn Zeit ist wechseln wir ein paar Worte und sprechen schon mal über die alten Zeiten, ansonsten geht aber jeder seinen eigenen Weg. 

Wie ist das eigentlich bei Ihrer Musik, schreiben Sie die Texte selbst? 

Ja, ich schreibe viele Texte auch selbst oder gemeinsam mit Peter Schutti der auch seit über 10 Jahren mein Produzent und Manager ist. Außer bei Coverversionen die wir neu aufnehmen, mit Ausnahmen von diesen die wir nicht 1:1 Covern oder wo wir  fremdsprachigen Titeln einen neuen deutschen Text auf mich zugeschnitten verpassen sofern wir dazu die Freigabe von den Urhebern bekommen. Dies war z.Bsp. bei meinem Hit „1000 Träume weit-Tornero“ so, hier haben wir einen neuen deutschen Text zu dem italienischen Welthit „Tornero“ aus den 70igern geschrieben und auch die Refrainmelodie etwas abgeändert und so wurde meine neue Version daraus, die mittlerweile eine absoluter Kulthit und Gassenhauer wurde und auch in meiner Version schon zigmal von Künstlerkollegen nach gecovert wurde. Auch bei meiner Single „Hey was geht ab“ einer Neuaufnahme in meinem Musikkonzept auf deutsch von dem Welthit „Whats up“ aus den 90igern haben Peter und ich den neuen deutschen Text geschrieben und die Freigabe aus Amerika von Linda Perry dafür erhalten. 

Wenn Sie so einen Text schreiben wie läuft das dann ab? Wie lange dauert so ein Prozess? 

Das ist ganz unterschiedlich, es gib Songs da ist der Text in einer halben Stunde fertig und bei manchen dauert es länger, manche fängt man an und legt diese dann für Wochen zurück weil man nicht weit kommt. 1000 Träume weit-Tornero hat in etwa 6 Stunden gedauert da es hier ja eine vorgegebene Melodie vom Original gab und wir wollten zum einen das manche deutsche Wörter von den Silben und dem Klang so klingen wie im Original auf italienisch, dann wollten wir noch dass unsere Geschichte darin vorkommt in der sich auch viele Menschen wieder finden können. Es ist doch einfach oft so im Leben dass es Zeiten und Situationen gibt wo man sich am liebsten mal 1000 Träume weit weg träumen möchte und darum geht es in diesem Song, entstanden aus unserem eigenen oft stressigen Alltagsleben heraus. 

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In Österreich haben Sie ja immer sehr gute Chartplatzierungen, in Deutschland sind die in der Vergangenheit nicht ganz so gut gewesen, was glauben Sie woran das liegt? Ist der Geschmack wirklich von Land zu Land so unterschiedlich? 

Nein, der Geschmack ist nicht so unterschiedlich, der österreichische Markt ist viel überschaubarer und dadurch auch kalkulierbarer. In Deutschland muss eine Plattenfirma schon mit einem anständigen Marketingkonzept auffahren was sehr kostenaufwendig ist, es reicht schon lange nicht mehr einen guten Song zu haben. Wenn das nicht klappt oder investiert wird dann fehlt bei der Veröffentlichung die nötige Werbepower um einen Song in den Charts zu platzieren und so teilt sich das dann über Wochen und Monate auf bei den Abverkäufen und dann bleiben einem die Charts leider verwehrt was gerade bei Schlagermusik sehr häufig ist, leider. Ich persönlich aber lege gar nicht so großen Wert auf Chart-Platzierungen, d.h. wenn es passiert freuen wir uns natürlich darüber aber mit irgendwelchen Aktionen wie es viele andere machen künstlich Chart-Platzierungen zu erzwingen das machen wir nicht. Der CD Markt ist sowieso am Boden obwohl meine CDs doch ganz gut laufen, wir haben uns aber schon vor vielen Jahren viel mehr auf das Livegeschäft konzentriert und die Nachfrage und Aufträge bestätigen, dass wir damit richtig lagen.  Ich mache an die 300 gebuchte Livetermine jährlich, das Großteils bisher mit Halbplaybackshows und seit 2 Jahren immer mehr auch live mit meiner 8 köpfigen Band, damit bin ich unbestritten seit vielen Jahren die meistgebuchte deutschsprachige Künstlerin und diese absolviere ich neben Österreich, der Schweiz, Mallorca, Großteils in Deutschland, verstärkt bin ich jetzt auch immer mehr international unterwegs wie in den Niederlanden, Türkei, Russland usw. da ist das mit den Chart-Platzierungen in Deutschland lediglich ein kleiner Schönheitsfehler in meiner Karriere mit dem ich sehr gut leben kann. Eine Top 10 Chart-Platzierung kommt irgendwann von ganz alleine wenn die Zeit dafür wieder reif ist. 

Was hören Sie eigentlich selbst am liebsten für Musik, haben Sie ein Lieblingslied? 

Ich höre je nach Stimmung ganz unterschiedliche Musikrichtungen, das ist natürlich auch Schlager und Volksmusik aber auch Klassik, Pop, Dance und Rock, mein Lieblingslied ist Bed of Roses von Bon Jovi. 

