Interview mit dem Ornithologen und Vogelstimmenimitator Dr. Uwe Westphal „Stefan Raab war von meinem Können absolut begeistert“

 

Dr. Uwe Westphal ist ein deutscher Biologe und wurde durch seine Auftritte als Vogel- und Tierstimmen-Imitator unter anderem bei TVTotal bekannt.

 

Liebe LeserInnen,

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

 

Herr Dr. Westphal, Sie hatten bereits sehr zahlreiche Auftritte in Rundfunk und Fernsehen. Zuletzt haben sicherlich sehr viele Zuschauer Sie bei „TV total“ gesehen, dort waren Sie nun schon zum dritten Mal. Ich erinnere mich an den ersten Auftritt in 2008, hatten Sie da eigentlich Bedenken, vielleicht nur auf den Arm genommen zu werden? War das eine schwere Entscheidung, dort aufzutreten oder wie haben Sie das wahrgenommen?

In der Tat hatte ich damals arge Bedenken, bei Raab aufzutreten, ich hatte die Einladung im Freundeskreis diskutiert, und die meisten hatten mir abgeraten. Aber nach einem längeren Telefonat mit der zuständigen Redakteurin, die meine Bedenken ausgeräumt hat, hatte ich ein gutes Gefühl. Und die Sendung war ja damals auch ein toller Erfolg, Stefan Raab war von meinem Können absolut begeistert, wir haben uns auch gut verstanden, und ich war locker, spontan und schlagfertig wie selten zuvor, wir hatten viel Spaß miteinander und das Publikum sowieso. Dieser Auftritt hat es in die „Best of“ der Sendung geschafft, und meine damals erste CD wurde danach zum Bestseller. 

 

Ich war ehrlich gesagt sehr überrascht, mit welchem Ernst Stefan Raab an die Thematik rangeht, auch wenn es sehr komisch in Szene gesetzt wurde. Was war Ihr Ziel bei diesen Auftritten?

Stefan Raab ist ein absoluter Profi, auch wenn es zum Sendungskonzept gehört, alles etwas lustig darzustellen. Aber wenn er sieht, dass jemand wirklich etwas kann – und ich biete ja zu meinen Imitationen auch den entsprechenden fachlichen Hintergrund –, dann nimmt er das auch ernst. Ich selber biete ja bei meinen Veranstaltungen oder Auftritten auch kein trockenes Wissen, sondern verpacke es mit wohldosiertem Humor. Ich will Wissen auf unterhaltsame Weise vermitteln, dafür habe ich den Kunstbegriff „nature edutainment“ oder kurz „naturetainment“ geprägt. Von meinen zahlreichen Führungen und Bühnenauftritten weiß ich, dass das beim Publikum sehr gut ankommt. Insofern bin ich bei Stefan Raab auch nicht fehl am Platze, sondern habe die Chance, Menschen zu erreichen, die sonst nicht zu meinen klassischen Zielgruppen zählen. Man muss nur aufpassen, dass man selbstbewusst bei sich bleibt und sich nicht selbst zum Depp macht, sich nicht zu bestimmten Dingen provozieren lassen, denn dann legt Raab entsprechend nach, und das Ganze kann eine Wendung nehmen, die man nicht wollte. Insofern ist es natürlich schon eine andere Herausforderung, als wenn ich zum Beispiel bei Frank Elstner auftrete.   

 

Auf Ihrer Webseite steht, dass Sie die Begeisterung für die Natur teilen möchten. Was genau in der Natur ist für Sie so faszinierend?

Man könnte es vom Kopf her erklären, dass zum Beispiel selbst das winzigste Insekt, die unscheinbarste Pflanze voller Rätsel und Wunder steckt, die wir normalerweise in grenzenloser menschlicher Hybris gar nicht wahrnehmen (wollen). Dass alles in der Natur fein aufeinander abgestimmt ist. Aber für mich ist es so viel mehr: Ich habe im Gegensatz zu den meisten Menschen kein anthropozentrisches Weltbild, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt, dem sich „die Natur“ unterzuordnen hat. Sondern ich habe – ähnlich wie die sogenannten „Naturvölker“ ein biozentrisches Weltbild, bei dem alles, was ist – Menschen, Tiere, Pflanzen, ja selbst nach landläufiger Meinung unbelebte Dinge wie Steine – gleichberechtigt nebeneinander existiert. Diese Sichtweise, die ich schon als Kind hatte und nie verloren habe, ermöglicht faszinierende Erkenntnisse, Gefühle und Einsichten. Da ergeben sich dann der Respekt vor der Natur (zu dem ja die Menschen auch gehören) und auch eine gehörige Portion Demut von ganz allein, und das ist der Schlüssel für die Lösung vieler gravierender Probleme, vor denen wir im Moment stehen. Für mich ist ein solches Weltbild normal, für viele Menschen ein verloren geglaubtes Paradies, aus dem sie sich selbst ausgesperrt haben. Wenn ich durch meine Arbeit die Tür wieder ein kleines bisschen öffnen kann, freut mich das sehr.

