Ingrid Peters „Beim ESC zählt in erster Linie der Klamauk“

Ingrid Peters: „Was willst Du denn mal werden“ fragte die Klassenlehrerin, und wie aus der Pistole geschossen antwortete Ingrid, mal eben 7 Jahre alt: Sängerin oder Lehrerin.

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Wer Ingrid Peters bei Live-Auftritten erlebt hat, ist überrascht, was für ein Stimmvolumen dieses zierliche Persönchen hat – 169 cm groß und jeder Zentimeter attraktiv. (Gong)

Ingrid Peters

Ingrid, vor ca. 40 Jahren hast Du Deine Karriere als Musikerin gestartet. Wie war das damals, war es sehr schwierig die Familie davon zu überzeugen keinen „sicheren“ Job zu machen, sondern Sängerin zu werden?

Vor 40 Jahren war ich noch Schülerin und Bandsängerin bei „New Power“. Nach dem Abitur wollte ich – ganz seriös und mit „sicherem Job“ – Lehrerin werden. Allerdings hatte ich während des Studiums schon meinen Plattenvertrag bei CBS (heute Sony) unterschrieben und mit „Komm doch mal rüber“ sofort einen Hit gelandet. Trotzdem habe ich mein Studium durchgezogen und mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen. Als ich mich danach voll auf die Musik eingelassen habe, hätte ich 5 Jahre lang noch die Möglichkeit gehabt, in den Schuldienst zurückzukehren, wenn ich mit der Musik keinen Erfolg gehabt hätte. Meine Mutter konnte sich also nicht so richtig beschweren 🙂

In den 80er Jahren hat der ESC einen großen Reiz auf Dich gehabt? Was bedeutet Dir der ESC heute, hat der Contest sich in Deinen Augen sehr verändert?

Für mich ist der ESC immer noch der „Grand Prix d’Eurovision“ und eigentlich ja ein Wettbewerb für Komponisten und Texter. Er hat in den 60er- bis 80er-Jahren eine Vielzahl wunderschöner Titel hervorgebracht, von denen ich viele sehr gern gesungen hätte und habe. Mein Interesse, daran teilzunehmen, war immer abhängig davon, ob mir der für mich gedachte Titel gefällt. Bei „Über die Brücke geh’n“ war das unbedingt der Fall. Schade nur, dass ich trotz zwischenzeitlicher Favoritenrolle nicht gewonnen habe – aber der 8. Platz war letztlich ja auch nicht schlecht, oder? 🙂 Zum zweiten Teil der Frage: Ja, er hat sich sehr verändert! Heute zählt in erster Linie die Show, um nicht zu sagen: der Klamauk. Die Qualität von Lied und Interpretation tritt da doch sehr in den Hintergrund. Ein Ergebnis ist sicher, dass kaum ein Titel der letzten 20 Jahre noch im Ohr ist, während ich aus den ersten 30 Jahren des Wettbewerbs sicher mindestens 2/3 der Siegertitel singen könnte. Trotzdem finde ich es schön, dass es eine Musikshow gibt, an der sich alle europäischen Länder beteiligen. Und eigentlich sollte es da auch gar nicht so wichtig sein, wer letzten Endes dabei gewinnt.

Ingrid Peters

Du hast dann ein paar Jahre Pause gemacht, wie kam es dazu? War die Karriere die bis dahin ja ziemlich gut verlief einfach zu stressig?

Da kamen einige Faktoren zusammen: zunächst natürlich der totale Stress mit mehr als 250 Veranstaltungen pro Jahr, aber auch Meinungsverschiedenheiten mit der Plattenfirma wegen der neuen Produktionen, und meine Ehe war auch am Ende. Um wieder zu mir selbst zu finden, habe ich meinen hochdotierten Plattenvertrag gekündigt und keine neuen Titel mehr aufgenommen. Es sah vielleicht aus wie eine Pause, aber eigentlich bin ich daher nur nicht mehr so oft in den Medien gewesen. Liveauftritte habe ich während dieser Zeit immer noch sehr viele gemacht.