Ich hab mal gelesen, dass Sie an die 200 Auftritte im Jahr haben, was ja mehr als jeder zweite Tag ist, das stelle ich mir unglaublich anstrengend vor. Belastet Sie das nicht auch manchmal? Gibt es nicht Tage / Wochen an denen Sie einfach keine Lust haben? Wie gehen Sie dann mit diesen Situationen um? 

Ja mittlerweile sind es wie ja vorhin schon erwähnt rund 300 Termine jährlich, um das durchzuhalten muss man schon sehr diszipliniert sein und es ist auch eine logistische Meisterleistung von meinem Team bei der Termin und Reiseplanung. Dabei trete ich bei Veranstaltungen auf wo jeweils von 500 Besuchern aufwärts und auch bei Großveranstaltungen bis 50.000 Besucher sind. Es ist dann ja nicht immer jeden Tag ein Auftritt sondern es gibt Tage da mache ich auch 2-4 Termine an einem Tag je nach Uhrzeit und Entfernung der jeweiligen Auftrittsorte. Um das so umsetzen zu können muss einem der Beruf auch wirklich Spaß machen und das ist bei mir definitiv so. Es macht mir irrsinnigen Spaß auf der Bühne zu stehen und für meine Fans da zu sein. Allerdings lebe ich sonst recht Gesund und achte auf meine Ernährung, trainiere nebenbei noch regelmäßig mein Fitnessprogramm, trinke keinen Alkohol, rauche nicht und suche sonst privat schon eher die Ruhe, genieße das dann auch und erhole mich dabei. Privat besuche ich sehr selten eine Party, habe ja auch kaum Zeit dazu. Natürlich gibt es auch Tage wo man nicht so Lust hat aber das beschränkt sich da bei mir schon eher auf das aufstehen wenn man von den Strapazen der vielen Termine gerädert ist, wenn ich dann auf der Bühne bin ist das weg. Ich bin vorher immer noch so nervös das ich am liebsten wegrennen würde, da steigt mein Adrenalin  gibt mir dann aber die Power für die Bühne die ich brauche, bei den ersten Tönen ist es dann gut und ich feiere mit meinen Fans. 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant? 

Gemeinsam mit meinem Produzent habe ich eine große Bühnenshow konzipiert die im nächsten Jahr auf Tournee gehen wird. „Feuerengel-Eine Show für alle Sinne“. Da trete ich mit meiner 8 köpfigen Band live mit  einem 3 Stunden Programm auf. Hier spielen wir die ganze Bandbreite meiner Musik und darüber hinaus. Es ist eine sehr aufwendige Show wo ich mehrmals in verschiedene auch außergewöhnliche Outfits schlüpfe, das ganze inszeniert mit Video und Lichttechnik und sehr aufwendigen Pyro und Feuereffekten. Ich komme da z.Bsp. als Engel mit brennenden Flügeln auf die Bühne. Pyrotechnik wird an meinem Körper gezündet, alles neben der Musik sehr spektakulär in Szene gesetzt. Die ersten Konzerte vor Publikum haben schon stattgefunden, wir waren trotz wenig Werbung mehr als ausverkauft und es kam Super an. Es war wichtig diese Erfahrung zu machen weil mich ja doch viele im reinen Partysegment sehen und gewisse Erwartungen haben. Wir wissen aber dass ich eine der breitest angesiedelten Zielgruppen überhaupt habe deshalb wird diese Show auch funktionieren. Ich habe absolute Profimusiker an meiner Seite und sowohl die Bühnenbauer, Ton,-Lichttechnik und Pyroleute sind absolute Vollprofis mit internationaler Erfahrung. Ich freue mich irrsinnig auf diese Tournee und diese Show denn mit jedem Mal wird das Ganze noch perfekter und spektakulärer. Meine Halbplaybackauftritte wird es aber weiterhin geben, nur irgendwann in ferner Zukunft eben nicht mehr mit so einem Ausmaß denn es ist klar das so ein Pensum nicht ewig möglich ist.

Ja und dann arbeite ich auch weiter an meinen Modethemen und Werbeverträgen. 2009 machte ich Werbung für eine Wintermoden-Kollektion bei C&A. Seit September 2012 gibt es meine erste eigene Dirndlkollektion die richtig eingeschlagen hat, sie ist mittlerweile Ausverkauft aber die neuen Modelle sind in Arbeit und kommen bald in den Handel. Über diese Entwicklung freue ich mich sehr, dass meine Kollektion so gut angenommen wird. 

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Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden? 

Ja, ganz lieben Dank an meine vielen treuen Fans die seit langem zu mir stehen, ich weiß dass sie maßgeblich dazu beitragen dass die Nachfrage nach meiner Person als Sängerin so ist wie es eben ist. Ich nehme mir daher auch immer besonders viel Zeit beim Autogramme schreiben. Zu guter Letzt an alle jene die Fernsehschauen oder Zeitungen lesen, glaub nicht immer alles was da so über mich drin steht oder berichtet wird. Vieles davon weiß ich oft selber gar nicht zumindest nicht in der von manchen Medien wiedergegebenen Version. Wie überall gibt es auch da schwarze Schafe. 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen? 

Ich gehe nicht in die Sauna deshalb stellt sich die Frage für mich auch gar nicht.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de
Bilder © Globe4Music