Thomas Nicolai „Ich habe schon immer gern auf der Bühne gestanden“

Thomas Nicolai ist ein großartiger Parodist, der auf allen wichtigen Bühnen Deutschlands gespielt hat und den TV-Zuschauern bestens durch seine Auftritt bei „TV TOTAL“, „Neues aus der Anstalt“, „Quatsch Comedy Club“, „Nightwash“ u.v.m. bekannt ist.

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Man muss es immer wieder versuchen, denn gerade in der Modelbranche ist es immer Typgebunden und Trends wechseln sehr schnell.

Deine Berufung wurde Dir ja schon so ein wenig in die Wiege gelegt oder? Durch Deine Familie müsstest Du ja deine ganze Kindheit über einen näheren Bezug auf Fernsehen gehabt haben, war dann für Dich schon immer klar, das das Fernsehen, die Bühne das Medium sein wird auf dem bzw. für das Du arbeiten möchtest? 

Ich habe schon immer gern auf der Bühne gestanden. Allerdings wollten meine Eltern, dass ich unbedingt Musiker werde. Nicht ganz verwunderlich, denn ich halte mich schon für einen sehr musikalisch-talentierten Menschen. Ich hatte Klavier und später Schlagzeug-Unterricht, war aber nicht fleissig genug, um täglich freiwillig stundenlang zu üben. Also, Talent reichte da allein nicht aus. Dann habe ich mich irgendwann für das Schauspielstudium entschieden. Irgendwas muss man ja machen. Ich wollte tatsächlich ein ganz normaler Schauspieler werden. Als ich dann aber Anfang der 90er mit meinen ersten Gehversuchen als Kabarettist begann, wandelte sich das Blatt und ich stellte fest „Ja, das isses. Da gehöre ich hin!“ Also kam es eher zufällig. Sozusagen „Learning by doing“.

Thomas Nicolai

Gelernt hast Du ja dann Konditor, aber nur wenige Jahre in dem Beruf verbracht, war das so die Absicherung?

Nee, keine Absicherung, eher ne Notlösung. Ich bin ja Ossi und zu Ost-Zeiten war der Weg so: Zuerst Schule, dann Beruf, dann Armee und dann kannste studieren. Also brauchte ich einen Beruf. Meine Mutter meinte: Handwerk hat goldenen Boden. Und so wurde ich zwar nicht Tischler oder Fleischer, aber eben Konditor.

Wo ist für Dich der Unterschied zwischen einem Schauspiel und einem Auftritt als Comedian? Gibt es für Dich einen?

Als Schauspieler bist Du Reproduzent, also praktisch Werkzeug des Stücks, der Rolle, der Inszenierung. Und irgendwie der ganzen Sache ausgeliefert. Kannst also, wenn Du Pech hast, als Schauspieler das schlechte Stück bzw. die Inszenierung nicht retten. Ebenso bist Du auf Deine Kollegen angewiesen. Die können Dich mit hochreissen, aber eben auch dafür sorgen, dass Du ziemlich alt aussiehst.Als Comedian gibt es nichts und niemanden, dem Du die Schuld am verpatzten Abend geben kannst. Du bist der Macher, der den Abend schmeisst. Wenn die Leute es mögen, dann wird es toll. Comedian sein heisst u.a. auch fast schon persönlich auf der Bühne zu sein. Comedians sind im Gegensatz zu Kabarettisten privater. Während der Kabarettist über politische Missstände redet, spricht ein Comedian meist über sein Privatleben.

Wenn man als Parodist und Comedian unterwegs ist, verdirbt man sich ja schon so ein wenig für ernstere Rollen im TV oder Theater, weil man eben diesen Ruf als „lustiger Typ“ hat, kennst Du das Problem? Falls ja, wie gehst Du damit um?

So extrem habe ich das bisher nicht erlebt, da ich nicht so oft drehe. Aber es stimmt. In Deutschland wird man als Komiker schnell abgestempelt als Ulknudel. So in der Art „Der kann nur das!“. Die Amerikaner sind da entspannter. Da spielt dann auch mal ein Robin Williams oder Jim Carrey eine dramatische Rolle. Das stellt dann auch keiner in Frage. Lustigerweise habe ich , wenn ich gedreht habe, oft in den Krimis den Bösewicht oder Hauptverdächtigen gespielt. Witzig, ne.

Wenn man Dich parodieren würde, wie sähe das aus?

