Ruth Moschner „Fernsehen bietet selten Platz für Tiefgang“

Ruth Moschner: Ihren ersten Fernsehauftritt im Alter von vier Jahren hatte Ruth Moschner in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“. Durch ihr Ballettstudium spielte sie schon in frühen Jahren Nebenrollen am Nationaltheater München. Nach einer Ausbildung als Bankkauffrau folgten ein Praktikum im Hörfunk und ein Volontariat zur Redakteurin beim Fernsehen.

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  • Backen für Angeber
  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
  • Verlag: Südwest Verlag (1. Oktober 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 351708803X

Sozial engagiert sich Ruth Moschner für das Thema „Gesunde Ernährung“ (Bundesprogramm Ökologischer Landbau) und für „Umwelt- und Tierschutz“ (Nabu).

Ruth Moschner

Ich habe vor Kurzem einen lustigen Vergleich gelesen. Dort bezeichnete man Dich zu RTL Zeiten als „Hau drauf Tussi“ und jetzt weitaus seriöser. War das damals der Grund für Dich Dinge in Deiner Karriere zu ändern, um von diesem „Hau drauf Tussi“ Image wegzukommen?

Dem feinsinnigen Zuschauer war schon immer bewusst, dass meine Aufgabe in den Freitagnachtnews eine Rolle gewesen ist. Offensichtlich habe ich die so gut gespielt, dass einige Journalisten drauf reingefallen sind und direkt mal die Schublade aufgemacht haben, ohne vorher den Lebenslauf zu lesen. Dann wären die jetzt nicht so überrascht. Ich komme schließlich aus dem Journalistischen und habe früher für Nachrichtensendungen und Politik gearbeitet habe. Das kommt mir jetzt zugute. Wobei gegen eine gewisse Oberflächlichkeit grundsätzlich nichts einzuwenden ist. Fernsehen bietet selten Platz für Tiefgang, das heißt aber noch lange nicht, dass man deshalb keine gute Unterhaltung macht. Deshalb schreibt die Tussi ja so gerne Bücher, weil man sich da einfach intensiver mit nem Thema auseinandersetzen darf.

Aktuell moderierst Du ja für den MDR und bist auf fast allen Kanälen zu sehen, wo ist da für Dich eigentlich der Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Sendern bzw. Sendegruppen? Ist das arbeiten ein anderes?

Ich fühle mich bei den öffentlich rechtlichen Sendeanstalten zur Zeit sehr wohl, weil ich mich mit den Endprodukten gut identifizieren kann. Natürlich haben wir auch Quotendruck, aber am Ende zählt eben immer noch die Glaubwürdigkeit gegenüber sich selbst. Andererseits haben sich einfach einige Produktionsfirmen, die vor allem auch für private Fernsehanstalten produzieren im Laufe meiner Berufserfahrungen herauskristallisiert, mit denen ich einfach gut und gerne zusammenarbeite. Egal für welchen Sender. Wenn ich jemanden mag, dann bin ich ne treue Seele, dann ist es mir auch egal, für wen der grade was herstellt, weil ich weiß, das ist eine Zusammenarbeit, eine Ko-Operation und kein Abverlangen einer unreflektierten Darstellung. Bei anderen widerrum fragt man einfach lieber dreimal nach. Und gewisse „Konzepte“ lehnt man eben besser ab.

Du schreibst aber ja auch. Im Oktober erscheint Dein neues Buch „Backen für Angeber“ erzähl mal, wieso für Angeber?

Natürlich will ich damit provozieren. Denn wir leben ja in einer Welt voller Tiefstapelei. Aber wenn man sich die Mühe macht und mit Liebe schnuckliges Backwerk hergestellt hat und das dann auch noch gelobt wird, dann ist das ein wunderbares Gefühl von Angeberei! 🙂

Und wie verträgt sich Backen für Angeber mit Die Schoko-Diät?

Im Grunde ist das Buch die Fortsetzung. Die Schoko-Diät ist eine Philosophie, in der es darum geht, seine Ernährung und seine Gewohnheiten umzustellen. In Schritt zwei soll man sich ja auch trauen, öffentlich ein Stück Torte zu vernaschen. Lebensmittel bekommen eine viel größere Wertigkeit, wenn man sie selbst einkauft und verarbeitet. Backen ist Sinnlichkeit pur. nd wer mit sich und der Welt zufrieden ist, der darf auch öffentlich genießen. Am besten natürlich in Gesellschaft oder auch mal alleine als kleinen Bonus nach einem stressigen Tag.

Ruth Moschner

Du setzt Dich ja auch als Bio-Botschafterin für gesunde und genussvolle Ernährung ein, wie ich gelesen habe, magst Du da mehr zu erzählen?

Gesunde Ernährung und Genuss schließen sich nicht aus. Wenn ich weiß, woher meine Lebensmittel kommen und dass bei der Herstellung alles gerecht zugegangen ist, dann kann ich wesentlich bewußter genießen. Essen ist Lebenselixier, in vielen ausländischen Regionen wird das wesentlich stärker kommuniziert – man kann viele Lebensmittel nutzen, um sein Körpergefühl aber auch sein Seelengefühl zu verbessern. Alleine mit Kakao… naja, das ist ja auch mein Thema. Am liebsten hier natürlich der fair gehandelte, ist ja klar. Da sind so viele Antioxidantien drin, das reicht, um glücksbeseelt und gesund über den Winter zu kommen! Ist das nicht toll?

Wie passt denn Schokolade und Kuchen zu einer gesunden Ernährung?

Wie schon gesagt, Kakao ist eines der gesündesten Nahrungsmittel überhaupt. Inzwischen gibt es ihn ja sogar in der Apotheke, mehr brauche ich nicht zu sagen. Und Genuss ist gesund. Wer bewusst genießt, isst weniger, das ist wissenschaftlich erwiesen. Außerdem, wer will sich schon dem ganzem Spaß entziehen. Ab und zu was gönnen können, der kleine Luxus für zwischendurch ist doch total wichtig.

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Mehr Bücher, mehr Shows und vielleicht noch das ein oder andere, was mal wieder völlig neu und überraschend ist. 😉

Ruth Moschner

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Ich denke, es ist grade für uns Frauen tatsächlich eine große Herausforderung, sich öffentlich mal das Recht herauszunehmen, genießen zu dürfen, mal ne Pause zu gönnen. macht das einfach. Nehmt euch das Recht dazu. Man muss nicht immer perfekt funktionieren wie ne Funkuhr. Und nach einerkreativen Schokoladenkuchen-Pause funktioniert alles umso besser.

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Ich hab zum Glück ne Eigene, da suche ich mir gezielt meine Schwitzpartner aus.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de
Bilder © Südwest Verlag/Bernd Jaworek

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