Dokumentarfilm im Ersten: Wader Wecker Vater Land

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© SWR/Schattengewächs Filmprod

Dienstag, 1. Mai 2012 | 23:45 Uhr im Ersten

Hannes Wader und Konstantin Wecker gemeinsam unterwegs durch Deutschland: zwei Gesichter in Nahaufnahme, beide über 60, beide mit Narben, in denen sich ein Stück bundesdeutsche Geschichte spiegelt; Narben nach Stürzen, die ihre Sicht aufs Leben verändert haben. Sie leben inzwischen bürgerlich, haben eine junge Familie – und singen mit Mitte 60 immer noch von Revolution und Rebellion: Hannes Wader und Konstantin Wecker, zwei Urgesteine politischer Liedermacherkunst. Wader, der frühere Kommunist und angebliche RAF-Sympathisant konnte mit Wecker, dem anarchischen Genussmenschen, lange Zeit nicht viel anfangen. Nun, nach schweren persönlichen Krisen, gehen sie gemeinsam auf Tournee. Der norddeutsche Liederbarde trifft auf den bayerisch-barocken Klavierkünstler; unterschiedlicher könnte ihre Art, Musik zu machen, kaum sein – und so müssen sich die Beiden auf der Bühne erst finden, bis im Laufe der Tour aus den anfänglichen Gegensätzen der eigentliche Reiz ihrer Auftritte entsteht. 

© SWR/Schattengewächs Filmprod

Trotz aller Unterschiede gibt es Gemeinsamkeiten – beide sind verwundbare Poeten in einer Gesellschaft, die sich unverwundbar gibt. „Wader WeckerVater Land“ ist ein Film über die Begegnung zweier widersprüchlicher Persönlichkeiten, die mit ihren Liedern die 68er-Bewegung geprägt haben. Zudem ein Stück Zeitgeschichte über ein Land, das sich über die Jahrzehnte nicht weniger verändert hat als Wader und Wecker mit ihm. Eines aber ist in ihren Liedern und ihrem Leben bis heute geblieben: die Sehnsucht, sich nicht verbiegen zu müssen, sondern mit allen Schwächen, Leidenschaften, Exzessen eigenwillig zu sein; die Sehnsucht, sich immer wieder zu wandeln, dabei Grenzen auszutesten – mit dem Risiko, abzustürzen. Weil man nur dann das Leben spürt.

© SWR/Schattengewächs Filmprod

Ich habe mir diese Dokumentation ehrlich gesagt nur aus Langeweile angesehen. Hannes Wader kannte ich bislang gar nicht und Konstantin Wecker nur durch seine Drogennachrichten aus den 90er Jahren. Es ist eben nicht meine Generation, ich bin zu jung und zu desinteressiert gewesen. Diese Doku zeigt die beiden, die wirklich sehr viel gemeinsam haben, obwohl sie so unterschiedlich sind auf ihrem gemeinsamen Weg. Während Auftritte und Proben zum neuen Programm gezeigt werden, werden die beiden immer wieder auf ihre Vergangenheit angesprochen und erzählen offen in Rückblenden darüber. Das ist so interessant und spannend, dass die Langeweile bei mir schnell verflogen ist und ich im Nachhinein dachte „Schade, schon vorbei“. Absolut empfehlens- und sehenswert. Viel Spaß beim Gucken.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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