Interview mit dem Synchron- und Hörspielsprecher Torsten Sense „Glaubt nicht, was Ihr in Interviews lest“

Torsten Sense ist ein deutscher Musiker, Komponist, Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

Torsten, Wikipedia beschreibt Sie als Musiker, Komponist, Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher, wie sehen Sie sich selbst, wie würden Sie Ihre Tätigkeit beschreiben?

Ursprünglich habe ich alle diese Tätigkeiten mit derselben Ernsthaftigkeit betrieben, auch was die Ausbildung betrifft. 1991 habe ich mich als Schauspieler zurückgezogen und von da an nur noch in eigenen Musiktheaterstücken mitgespielt. Auch das Synchronisieren habe ich sehr eingeschränkt, weil mir klar wurde, dass ich meine ganze Konzentration brauche, um musikalisch ein höheres Niveau zu erreichen.

 

Sie sind ja auf der Bühne zuhause, kann man sagen, hat es Sie eigentlich nie gereizt ein Fernseh/Kino-Schauspieler zu werden? Was ist am Theater für Sie so besonders?

Die Umwege. Es stimmt, dass es mich als Schauspieler nicht zum Film gezogen hat. Ich habe zwar fünf Fernsehserien gedreht und ab und zu kleinere Rollen in Fernsehspielen gespielt, habe mich aber mehrmals gegen eine Filmrolle zugunsten einer Theaterrolle entschieden. Wegen der Umwege in der Erarbeitung einer Rolle. Wenn man viele Wochen jeden Tag an denselben Szenen arbeitet, entdeckt man immer mehr Schichten einer Figur und einer Situation. Am Ende wird man bestimmte Aspekte betonen, aber die anderen Möglichkeiten, die man ausprobiert und sogar verworfen hat, schwingen mit. Der Weg dorthin ist spannend und wenn es gelingt, auch das Ergebnis. 

Als Komponist hingegen liebe ich es, an einem Film zu arbeiten. Die Vielschichtigkeit einer Situation wird im Film nicht allein von den Schauspielern erzeugt, sondern ergibt sich aus dem Zusammenspiel vieler visueller und akustischer Ebenen. Und eine davon ist die Filmmusik.

Und wie entstand Ihre Liebe zum Theater und vor allem zur Musik?

Dank meiner Eltern und ihrer Liebe zur Kultur habe ich schon als Kind oft Theaterstücke, Opern und Ballettaufführungen gesehen und gehört. Diese Sinneserfahrungen haben mich tief berührt, ich spürte den Geist, die Idee in diesen sinnlichen Spektakeln und vermutete ein Konzept dahinter. In diesem Punkt sollte ich mich nicht irren. Als ich fünf war, leasten meine Eltern ein Klavier für meine Schwester und mich. Da war es um mich geschehen. Anhand schwarzer Kringel und Striche Bach und Mozart erklingen zu lassen, offenbarte mir die wirkliche Welt, Naturgesetze, ein System voller Schönheit und Logik. Und die Möglichkeit das, was mich gerade bewegte, selbst in Klänge zu verwandeln, war wahrhaftige Äußerung, viel direkter als die Vieldeutigkeit normaler Kommunikation.

 

Sicherlich werden Sie nun wo der Film Shanghai auf DVD und Blu-ray rauskommt öfters gehört als gesehen werden, stört Sie das beim Synchronsprechen eigentlich manchmal, dass man „nur“ Ihre Stimme kennt?

Wenn man gehört und nicht gesehen wird, ist die Gefahr geringer, als Mensch mit dem Produkt seiner Arbeit verwechselt zu werden. Noch eindeutiger ist das natürlich beim Komponieren. Ich liebe meine Arbeit als solche, ich verbinde damit keine Sehnsucht nach Berühmtheit. Mir ist wichtig, dass der Film oder das Konzertstück Menschen etwas möglich gemacht hat. Ein Gefühl, dass sie lange nicht hatten, einen Gedanken, der plötzlich aufzusteigen scheint, eine überraschend andere Sichtweise. 

 

Was mich interessieren würde, wie kam es eigentlich dazu, dass Sie John Cusack gesprochen haben und nicht Andreas Fröhlich? Sprechen Sie jetzt öfter John Cusack oder war das einmalig?

Das lag an einem terminlichen Engpaß bei Andreas Fröhlich. Ich hoffe sehr, dass in Zukunft wieder ausschließlich er John Cusack spricht. Ich habe im Regal übermäßig viele Filme mit John Cusack und Edward Norton, weil ich Andreas Fröhlich so gut finde.

Sie schrieben mir ja, dass Sie auch Komponieren, das war mir noch nicht wirklich bekannt, erzählen Sie mal wie man sich einen Komponisten heute vorstellen kann und wo Ihre Werke zu hören sind?

Es ist wie es immer schon war. Die Methoden, das Ausgedachte zu fixieren, wandeln sich von Zeit zu Zeit. Ich komponiere viel auf dem Papier. Keine Bildschirme, keine summenden Geräte, nur die Klänge in meinem Kopf. Bei Filmmusiken benutze ich natürlich von Anfang der Arbeit an auch Computer und die gesamte Studiotechnik. Es ist wichtig, dem Regisseur Tag für Tag den Stand der Dinge zu demonstrieren, damit er die Entwicklung der Musik steuern kann.

Film- und Fernsehmusik von mir haben wahrscheinlich schon viele gehört, weil ich 20 Jahre lang viele Fernsehproduktionen vertont habe. Sehr empfehlen kann ich die Filme von Klaus Krämer. Auf DVD gibt es den Kinofilm „3 Chinesen mit dem Kontrabaß“, im Fernsehen laufen oft unsere Polizeirufe 110 mit Edgar Selge und Michaela May, zum Beispiel „Pech und Schwefel“. Zuletzt haben wir einen Berliner Tatort mit dem Titel „Hitchcock und Frau Wernicke“ gemacht. Von meinen Konzertstücken gibt es auf CD „Requiem für Kurt“. Das Stück habe ich anläßlich des 10. Todestages von Kurt Cobain komponiert, aber es ist dennoch zeitgenössische Kammermusik für 3 Flügel und 7 Kontrabässe. 

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, darf man da schon etwas verraten?

Ich beende gerade die Arbeit an einem Kammermusikstück. Das schicke ich dann einem Dirigenten, den ich sehr schätze, und hoffe, dass es ihm so gut gefällt, dass er es aufführen möchte. Mittelfristig bereite ich wieder ein Musiktheaterstück vor. Es soll eine Kammeroper für 2 Sängerinnen, 5 Sänger und Kammerorchester werden. Parallel zu meinen Aktivitäten im Bereich der sogenannten „ernsten Musik“ produziere ich dieses Jahr in meinem Studio einige Hörbücher und Hörspiele. Dem Synchronisieren habe ich mich letztes Jahr wieder angenähert und auch einige Hörbücher gesprochen. Ich bin selbst gespannt, wo das gerade hinführt.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Glaubt nicht, was Ihr in Interviews lest.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit mir. Wenn ich mich langweile, werde ich unruhig.

 

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© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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