Wolfgang Sacher „Das waren definitiv meine letzten Paralympics“

Wolfgang Sacher ist ein deutscher Behinderten Radrennfahrer. Er gewann zweimal den Europa-Cup der Behindertenklasse LC1, wurde Weltmeister im Einer-Straßenfahren und zweimal Vize-Weltmeister im Einzelzeitfahren. Im Februar 2011 kündigte Wolfgang ja schon an, dass es seine letzten Paralympics werden.

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Das waren definitiv meine letzten Paralympics als aktiver Radsportler. Ich werde sicher weiter Radfahren, weil es mir Spaß macht. Ob ich gänzlich vom Rennsport zurücktrete, kann und will ich jetzt noch nicht entscheiden.

Wolfgang Sacher

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Wolfgang, die Paralympics sind jetzt vorbei, wie ist Dein ganz persönliches Fazit, wie waren die Spiele in London?

Meine Teilnahme an den Paralympics in London war für mich als Sportler und als Mensch in jeder Hinsicht erfolgreich. Es war mein großer Wunsch, noch einmal an diesem Sportfest teilzunehmen. Damit ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen.

In meinen Augen, was man so im TV sehen konnte wurden die Paralympics ja extrem gut angenommen in London, hast Du das selbe empfinden? Wie war das Publikum?

Ich habe das selbe Empfinden. London war mehr als ein würdiger Ausrichter der Paralympics. Besonders das Publikum machte dabei die Spiele so glanzvoll: Bereits im Vorfeld wurden mehr als 2,7 Mio. Tickets verkauft – das hat es noch nie gegeben. Die Engländer leben und lieben den Sport und haben nicht nur Ihren Athleten sondern auch jeden Teilnehmer – egal ob Medaillengewinner oder nicht – das Gefühl vermittelt, ein Sieger zu sein!

Wolfgang Sacher

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Du wurdest 16. Im Straßenrennen. 10. Im Einzelfahren, 6. Im Teamsprint, 9 in der Bahnverfolgung und 11. Im 1Km Zeitfahren. Wie zufrieden bist Du mit deinen Platzierungen? Hättest Du Dir eine Medaille gewünscht bzw. bist Du irgendwo unter Deinen Erwartungen geblieben?

Sicher wünscht sich jeder Teilnehmer im Vorfeld eine Medaille und setzt die Hoffnung darauf. Dafür trainiert jeder Sportler immerhin vier Jahre! Mit meinen Platzierungen bin ich aber dennoch sehr zufrieden. Mit 45 Jahren war ich der älteste Radsportler. Und da muss man es erst einmal schaffen, gegen viel Jüngere – einige könnten meine Kinder sein – zu bestehen. Rückblickend muss ich sagen, dass ich die Leistung für eine Medaille in meiner Klasse nicht hätte erbringen können. Es sind viele neue Weltrekorde gefahren worden und die Paralympics zeigten sehr deutlich, dass wir nun im Profisport angekommen sind.

Hast Du Dir auch andere Sportarten ansehen können? Welches war Dein Highlight bei einer anderen Sportart bei diesen Paralympics?

Ja. Ich habe mir einige Schwimm-Wettbewerbe angeschaut. Das hat mich sehr fasziniert und gezeigt, was alles möglich ist! Wie sich die Schwimmer ohne Hände für den Start vorbereiten, und sich mit den Zehen die Schuhe, Socken, Jogginghose und die Jacke selbstständig ausziehen, ist sehr beeindruckend. Bei den Siegerehrungen ist mir aber auch aufgefallen, welche Hemmschwellen auftreten können: Das Umhängen der Medaille bei einem Menschen ohne Hände ist ja kein Problem – aber wie gebe ich ihm die Hand zum Gratulieren und wie übergebe ich ihm den Blumenstrauß?

Wolfgang Sacher

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In unserem letzten Interview 2011 hast Du mir gesagt, dass nach diesen Paralympics Schluss ist, dass Du das Deiner Frau versprochen hast. Ist jetzt Schluss? Oder machst Du noch ein bisschen weiter?

Das waren definitiv meine letzten Paralympics als aktiver Radsportler. Ich werde sicher weiter Radfahren, weil es mir Spaß macht. Ob ich gänzlich vom Rennsport zurücktrete, kann und will ich jetzt noch nicht entscheiden. Wichtig ist aber, dass ich dem Behindertensport nach wie vor sehr verbunden bleibe und dem Nachwuchs meine Erfahrungen weitergeben möchte. Auch den Nachwuchs zu finden und zu aktivieren ist mir ein besonderes Anliegen.

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Ja. Viele Menschen sind unsicher, wie sie mit Menschen mit Behinderung umgehen sollen. Die Antwort ist eigentlich sehr einfach: Sie wollen nicht anders behandelt werden als andere Menschen.

Meine Markenzeichenfrage war ja mit wem man nicht gerne in der Sauna sitzen würde. Beim letzten Mal hast Du mit Ralf Schuhmacher geantwortet. Jetzt mal andersrum gefragt, wen würdest Du denn gerne mal in der Sauna begegnen?

Iris Berben. Eine tolle Schauspielerin und attraktive Frau.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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