Interview mit der Schauspielerin Judith Döker „Als Schauspieler in einer Schublade zu stecken hat nicht nur etwas Negatives“

Judith Döker ist eine deutsche Schauspielerin.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

© Mirjam Knickriem

© Mirjam Knickriem

Judith, bei Wikipedia steht zb, dass Sie privaten Schauspielunterricht bekommen haben. Wie kann man sich so etwas vorstellen? Ich hätte nun gedacht, dass man als Schauspieler in Deutschland schon nur eine Chance hat Rollen zu bekommen wenn man eine Ausbildung hat, also auf einer Schauspielschule war, dem ist also nicht so?

Ich habe das Pferd von hinten aufgezäumt: Nach dem Abi habe ich einige Semester Jura studiert und währenddessen die ersten, kleinen Rollen gespielt. Die Schauspielerei war also erstmal ein Studenten-Job für mich, der mir dann aber so gut gefiel, dass ich den Nebenjob zum Hauptjob machte und mein Studium schmiss. Ich hatte allerdings überhaupt keine Lust, noch einmal zur Schule zu gehen – auch nicht auf eine Schauspielschule. Also fing ich an, privaten Schauspielunterricht zu nehmen, bei Lehrern, die ich mir selbst aussuchen konnte und bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie zu mir passen. Man hat grundsätzlich bestimmt bessere Einstiegschancen in den Beruf, wenn man eine Schauspielschule besucht hat, aber es gibt ja zum Glück immer viele Wege, die einen an sein Ziel bringen.

 

Außerdem finde ich einen Eintrag in Ihrer Vita sehr interessant. „Film Acting Intensive, Los Angeles“ War das ein Workshop? Wie sind Sie da ran gekommen und wie war die Zeit?

Der „Film Acting Intensive, Los Angeles“ war ein Schauspiel-Workshop, den ich besucht habe. Das war ein fantastisches Erlebnis, an das ich mich gerne zurückerinnere. Der Kurs dauerte vier Wochen und fand, wie der Name schon sagt, in Los Angeles statt. Für diesen Workshop hatte ich von der Filmförderung ein Stipendium erhalten – was auch fantastisch war – da der Unterricht nicht gerade preiswert war. Was mir bei den Amerikanern besonders gut gefallen hat, dass sie mit soviel Freude, Begeisterung und Humor an die Arbeit gehen.

© Mirjam Knickriem

Über 10 Jahre sind Sie jetzt schon Schauspielerin und haben einige sehr interessante Projekte gedreht. Gibt es eines an das Sie sich ganz besonders gerne zurück erinnern? Eines wo Sie viel Spaß gehabt haben zb.?

Am meisten gelacht habe ich bestimmt mit meinen Kolleginnen Mackie Heilmann und Sabine Menne beim „Weibsbilder-„Dreh. Ich kann mich an diverse Lachflashs erinnern, aber einmal war es besonders schlimm. Wir wollten den letzten Sketch des Tages in den Kasten bekommen, aber sobald das „Bitte“ des Regisseurs ertönte, hätte ich mich vor Lachen wegschmeißen können. Nach dem 18. Versuch kam der Aufnahmeleiter mit ernster Miene auf mich zu und sagte, dass einige Leute aus dem Team Fußballkarten haben und ob ich wolle, dass sie wegen mir das Spiel verpassen? Mir brach der Schweiß aus. Natürlich wollte ich das nicht, aber ich wusste einfach nicht, wie ich aus der Nummer wieder raus kommen sollte. Ich bemerkte auch, dass mich die Teammitglieder schon alle ganz mitleidig ansahen und offensichtlich dachten, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe. Das half! Und das Fußballspiel war gerettet.

 

Gibt es auch Projekte von denen Sie denken diese besser nicht gemacht zu haben?

Nö. Es gab natürlich Projekte, die weniger spannend waren als andere, aber im Großen und Ganzen hat mir meine Arbeit immer Spaß gemacht.

© Mirjam Knickriem

2007 haben Sie ja für „Weibsbilder“ gedreht, ist es dann eigentlich in der Zeit danach sehr schwer gewesen von dieser „lustigen“ Rolle wieder an ernsthafte zu kommen? Ist die Gefahr bei solchen Comedy-Projekten für Schauspieler sehr groß in eine Schublade gepresst zu werden?

Als Schauspieler in einer „Schublade zu stecken“ hat nicht nur etwas Negatives. Wenn man bedenkt, wie viele Schauspieler es in Deutschland gibt, ist es enorm von Vorteil, wenn man es erstmal in eine „Schublade hinein schafft“. Das bedeutet nämlich, dass man wahrgenommen wird und für ein bestimmtes Genre oder Rollenfach steht. Der zweite Schritt ist dann, sich dort wieder herauszuarbeiten, um sein Spektrum zu erweitern. In meinem Fall war es schon so, dass es nach „Weibsbilder“ erst einmal schwierig war, für ein anderes Genre als Comedy besetzt zu werden. Ich habe dann auf eigene Faust einen Kurzfilm gedreht, um zu signalisieren, dass ich Interesse an ernsthaften Rollen habe. Nach einer kleinen Durststrecke wurde ich dann auch wieder für solche Rollen besetzt.

 

Als nächstes sind Sie in dem Film “ Katie Fforde – Leuchtturm mit Aussicht“ zu sehen. Erzählen Sie mal was über Ihre Rolle dort, wie war die Produktion?

An den „Katie Fforde-“ Dreh denke ich super gerne zurück! Auch auf die Gefahr hin, dass es sich etwas kitschig anhört, aber die Atmosphäre im Team und unter den Kollegen hätte nicht besser sein können. Das hat richtig Laune gemacht! Wir haben einen Monat lang in New York und Umgebung gedreht, was alleine natürlich schon fantastisch war. Meine Rolle ist die einer eiskalten, karrierebewussten Lady aus New York City, die immer nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Zu allem Unheil trägt die Rolle auch noch denselben Namen wie ich: Judith! Allerdings wurde der Name im Film englisch ausgesprochen, was ein ziemlicher Zungenbrecher ist und für viel Heiterkeit während des Drehs sorgte. Ausgestrahlt wird der Film übrigens am 26. 2. 2012 um 20.15h im ZDF!

© Mirjam Knickriem

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Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, wo darf man Sie des Weiteren sehen?

Zurzeit bin ich mit dem Dokumentarfilm „Judith goes to Bollywood“ beschäftigt. Gedreht wurde und wird – wie der Titel schon erahnen lässt – in Indien. Es ist eine Abenteuerreise in eine andere Welt, aber auch die Geschichte über den kreativen Umgang mit einer Krise. Es ist meine erste Regiearbeit, bei der ich auch selbst vor der Kamera stehe.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Puh… ich stelle mir gerade die umgekehrte Frage, wen ich denn gerne einmal in der Sauna treffen würde? Aber auch da fällt mir niemand ein.

 

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© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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