The Road to Baku 2012: Die großen Nationen

 

eurovision The Road to Baku 2012: Die großen Nationen

Es lag vor allem am katastrophalen Abschneiden der deutschen Lieder beim Eurovision Song Contest, dass sich die Verantwortlichen eine Regel ausdachten. Die großen fünf (ehemals vier – ohne Italien) Nationen (also die mit den größten Sendeanstalten, die die Werbeeinnahmen bringen) sind genauso wie der Titelverteidiger und Gastgeber für das Finale gesetzt. Zu oft waren Deutschland und Co. schon im Halbfinale oder die Zeit davor in den Vorausscheidungen herausgeflogen. Die fünf Länder sind: Italien, Großbritannien, Spanien, Frankreich und Deutschland. Viel Trash haben die vier letzteren Länder gebracht die letzten Jahre, bis sie am Ende der Nuller wieder etwas aufholten. Die “Zeit vor Lena” war wirklich hart für Deutschland. Aber mit einem vergleichbaren Konzept zu dem, mit dem man 2012 Lena castete, suchte man dieses Jahr den fantastischen Roman Lob aus. Es ist für Deutschland eine Ehre, dass so ein guter Sänger für es antritt. Er hat in den Ausscheidungsshows die Mitbewerber_innen von der Bühne gewischt. Das wird ihm in Baku nicht gelingen. Leider. Top Ten ist zwar Pflicht, Siegchancen wird er keine haben. Nicht, weil ihm Charisma fehlen würde, oder er nicht gut singen könnte – das ist alles unbenommen. Aber das Lied ist etwas zu lahm, um zu gewinnen, und zu wenig Ballade, als dass es konsensfähig wäre. Trotzdem: Er wird es super machen.

 

 

Das erfolgreichste Land nach erreichten Punkten ever sind die Briten. In den letzten Jahren allerdings hinkten sie stark hinterher. Selbst mit der Boyband “Blue”, die ehemals große Erfolge feierte, konnte man nur einen elften Platz erlangen, besser jedoch als in 2010 der neunzehnjährige Josh Dubovie, der uf dem letzten Platz landete. Dieses Jahr schicken die Briten den Schlagersänger Engelbert Humperdinck, in Deutschland einfach: Engelbert, ins Rennen, Jahrgang 1936 und seine Erfolge sind schon etwas länger her. Schlager ist ja nicht so mein Ding, und junge Leute können wahrscheinlich nicht unbedingt etwas mit diesem alten Haudegen anfangen, vielleicht aber das schwule Publikum… Eines muss man dem guten Mann zugute halten: tolle Stimme, viel Charme, ein Entertainer der alten Schule – und das Lied hat Grandezza. Würde mich nicht wundern, wenn der alte Herr überraschend weit vorne landen würde.

 

 

Ich oute mich ja immer wieder als großer Fan der Spanier beim ESC. Noch immer bin ich nicht über den 16.Platz hinweg von Rodolfo Chikilicuatre mit seinem Lied “Baila el chiki chiki”, das ich soooo cool finde. Vor allem auch die Dance Action. Genau hinschauen lohnt sich.

 

 

In diesem Jahr wird der spanische Beitrag weder so witzig sein, noch so schlecht abschneiden. Pastora Soler schmettert ihr Lied “Quédate Conmigo” mit Wonne – und es gefällt ganz vielen Leuten im Internet. Das könnte etwas werden.

 

 

Auch Italien hat dieses Jahr (wie im letzten Jahr auch) eine gute Sängerin zum ESC geschickt, die nicht nur richtig cool aussieht, sondern ein “fesches” Lied singen wird: Nina Zilli mit “L’amore è femmina” swingt ganz schön. Bisher wird sie ganz nach oben gewettet. Ich befürchte allerdings, dass das Lied am Finalabend etwas untergehen wird. Sagt meine Intuition. Aber vielleicht kann sie das Publikum ja so bezaubern, dass sie die Konkurrenten von der Bühne räumt?

 

 

Anggun mit dem Lied “Echo (You and I)” startet für Frankreich und wird eher hinten landen im Finale. Sie wird ja wie die anderen gesetzt. “Exotische” Damen aus Frankreich hatten es nie besonders leicht beim ESC-Publikum – wieso das so ist? Das kann ich nicht erklären. Aber auch dieses Jahr wird Frankreich im Finale weiter hinten landen.

 

 

Irland hat den Eurovision Song Contest am häufigsten gewonnen. 1992, 1993, 1994 gleich dreimal hintereinander. 1995 hatte Norwegen gewonnen – mit einer irischen Geigenspielerin auf der Bühne. Und 1996 gewann Irland wieder. Johnny Logan war der einzige, der zwei Mal für ein Land gewann, eben für Irland. Und jetzt nehmen auch Jedward nach 2011 das zweite Mal teil. Vielleicht beflügelt von der überraschend guten Platzierung. Der achte war es dann am Ende. Ein Wunder eigentlich: die Jungs können nicht singen, nicht tanzen, und irgendwie sehen sie auch reichlich merkwürdig aus. Aber: Sie haben so einen hohen Amüsier-Faktor. Nur denke ich, dass sie an Reiz verloren haben. Und “Lipstick” war einfach ein noch viel nervigerer Ohrwurm als “Waterline”. Wahrscheinlich kommen die Jungs ins Finale. Aber sicher nicht in die Top Ten.
Auch der Gastgeber Aserbaidschan mit Sabina Babayeva und “When The Music Dies” dürfte es schwer haben, in die Top Ten zu kommen. Aber vielleicht kriegen sie viele Gast-Geschenke. Obwohl: Vielleicht auch nicht, wer weiß, wie sich das Regime durchmogeln kann zwei Wochen lang – vielleicht entstehen in dieser Zeit schon die ersten Risse…

Gastbeitrag von Jannis Plastargias
© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de
Bild © NDR/EBU

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