Geschichte im Ersten – Kinder des Tsunami „Diese Doku hat mich schwer beeindruckt“

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© SWR/Renegade Pictures

Montag, 5. März 2012 | 23:30 Uhr im Ersten

Ein Jahr nach Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe in Japan rekonstruiert der Dokumentarfilm von Dan Reed die dramatischen Ereignisse aus der Sicht von Kindern, die meisten davon im Grundschulalter. Ihre Schulen liegen hundert Meilen voneinander entfernt. Eine der Schulen ist von dem Tsunami betroffen (Okawa Grundschule), die anderen von dem Atom-Gau (Kashima-Grundschule). In einer packenden Erzählung wird nachvollziehbar, was sich in den verschiedenen Schulen und im Zuhause der Kinder während des Wochenendes abspielte und wie die Kinder ihr neues Leben bewältigen. Die Überlebenden des Tsunami trauern um die Toten, versuchen, das Erlebte zu verarbeiten und sich, nachdem ihre Gemeinde völlig zerstört wurde, ein neues Leben aufzubauen. Auch das Leben der Kinder, die dem Atom-Gau ausgesetzt waren, hat sich völlig verändert: Trotz der Evakuierung sind sie einer gefährlichen atomaren Strahlenbelastung ausgesetzt. Das sichere Netz des Familienlebens wurde zerrissen. Ihr Alltag wurde nicht nur völlig auf den Kopf gestellt; ihnen wurde gesagt, dass sie niemals wieder bedenkenlos draußen spielen oder im Pool schwimmen dürfen. Die Zukunft empfinden sie nicht mehr als verheißungsvoll, sondern als bedrohlich. Niemand weiß, welche Folgen der Atom-Gau noch für ihre Gesundheit, ihr Leben, haben wird.

© SWR/Renegade Pictures

Diese Doku hat mich schwer beeindruckt. Einfühlsam mit äußerst beklemmenden Bildern kommen hier die Kinder zu Wort, die damals durch den Tsunami und die Raktorkatastrophe in Fukushima ihre Heimat, Ihre Freunde und eigentlich ihr ganzes altes Leben verloren haben. Man erfährt, wie der Tag der alles veränderte sich bei den Kindern eingeprägt hat und welche Ängste sie hatten und auch heute noch haben. Es wird über eine Grundschule berichtet, in der damals falsche Entscheidungen getroffen wurden und wie die Auswirkungen davon waren.

Auch Eltern kommen zu Wort, die teilweise heute noch nach ihren vermissten Kindern suchen. Sehr emotional berichten die Kinder über ihre verlorenen Freunde, über die Sehnsucht nach der alten Heimat, wo jetzt Geisterstädte sind und über den Alltag mit Geigerzähler, Atemmasken und Dosimetern. Viele wollen gern in die Städte und Dörfer zurück und leben immer noch in Übergangsquartieren. Die Kinder werden aber auch nach den Zukunftsplänen befragt, und obwohl die Radioaktivität das ganze Leben veränderte, wollen einige doch Radioaktivitätsforscher werden.

Diese Dokumentation ist absolut empfehlenswert, sehr sensibel erzählt, mit eindrucksvollen Aufnahmen und Einblicken in das dortige Alltagsleben, leider kommt sie zu sehr später Stunde im TV.

Gastbeitrag von Patricia Förster
© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de