Fernsehtipp: UEFA Fußball-Europameisterschaft 2012 Polen/Ukraine Im Osten was Neues

 

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UEFA Fußball-Europameisterschaft 2012 Polen/Ukraine Im Osten was Neues

Sonntag, 27. Mai 2012 | 18:30 Uhr im Ersten

Film von Ina Ruck und Ulrich Adrian

 

 
GESAMTWERTUNG   89%

  

Zwei Länder, ein Ziel: Man will das schönste Fußballfest aller Zeiten ausrichten. Eine EM, die Europa so schnell nicht vergisst. Im Juni sind Polen und die Ukraine gemeinsam Ausrichter der Europameisterschaft, gemeinsam werden sie für einen Monat im Rampenlicht stehen. Die stolzen Gastgeber haben viel zu bieten – auch jenseits der Stadien. ARD-Moskau-Korrespondentin Ina Ruck und ARD-Polen-Korrespondent Ulrich Adrian haben die beiden Länder bereist und beeindruckende Bilder und Geschichten gesammelt, abseits des großen Fußballfestes. Es sind Alltagsgeschichten, aber auch ungewöhnliche Begegnungen wie die mit der bildhübschen Sascha. Sie ist eigentlich Ikonenmalerin, doch ihr großes Thema sind Frauenrechte. Sie und ihre Freundinnen treffen sich an einer belebten Stelle, verabreden ein Zeichen und ziehen sich blitzschnell aus. Mit nacktem Oberkörper für Frauenrechte – die ihrer Meinung nach auch bei der EM ein wichtiges Thema sind. Denn diese treibe, so die jungen Frauen, doch noch mehr Sextouristen ins Land. Also protestieren sie auch vor den Stadien. Meist vergeblich verfolgt von der überraschten Polizei und beschützt von Bürgern, denen die Aktionen – und die Mädchen – gefallen. Im äußersten Osten, wo die Ukraine immer noch sehr an die Sowjetunion erinnert, liegt der Austragungsort Charkow. Die Stadt hat ihre EM-Teilnahme einem einzigen Bürger zu verdanken: dem Unternehmer Alexander Jaroslawskij, Nummer 7 der ukrainischen Geldrangliste. Aus eigener Tasche hat er das moderne Stadion der Stadt Charkow finanziert. Jaroslawskij ist ein netter Kerl, erfährt ARD-Korrespondentin Ina Ruck, der sich freut wie ein Kind, wenn er Besucher durch „sein“ Stadion führen darf. 

Über tausend Kilometer weiter westlich, in der Altstadt von Krakau, trifft Polen-Korrespondent Ulrich Adrian auf die junge Viola. Krakau ist nach dem Fall des Kommunismus aufgeblüht, hier tummeln sich Studenten, das junge, kreative Leben blüht. Mittendrin sucht die Verkäuferin Viola nach einem Kleid für ihre Hochzeit. In Polen wird jung geheiratet, die Kirche fördert das ausdrücklich. Viola und ihr Zukünftiger leben in einem widersprüchlichen Polen: Der westliche Lebensstil hat in vielen Gegenden Einzug gehalten, das Wort des Papstes gilt noch viel, aber eben nicht mehr überall. Im Eheseminar von Pater Knotz trifft das katholische Polen gar auf Lust und Leidenschaft. Es geht offen um Sex, denn der Kapuzinermönch hat ein Ziel: Er will jungen Menschen helfen, ein Leben mit der Kirche und einer angstfreien Sexualität zu leben. Ein neuer frischer Wind weht, aber nicht nur durch Polens Kirche, sondern auch auf der Danziger Werft, im Norden Polens. Zwar sind seit Solidarnosc-Zeiten nur wenige Bootsbauer geblieben, aber die sind hoch spezialisiert. Sie produzieren hier Luxusjachten, die sie dann für Millionenbeträge in den Westen verkaufen.  

Diese Doku ist wirklich richtig gut geworden, allerdings stört es mich, dass der Geldgeber so in den Mittelpunkt gerückt wurde. Der, der einen Flughafen gebaut hat, der der ein Stadion gebaut hat, der der einen Club besitzt und da schon 300 Millionen Euro reingeballert hat. Es ist zwar schön, das so auch kleine Länder ein großes Turnier austragen dürfen, aber diese Investitionen privater Natur tun den Sport einfach nicht gut und gehören verboten. Auch sollte man nicht so darüber berichten und den Menschen so hinstellen als wäre er der größte Wohltäter, was er selbst von sich behaupten darf in dieser Doku. Ansonsten waren die Berichte sehr interessant und man bekommt so einen ersten Eindruck davon, was diese EM auch für die Politik der Länder bedeutet und wie die Spannungen zwischen beiden sind, bzw. waren und in Zukunft besser sein könnten. Schaut also unbedingt mal rein, viel Spaß beim Gucken.

 © Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de
Bilder © WDR

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