 

Waren Sie schon immer besonders naturverbunden? Oder gab es einen Zeitpunkt, einen bestimmten, bei dem das Interesse entstand?

Meine Großeltern hatten einen kleinen Bauernhof, und ich bin auf dem Lande mit viel Natur und mit vielen Tieren aufgewachsen. Insofern ist mir die Naturverbundenheit sozusagen in die Wiege gelegt worden. Ich hatte schon als Kind Interesse an allem, was kreucht und fleucht. Als elfjähriger Schüler habe ich dann zum ersten Mal an einer vogelkundlichen Wanderung teilgenommen, die von der örtlichen Volkshochschule angeboten wurde. Das war sozusagen Liebe auf den ersten Blick, was die Beschäftigung mit der Vogelwelt angeht. 

 

Ihr neues Audiobook heißt „Die wichtigsten Vogeltipps“. Was genau erwartet uns da, und für wen ist das genau geeignet?

Aus meiner langjährigen hauptamtlichen Tätigkeit im Naturschutz weiß ich, welche Fragen rund um die Vogelwelt immer wieder gestellt werden, und darauf gebe ich fachlich fundierte Antworten, die zudem im Beiheft nachzulesen sind. Beispiele: Welche Nistkästen sind für welche Vogelart geeignet, wie und wo hänge ich sie auf? Wie gehe ich mit scheinbar verlassenen Jungvögeln um, wie gestalte ich meinen Garten vogelfreundlich, oder was ist bei der Vogelfütterung zu beachten? Dazu gibt es einführende Informationen zu den erstaunlichen Leistungen von Vögeln oder zur Vogelbeobachtung. Das Ganze wird von mir selbst gesprochen und aufgelockert durch selbst erlebte Anekdoten und auch Vogelstimmen, die meisten davon Imitationen aus meiner Kehle. Das erwarten meine Fans einfach von mir… Dieses Hörbuch ist für alle geeignet, die Freude an ihren gefiederten Nachbarn haben und etwas zu deren Schutz tun möchten. Es ist insofern schon anders konzipiert als meine beiden anderen CDs, bei denen die ausführlich erläuterten Imitationen im Vordergrund stehen. 

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant? Wo darf man Sie als nächstes sehen / hören? 

Vor kurzem gab es gerade ein halbstündiges Porträt über mich im NDR-Fernsehen, und mein nächster TV-Auftritt wird voraussichtlich am 15. Juli in der Sendung „Immer wieder Sonntags“ (SWR) sein. Ansonsten kann man mich bei meinen Exkursionen, Seminaren und öffentlichen Auftritten live erleben – einfach mal im Terminkalender auf meiner homepage www.westphal-naturerleben.de nachsehen. Man kann mich auch buchen. 

Zurzeit baue ich gerade in der Schaalseeregion mitten in der Natur einen Stützpunkt für meine Naturerlebnis-Veranstaltungen aus, habe zudem konkrete Pläne für zwei weitere Bücher und eine CD (wobei ich das gerne noch etwas vor mir herschiebe, weil ich in den letzten Jahren vier Bücher und drei Audio-CDs sowie zahlreiche Zeitschriftenartikel und Buchbeiträge veröffentlicht habe. Da braucht man dann auch mal eine kleine schöpferische Pause.) Und außerdem arbeite ich ja auch noch als freiberuflicher Redakteur, Texter und Lektor (www.westphal-textdienst.de). Von meinen  Imitationskünsten allein kann ich leider nicht leben…    

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden? 

Ach, jede Menge – aber dafür reicht der Platz nicht… Vielleicht nur soviel: Wer die Welt verändern will, muss bei sich selbst anfangen. Anders geht es nicht! Und angesichts der gravierenden Veränderungen, die wir weltweit und häufig auch im persönlichen Umfeld erleben und fast ebenso häufig als negativ und vielleicht sogar als Existenz bedrohend wahrnehmen, möchte ich noch einen Ausspruch von Leo Tolstoi zitieren, der mir sehr geholfen hat, als ich vor zehn Jahren aus den Trümmern meines alten Lebens ein neues (und letztlich viel angenehmeres und freieres!) aufbauen musste/durfte: „Wenn uns etwas aus dem gewohnten Geleise wirft, denken wir, alles sei verloren. Dabei fängt nur etwas Neues, Besseres an.“

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?  

Ich bin kein Saunagänger (außer in Finnland, da gehört es einfach dazu). Aber wen ich dort nicht treffen möchte, sind Menschen wie Wladimir Putin oder der syrische Präsident Assad.

von Daniel Pietrzik | nachgebloggt | cc-by-nc
Fotografin: Gabriele Dummschat 

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