Interview mit dem DJ-Team The Disco Boys „Wir wissen schon heute, was morgen auf den Tanzflächen zu hören sein wird“

 

The Disco Boys ist ein Hamburger DJ-Team, bestehend aus Raphael Krickow und Gordon Hollenga.

 

Liebe LeserInnen,

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

Raphael, Gordon, Ich habe mir gerade noch einmal euren ersten Hit angehört. Habt Ihr eigentlich noch Kontakt zu Roberto Blanco? Und wie war das damals, war der Track Eure Idee? Hat Roberto da direkt mitgemacht?

Gordon: Ich habe Robertos Nummer mittlerweile nicht mehr in meinem Telefonbuch. Die Geschichte ist bekannt: Raphael hatte ihn bei „Zimmer frei“ mit Götz Alsmann gesehen, wo er Englisch sang, wir suchten einen Sänger für unsere erste Veröffentlichung, zu der wir quasi von einer Plattenfirma gezwungen wurden. Denn eigentlich waren wir als DJ-Team schon 2001 bundesweit unterwegs und ausgebucht. In dieser luxuriösen Situation wollten wir keine coole Underground-Scheibe rausbringen, sondern direkt einen Riesencharthit landen, direkt ins Fernsehen ganz nach oben – lange vor DSDS übrigens. Produzent der Radio Version war dann auch kein geringerer als Jeo Mezei, Bohlens Hausproduzent. Die Taktik mit Roberto als Vehikel vor die Kameras zu kommen ging auf. Wir waren direkt mit unserem Debüt „Born To Be Alive“ bei TV Total, Top Of The Pops, VIVA interaktiv und und und. Irgendwann kippte es jedoch, Roberto saß als Studiogast in der Sendung, präsentierte zwischendurch seinen neuen Hit mit uns hinten an den Turntables als „Playback-DJs“. Als ich ihn dann ein paar Jahre später in einer ARD Volksmusik Sendung zufällig sah, wie er zu unserem Playback und der Einblendung „Roberto Blanco – Born To Be Alive“ performte, war für mich der Ofen endgültig aus. Auf jeden Fall war es damals eine interessante Erfahrung, mit diesem skurillen Paradiesvogel unterwegs zu sein.

 

Wenn man an Eure Hits denkt, darf natürlich auch nicht „For You“ fehlen. 93 Wochen in den Charts, der Hammer, wie ist das wenn Ihr vor einem Track sitzt, fühlt man eigentlich das ein Track Potenzial für einen „Megahit“ hat oder ist das auch oft eine Art Zufall? Wie gut könnt Ihr das selbst abschätzen?

Raphael: Ein Hit wie „For You“ einer war, kann man nicht vorhersagen oder planen. Wir haben das Stück (nachdem ich den Song in der Sauna auf seinem iPod wiederentdeckt hatte) zunächst nur für unser DJ-Set produziert. Die Reaktionen waren euphorisch, am Ende bekamen wir direkt von Manfred Mann die Erlaubnis, den Titel neu zu veröffentlichen. Den Charme der Original Samples hätte man nicht reproduzieren können. Wir sind uns sicher, wie ein Stück Musik aufgebaut sein sollte, damit es in unserem Set funktioniert. Die Tanzfläche ist quasi unser Kreißsaal.  Die Reaktionen hier sind für uns einigermaßen vorhersehbar und ein guter Gradmesser, ob unsere musikalischen Babies lebensfähig sind in der kalten Welt da draußen. Aber ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung müssen die Songs sich selbst durchsetzen und behaupten. Was sie mal besser und mal schlechter tun.

 

„Hey St. Peter“ (mein Lieblings-Track) wie auch andere sind ja Cover Versionen von Liedern aus den 70er Jahren, was verbindet Euch denn mit den 70ern? Habt Ihr da einen besonderen Bezug oder ist es in der Tat nur die Liebe zu der Musik?

Gordon: Wir sind Kinder der Endsiebziger, Frühachtziger. Was du in deiner Kindheit und Jugend entdeckst und liebst, was dich begleitet und prägt, beeinflusst dich den Rest deines Lebens. Du wirst immer ein wohlig-warmes Gefühl in dir spüren, wenn du den Helden und Songs von früher begegnest. Bei mir ist es im speziellen so, dass ich bestimmte Songs früher so derbe fand, dass ich mir die Maxi-Single bei Radio-Baer geholt habe und sie dann immer und immer wieder gehört habe. Bei „Flesh For Fantasy“, „People Are People“ oder auch „Midnight Man“ von Flash & The Pan hatte ich in der Tat meine erste „Ohrgasmen“.

 

Volume 12 heiß Euer aktuelles Album, wie würdet Ihr das selbst beschreiben wollen?

Raphael: Zum ersten Mal hatten wir die Möglichkeit unsere Musikauswahl auf 3 CDs zu präsentieren. Die zusätzliche Spielzeit gab uns mehr Freiheiten. Wir können eine größere Bandbreite unseres musikalischen Spektrums zu präsentieren. Durch das tiefere Graben im heimischen Plattenregal und Festplattenarchiv haben wir ein paar echte Perlen zutage gefördert. Zur besseren Orientierung tragen die CDs zum ersten Mal Untertitel: „Floorfiller“ vereinigt die aktuellen Kracher, „Secret Weapons“ repräsentiert im Prinzip die zweite Hälfte eines „The Disco Boys DJ-Sets“ und „Partystarter“ erklärt sich von selbst. Auch schön: Die drei CDs liegen in einer eigens für sie entworfenen Box. Die ersten Reaktionen zum Beispiel bei Facebook reichen von hellauf begeistert bis total euphorisch.

 

Wie kam es eigentlich zu der unverwechselbaren Namenswahl Eurer Alben?

Gordon: Wie meinst du das? Wir nennen uns „The Disco Boys“, die Alben haben wir dann angefangen bei Volume 1 durch nummeriert. Das war nicht sehr kreativ, noch stimmt die Nummer der Kompilation mit dem Veröffentlichungsjahr überein. Unverwechselbar werden die CDs durch unsere Musikauswahl. Interessanter waren da sicher die Tourmottos wie „Goldrausch“ oder „Two on Tour“ oder die Untertitel der einzelnen CDs der aktuellen Ausgabe: „Floorfiller“, „Secret Weapons“ und „Partystarter“.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Raphael: Als DJ lebst du ja immer mit einem Bein in der Zukunft. Du hörst und weißt schon heute, was morgen auf den Tanzflächen zu hören sein wird. In der Tat sitzen wir aktuell schon an der Nachfolgesingle zu „Around The World“, der ersten Single, die ähnlich polarisiert wie einst „For You“. Wir träumen weiter und hoffen, dass „Around The World“ ein bisschen unser Motto für dieses Jahr wird und wir wieder verstärkt international auflegen werden.

 

Mit wem würdet Ihr nicht in der Sauna sitzen wollen?

Gordon: Roberto Blanco.

 

 von Daniel Pietrzik | nachgebloggt | cc-by-nc