Gar nicht so einfach, weil ich ja so viele unterschiedliche Typen spiele und nicht nur und ausschliesslich eine Kunstfgur wie Cindy oder Atze. Aber ich bin tatsächlich mehrfach parodiert worden. Und zwar meine Kunstfigur Patrick Schleifer. Der Sachse mit dem bunten Pullover. Ich fand das sehr lustig und vor allem sehr berührend. So was ist ja ne Ehre.

Langenscheidt Sächsisch für Anfänger, Die Märchenmäuse, Das erste Mal, Du hast unglaublich viele Projekte. Wenn ich da einen ersten Überblick habe ist das echt verwirrend was Du alles so machst, wie schaffst Du das zeitlich? Bleibt noch viel Zeit für Freunde und Familie?

Und nicht zu vergessen SWOP, mein Big Band Comedy-Projekt. Außerdem manage ich mich selbst und mache mein Booking selber. Das ist ein Vollzeit-Job. Aber zurück zur Frage: Ja, ich mag vieles ausprobieren. Dabei ist der Erfolg fast schon nebensächlich. Natürlich wäre es gelogen, wenn ich behaupte, dass mir Erfolg Wurst ist, aber so ist es nun manchmal. Zum Beispiel war mir am Anfang der Aufwand einer Big Band Show und der ganze Rattenschwanz, der da dran hängt, gar nicht bewusst. Unterm Strich sind schon allein der Transport und die Hotelkosten für eine 12-köpfige Band immens. Wenn dann die Hütte nicht voll ist, zahlt der Veranstalter drauf. Als dann der große Erfolg dafür ausblieb, war ich zwar nicht erfreut, aber dennoch glücklich darüber, dass ich es überhaupt gemacht habe. Und diesen Spaß, dieses herrliche Gefühl mit einer Big Band eine Show überstanden zu haben, kann mir keiner mehr nehmen. Das gilt auch für meine Buchserie „Die Märchenmäuse“, die leider auch nicht der Besteller wurde, wie ich es mir gewünscht hatte. Bei der Vielzahl der Erscheinungen und der wirklich vielen grandiosen Kinderbücher ist es schwer auf diesem schwer umkämpften Markt mit einem Märchenbuch überhaupt aufzufallen. Aber auch da war es für mich ein großer Spaß die Hörspiel-CDs und Bücher zu machen, mit dem Illustrator an den Zeichnungen zu feilen, das Buch zu schreiben. Aber ich habe mich schon wieder verzettelt. Da ich wirklich sehr gern viele Sachen ausprobieren würde, ist es für mich nicht leicht, mich zu entscheiden. Derzeit sieht es so aus, dass ich die vielen Nebenprojekte erst mal zurück gesteckt habe, um wieder meine eigentlich Arbeit als Live-Comedian mehr in den Fokus zu rücken. Außerdem bin ich ja auch noch Vater, Ehemann und ein ganz normaler Mann, der seine Freundschaften pflegen möchte und auch mal was anderes machen will, außer über den Job zu reden.

Thomas Nicolai

Wenn Du Dir ein Thema, ein Projekt raussuchen müsstest, welches Du selbst von Dir am besten findest, dann wäre das was….? Und warum?

Schwer. Weil ich alles mit Herzblut und 100% mache, kann ich nicht sagen: Das hier ist das Beste.

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant? Wo kann man Dich als nächstes sehen? Hören?

Geplant? Ich bin dieses Jahr viel unterwegs. Solo-Show, mit Nightwash, im Quatsch Comedy Club.  Außerdem gibt es 2 große Wünsche, die mir sehr am Herzen liegen. Zum einen würde ich wahnsinnig gern bei einer Sendung wie SWITCH mitmachen. Ich liebe SWITCH und das wäre genau mein Ding. Zum anderen wünsche ich mir schon seit Jahren Hörbücher für Kinder einzulesen. Da ich meinem Sohn regelmäßig vorlese, weiß ich ,wie schwer es ist, aber auch, dass ich mir das durchaus zutrauen würde. Die nächsten Termine? Ich empfehle: Geht auf meine Homepage www.thomas-nicolai.de und bestellt meinen Newsletter.

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Sehr gern. Mein Newsletter hat es nämlich in sich. Ich bin, so glaube ich, der einzige Comedian Deutschlands, der seine Newsletter als kleine Filmchen rausbringt. Sozusagen als Podcast für den Fan unterwegs. Wenn Du über meine Homepage den Newsletter bestellst, bekommst Du einmal im Monat einen Link zu meinem kleinen Film, der Euch Alles (und sogar noch ein bisschen mehr) berichtet.

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen? 

Mmh….. Ich denke….mit einer Horde Zombies würde ich ungern schwitzen.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de
Photo © Felix Rachor
rachor-photography.com

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