Nach der Pause hast Du so gut wie jedes Jahr eine Platte herausgebracht, das ist wirklich beachtlich, wie machst Du das? Kostet das nicht auch sehr viel kraft und ist das nicht ein riesiger Streß?

Einer der Gründe, fast zehn Jahre lang keine neuen Platten mehr zu produzieren, war, dass ich mit den Produktionsbedingungen nicht mehr zufrieden war. Lange Gespräche mit Pe Werner und Reinhard Fendrich haben mich dann überzeugt, dass es mein Weg war, zukünftig alle meine Texte selbst zu schreiben. Natürlich kostet das zusätzliche Kraft, aber ich fühle mich heute authentischer in meinen Songs – und das ist die Anstrengung allemal wert.

Was an der Musik macht Dir am meisten spaß?

Live auf einer Bühne mit einem riesengroßen Begleitorchester – davon hatte ich in den letzten beiden Jahren einige unvergessliche Auftritte.

Ich hab mir auf Deiner Webseite auch mal ein paar Deiner Kunst Arbeiten angesehen. Sehr beeindruckend und professionell. Wie lange machst Du das schon und wie bist Du dazu gekommen?

Seit Mitte der 90er Jahre. Auf einer Kreuzfahrt, bei der ich als Stargast engagiert war, habe ich aus Langeweile einen Aquarellkurs belegt – und sofort Blut geleckt. Zu Hause habe ich dann etwas Theorie nachgeholt, VHS-Kurse belegt und auf Mallorca zusätzlichen Unterricht bei einem befreundeten Maler genommen. Inzwischen habe ich mich nun schon zu 10 ziemlich erfolgreichen Verkaufsausstellungen überreden lassen.

Ist das Malen ein Ausgleich zu der Musik oder eher eine Ergänzung?

Eine Ergänzung sicher nicht, eher schon ein Ausgleich bei zu großem Stress. Deshalb war ich auch immer bemüht, diese Seite meiner Kreativität nicht zu kommerzialisieren, damit es mir mit der Malerei nicht genau so geht, wie mit der Musik. Eigentlich sollte die ja auch nur ein privates Hobby der Pädagogik-Studentin bleiben.

Ingrid Peters

„In guten, wie in schlechten Tagen“ hieß Deine letzte Maxi, ist eigentlich ein neues Album geplant?

Das neue Album heißt „Lass es rocken“ und ist schon fertig! Veröffentlichungstermin ist der 19. Oktober.

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant? Wo kann man Dich als nächstes sehen/hören?

Im Herbst gibt es neben einigen Firmengalas eine Promotiontour durch Deutschland, um das neue Album bei den großen Funkanstalten vorzustellen. Im Dezember werde ich wieder einmal einige Advents-Kirchenkonzerte singen, und über Weihnachten und Neujahr bin ich auf dem ZDF-Traumschiff „MS Deutschland“ zwischen Madagascar, Mauritius und den Seychellen. Wer Genaueres wissen möchte, kann sich auf meiner Homepage www.ingrid-peters.de informieren.

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Ja natürlich: hört euch mein neues Album an 🙂 . Neben vielen neuen Titeln – darunter der schon besonders erfolgreich gelaufene „Spanische Wahnsinn“ – sind darauf auch vier Balladen aus meiner Musicalshow von 2002, die nur so sparsam begleitet sind, wie sie live auf der Bühne klingen. Sie entwickeln auf diese Weise einen ganz eigenen Charakter.

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Ha, ha, lustige Frage: Gott sei Dank fällt da die Antwort leicht: Ich sitze grundsätzlich nicht in der Sauna, denn ich vertrage die trockene Hitze sehr schlecht…..also: In der Sauna sitzen würde ich mit überhaupt niemandem.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de