The Road to Baku 2012: Balkan und weiter südlich

 

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Light your Fire! Was gab es die letzten Jahre immer wieder für ein Geschrei beim ESC. Der Balkan, der Balkan. Die schieben sich doch immer die Punkte zu! Unverschämt so etwas. Das mag ja sein. Andererseits hatten die ganz unbenommen schöne Lieder. 2007 gewann Marija Sefirovic mit dem Lied “Molitva”. Verdient wie auch Fans, die nicht vom Balkan sind, anerkennend zugaben. Željko Joksimović, der dieses Jahr für Serbien antritt, erreichte bereits 2004 für Serbien und Montenegro mit dem wunderschönen “Lane Moje” den sehr guten 2.Platz, zwei Jahre später schickte er Hari Mata Hari mit “Lejla” ins Rennen, ebenso schön und fast genauso erfolgreich: Platz 3. Mit Jelena Tomašević kam er 2008 auf Platz 6, aber… schaffte es trotzdem auf die Bühne. Griechenland und die Türkei gehören zwar einerseits nicht zur Balkan-Connection und haben außer Zypern nicht wirklich viele Freunde – schneiden aber trotzdem immer sehr gut ab. Sertab Erener hat 2003 mit “Everyway That I Can” klar gewonnen. Helena Paparizou hat 2005 mit “My Number One” den Liednamen zum Programm gemacht. Dieser Ethno-Pop ist eben Gesamt-Konsens in Europa – und es hat nichts mit geschenkten Punkten und Freundschaften zu tun. Die beiden Länder schneiden die letzten Jahre immer gut ab, oft unter den Top 5.

 

 

Željko Joksimović und damit Serbien ist ein großer Favorit. Er hat so viele “Credits” bei den Fans des ESC, dass sie eine positive Sieger-Atmosphäre aufbauen werden, die ihn zu einem Start/Ziel-Sieg führen könnte. Er ist auf jeden Fall der Balkan-Star und wird die 12er von den Balkanskis abkriegen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er diesmal Englisch singen wird. Falls ja rücke ich von meinem Tipp ab. Auf serbokroatisch hört sich das Lied ganz schön an, so episch, aber so viele Englisch-Stunden kann der Mann gar nicht nehmen, dass es sich gut anhört, wenn er es auf Englisch schmettert. icon smile The Road to Baku 2012: Balkan und weiter südlich

 

 

Episch wird es auch bei den Slowenen und damit bei Eva Boto und ihrem “Verjamem”. Sie scheint bei den ESC-Fans im Internet ganz gut anzukommen, schließlich ist das auch eines der klassischen Grand Prix-Lieder in diesem Jahr. Sie wird von den Balkan-Ländern auch viele Stimmen kriegen, unwahrscheinlich ist es jedoch, dass sie anderswo viel punkten wird. Da werden sich einige sagen, dass sie ihre Punkte wenn überhaupt lieber nach Serbien geben.
Eine Ballade wird auch aus Kroatien kommen. Nina Badric singt den Titel “Nebo” und wird damit im Halbfinale vermutlich ausscheiden. Kalliopi Bukle aus Mazedonien wird es mit “Crno I Belo” nicht viel anders gehen. Es ist auch nicht sehr schade darum, zu langweilig ist das Ganze. Maya Sar wird mit “Korake Ti Znam” voraussichtlich auch chancenlos sein. Vielleicht hätten Bosnien und Herzegowina lieber Hari Mata Hari aufgestellt, der im nationalen Finale rausflog.

 

 

Als ich von den Skandinaviern schrieb, hatte ich ja schon behauptet, dass dieser ESC witzig ist. “Euro Neuro” vom Rambo Amadeus aus dem Montenegro finde ich humorvoll. Es wird wahrscheinlich Vorletzter, weil der Georgier Anri Jokhadze mit seinem “I’m A Joker” ganz schrecklich ist – es wird einfach sich auf ihn einzuschießen, während Rambo Amadeus vielleicht ein paar Sympathiepunkte erhalten wird. Ich würde mir den Rambo ins Finale wünschen.

 

Ins Finale wird es auf jeden Fall Zypern schaffen. “La la Love” von der total niedlichen Ivi Adamou wird es locker in die Top Ten schaffen. Es ist ein fast schon “billig” zu nennendes Lied, aber auch ein Ohrwurm. Und ein Lied, das beim ESC sicher ankommen wird. Die ESC-Fans wählen es bis dato immer wieder in ihre Top Ten, oft sogar auf den ersten Platz. Wer weiß, wie sie bei den 120 Millionen ankommt am 26.5. … Zypern hat noch nie gewonnen, warum nicht das erste Mal ausgerechnet in Aserbaidschan?

 

 

Wird Griechenland darunter zu leiden haben, dass es im Moment durch die Wirtschaftskrise und allem, was so damit zusammenhängt, eine böse Stimmung dem Land gegenüber gibt? Oder wird Eleftheria Eleftheriou genug Aphrodisiakum für alle dabei haben und doch in die Top Ten kommen können? Das Lied hat nicht etwa schon mitgemacht, obwohl es auch ein Lied aus den letzten Jahren sein könnte. Mal schauen, wer von den beiden zypriotischen Damen (Eleftheria ist auch von dort) das Rennen machen wird.

 

 

Ich gebe es zu: Es kommt oft vor, dass ich den Türken die Daumen drücke und tatsächlich von meinen vermeintlichen Landsfrauen und -männern abspringe und zu ihnen hüpfe. Nach wie vor ist mein Alleraller-Lieblingslied ever ein Türkisches. Ich liebe den Beitrag aus 2005 von Gülseren “Rimi Rimi Ley”:

 

 

Aber zurück zu Can Bonomo und sein “Love Back”, ein wirklich cooles Lied, mit Chancen in die Top Ten zu kommen oder knapp daran vorbeizuschrammeln. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Roman Lob und er sich gegenseitig Punkte stehlen werden. Aber die Türken selbst mögen Can Bonomo nicht besonders. Wie ein Bekannter von mir sagte, ein ESC-Fan, ist man davon genervt, dass jemand da hingeschickt wird, der aus der jüdischen Gemeinde Istanbuls kommt, mit dem Ziel, die Türkei als multikulturell und weltgewandt zu präsentieren. Und während sie Gülseren damals als “too much” erlebten, nämlich zu viel Folklore, scheint es diesmal ein wenig zu “untürkisch” zu sein, dieser Beitrag von Can Bonomo…

Gastbeitrag von Jannis Plastargias
© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de
Bild © NDR/EBU

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