Interview mit dem Kabarettisten Vince Ebert „Ich habe mein kabarettistisches Talent in meiner Zeit als Unternehmensberater entdeckt“

 

Vince Ebert ist ein deutscher Kabarettist, Autor und Moderator.

 

Liebe LeserInnen,

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

 

Vince Ebert wurde 1968 in Amorbach im Odenwald geboren und studierte Physik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Nach dem Studium arbeitete er zunächst in einer Unternehmensberatung und in der Marktforschung, bevor er 1998 seine Karriere als Kabarettist begann. Vince Eberts Anliegen: die Vermittlung wissenschaftlicher Zusammenhänge mit den Gesetzen des Humors. Seine Bühnenprogramme „Physik ist sexy“ (2004), „Denken lohnt sich“ (2007) und „Freiheit ist alles“ (2010) machten ihn schnell als Wissenschaftskabarettist bekannt, der mit Wortwitz und Komik sowohl Laien als auch naturwissenschaftliches Fachpublikum unterhält. Seit Oktober 2011 moderiert Vince Ebert die Sendung „Wissen vor 8 – Werkstatt“ in der ARD.

Sein erstes Buch „Denken Sie selbst! Sonst tun es andere für Sie“ stand zwei Jahre ununterbrochen auf der Bestsellerliste und hat sich über 400.000-mal verkauft. Im September 2012 ist sein zweites Buch unter dem Titel „Machen Sie sich frei! Sonst tut es keiner für Sie“ erschienen.

Vince, viele Comedians spielen ja eine bestimmte Rolle, das beste Beispiel ist wohl Ausbilder Schmidt. Wie ist das bei Dir, denken da viele Fans, Zuschauer, dass Deine Richtung, die Physik, auch nur eine Rolle ist? Wirst Du oft z. B. nach Auftritten gefragt „Sind Sie wirklich Physiker“?

Ab und an schon. Um das weitgehend zu verhindern, habe ich in meinem ersten Programm „Urknaller – Physik ist sexy“ sogar einen kleinen Teil aus meiner Diplomarbeit vorgelesen. Es ging um Infrarot- und Raman-spektroskopische Untersuchungen von Phasenübergängen an Betain-Mischkristallen. Ein echtes Knallerthema!

 

Nach Deinem Physikstudium warst Du Consultant in einer Firma, also direkt nach dem Studium nichts Berufstypisches? Wie kam es dazu, wolltest Du nichts mit Physik arbeiten? Wolltest Du nicht weiter in die Richtung gehen?

Als Physiker verstehst Du zwar genauso wenig von Beratung wie ein BWLer auch – dafür aber in der Hälfte der Zeit. Ich wollte tatsächlich etwas mit Kommunikation machen. Während meiner Diplomarbeit saß ich nächtelang bei gedimmtem Laserlicht im Labor und weltweit wussten ca. 30 Leute, was genau ich da mache. So ist das oft, wenn man‘s in der Wissenschaft zu etwas bringen will. Ich habe relativ schnell erkannt, dass ich nicht die Geduld dafür habe. Ich fand es immer spannender, grundsätzliche naturwissenschaftliche Phänomene zu verstehen und sie zu erklären. Mich haben schon immer die großen Zusammenhänge interessiert. Der Zufall wollte, dass ich den Weg auf die Bühne fand. Und dort mache ich jetzt so etwas wie Erwachsenenbildung.

 

1998 bist Du dann schließlich mit einem ersten Programm unterwegs. Wann hast Du eigentlich gemerkt, dass Du ein besonderes Talent hast Menschen zu unterhalten?

Eigentlich habe ich mein kabarettistisches Talent in meiner Zeit als Unternehmensberater entdeckt.  Also einer Branche, in der Spaß und gute Laune traditionell groß geschrieben wird. Bei Kundenterminen habe ich nämlich immer mal wieder den einen oder anderen Scherz über das Unternehmen eingebaut. Das kam damals zwar überhaupt nicht an, aber eine besondere Genugtuung für mich: Heute werde ich von den gleichen Unternehmen für interne Veranstaltungen gebucht. Das, was ich dort sage, hätte mir damals eine Abmahnung eingebracht – heute  bekomme ich Applaus. Das ist Narrenfreiheit.

 

Und die Physik in diese Programme einzubinden, wann kam dir die Idee?

Mein Freund und Regisseur Eckart von Hirschhausen hat als Arzt medizinische Themen in sein Bühnenprogramm eingebunden und sich damit eine wunderbare Nische geschaffen.  Also warum sollte das nicht auch mit Naturwissenschaften gehen? Ich weiß, das war bis dahin nicht das große Überthema, aber egal – ich nahm also die Physik und es funktionierte. So entstand die Idee zu „Physik ist sexy“ und seitdem die Naturwissenschaften aus meinem Programm nicht mehr wegzudenken.

 

Seit 2011, was ich sehr spannend finde, moderierst du neben Ranga Yogeshwar und Anja Reschke die Sendung „Wissen vor 8 – Werkstatt“ das ist ja dann doch ein ernsteres Format mit Physikhintergrund, hattest Du eigentlich bevor Du das angenommen hast Angst? Ich könnte mir vorstellen, dass es nicht ganz einfach ist wenn man eher als Kabarettist oder Comedian bekannt ist eine ernstere Sendung zu machen.

Ich sehe mich selbst als Wissenschaftskabarettisten und habe auf der Bühne und im Fernsehen das Bedürfnis, Aha-Effekte zu erzeugen. Humor hilft dabei immer.  In meinem aktuellen Programm „Freiheit ist alles“ erkläre ich zum Beispiel, dass es im Himmel heißer ist als in der Hölle und dass die Schere zwischen reich und arm eigentlich eine Grillzange ist. In „Wissen vor 8 – Werkstatt“ habe ich nur 145 Sekunden Zeit, ein Phänomen zu erklären. Aber auch dort geht es nicht so wahnsinnig ernst zu. Ich setze mich zum Sahneschlagen in eine Gefriertruhe oder erkläre die Wirkungsweise von Mikrowellen in einer Tanzperformance mit Gymnastikbändern.

 

Über was oder wen kannst Du eigentlich selbst am besten lachen?

Über skurrile Studien in der Wissenschaft. Britische Forscher zum Beispiel haben vor einiger Zeit eine Formel entwickelt, die zeigt, dass sich Männer Frauen tatsächlich schön saufen können.  Auch über absurde Physikerwitze kann ich mich totlachen. Hier ein kleiner Scherz für die Freunde der nichteuklidischen Geometrie: Upps, mein Ball ist umgekippt…

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Ich habe gerade mit Eckart von Hirschhausen 6 Folgen des Wissenschaftsformats „Ebert und Hirschhausen – Der 3. Bildungsweg“ abgedreht. Gesendet wird ab 8. Juli immer sonntags um 21:45 Uhr im WDR Fernsehen. Uns beiden hat das unglaublich viel Spaß gemacht, denn es ist eine Sendung, die es in der Form im Deutschen Fernsehen noch nicht gegeben hat. In jeder Sendung geht es 45 Minuten lang um genau ein Thema: zum Beispiel Alkohol. Oder Geld. Mit spannenden Experimenten, viel Humor und Valerie Bolzano – meine Assistentin und Ehefrau.

 

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Beschäftigt Euch mit Naturwissenschaften! Ich erlebe es immer wieder, dass sich viele eine ganz feste Meinung über Themen wie Homöopathie, Kernenergie, Gentechnik oder den Klimawandel gebildet haben. Aber wenn man dann näher nachfragt, was sie denn genau darüber wissen, kommt meist das große Achselzucken. Wer wenig weiß, muss vieles glauben. Und wer nichts weiß, ist Wachs in den Händen von Politikern, Religionsführern und Homeshoppingverkäufern.

 

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen? 

So lange jemand in der Sauna die Klappe hält, bin ich nicht sehr wählerisch.


Deine Meinung ist uns wichtig.

Worüber kannst Du am besten lachen? Welche Comedians findest Du am besten? Magst Du die Comedy von Vince Ebert? Hast Du vielleicht auch noch Fragen an Vince, dann schreib einfach was in die Kommentare, wir versuchen dann die Fragen zu beantworten oder Vince nochmal darauf anzuhauen.

von Daniel Pietrzik | nachgebloggt | cc-by-nc
Fotograf: Frank Eidel 

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