Interview mit der Musikerin Luci van Org „Ich tauge nicht zu diesem Party- Popstar- Leben“

Luci van Org ist eine deutsche Moderatorin, Schauspielerin, Schriftstellerin, Sängerin, Regisseurin und Bassistin. Große Bekanntheit erlangte Sie in den 90er Jahren als Teil der Band Lucilectric

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

Ina, Luci, bei den ganzen Namen und Künstlernamen in Ihrer Karriere weiß man gar nicht wie man Sie eigentlich nennen soll. Bevorzugen Sie „Lucy“ oder „Ina“?

Eigentlich heiße ich ja Ina- Lucia, habe also tatsächlich beide Namen. Die Leute können sich gern einfach einen aussuchen. „Van Org“ heiße ich seit 1993- bis heute. Nur die Bands haben ab und zu gewechselt. Was im Laufe von 21 Jahren aber doch auch eigentlich ganz normal ist, oder? 

 

Wie entstand der Zusatz „van Org“?

Eigentlich ist der Name ein „Unfall“. Bis zuletzt hatte ich vor Veröffentlichung der ersten Lucilectric- Single vergeblich nach einem Künstlernamen gesucht. Eines Abends saßen dann unsere damalige Produzentin Annette Humpe und Hella von Sinnen bei einem Glas Wein zusammen, kamen auf „van Org“ und riefen mich spontan an. Ich hatte gerade Gäste, wirklich nüchtern waren wir alle nicht mehr. Wohl vor allem deshalb waren wir plötzlich alle schwer angetan von dem Namen. „Van Org“- das klang nach „Orgasmus“ oder „Organismus“- einfach gut! Am nächsten Morgen, als ich schwer verkatert aufwachte, war ich mir allerdings wieder alles andere als sicher. Aber da hatte die Plattenfirma bereits „Luci van Org“ auf das CD- Cover gedruckt… Erst war ich ziemlich sauer. Aber dann habe ich beschlossen, den Namen als Geschenk von Annette und Hella zu sehen und mich dran zu freuen. Seinen richtigen Namen sucht man sich ja auch nicht selbst aus.

 

Und wann haben Sie gemerkt ein besonderes Talent zu haben, den Gesang?

In meinem allerersten Schulzeugnis steht „vom ersten Tag an bereicherte sie den Unterricht mit musikalischen Vorträgen“…Tatsächlich wollte ich Sängerin werden, seit ich denken konnte. Und schon immer habe ich anderen vorgesungen, wann immer es ging und die das wollten. 

 

 „Moderatorin, Schauspielerin, Schriftstellerin, Sängerin, Regisseurin und Bassistin.“ Sind. Wie sehen Sie sich eigentlich selbst?

Zu allererst bin ich Musikerin. Ich stehe seit mittlerweile 25 Jahren gegen Gage auf der Bühne oder im Studio, dort ist mein Zuhause, der Ort, wo ich mich sicher fühle. Aber auch die Schriftstellerei und das Drehbuchschreiben sind mir mittlerweile so ans Herz gewachsen, dass ich nie wieder darauf verzichten möchte.  Ansonsten trifft es das Wort „Mehrzweckentertainerin“ wohl am ehesten. Ich nutze jedes Medium, in dem ich mich kreativ ausdrücken kann. Ganz egal, ob es in der Musik, im Schauspiel, bei Moderationen oder mit bildender Kunst ist, die ich in grauer Vorzeit ja sogar mal studiert habe. Nur bei „Promi“- Events von Tanzen über Dinner über Madenessen bis Eislaufen wird man mich ganz sicher nie finden. Nicht, weil ich so etwas verwerflich fände, aber diese Form der Selbstvermarktung ist einfach nicht mein Ding.

 

Die Musik, die Sie zuletzt gemacht hatten unterscheidet sich ja schon von der Musik die Sie bei den Massen bekannt gemacht hat, wie kommt das? Haben Sie einen so breit gefächerten Musikgeschmack?

Wer die „Lucilectric“-Alben und nicht nur „Mädchen“ oder „Ey Süßer“ hört, wird feststellen, dass es von dort zu „Das Haus von Luci“, „Üebermutter“ und „Meystersinger“ gar kein weiter Weg ist. Lucilectric haben Punk mit Technobeats kombiniert, Villon vertont, Stücke gemacht, die später auf Gothic- Samplern zu finden waren. Auf unseren Konzerten wurde Pogo getanzt, unser damaliger Keyboarder spielt heute bei den „Einstürzenden Neubauten“. Wirklich außergewöhnlich ist allerdings die Leichtigkeit und Unbeschwertheit von „Mädchen“ oder „Hey Süßer“. Die kam vorher und nachher nie wieder so aus mir heraus. War eben auch eine ganz spezielle, sehr unbeschwerte Zeit damals.

 

Vermissen Sie eigentlich diesen riesigen Medienrummel um Sie, den Sie in den 90er Jahren hatten? Es ist ja durchaus bei den Massenmeiden stiller geworden, wie nehmen Sie das wahr?

Ganz ehrlich- wenn es möglich wäre, mit Musik erfolgreich zu sein, ohne dabei in den Medien präsent sein zu müssen, würde ich diese Option sofort wählen. Ich tauge nicht zu diesem Party- Popstar- Leben, mache mir nichts aus roten Teppichen und Kameras. Im Gegenteil, ich werde in solchen Situationen unsicher und schüchtern. Insofern war ich heilfroh als der ganze Rummel vorbei war. Ich möchte Musik machen und nicht „Promi“ von Beruf sein. 

 

Aktuell heißt es ja „LUCI VAN ORG liest und singt:“ möchten Sie den Lesern mal erzählen um was es dabei geht?

Sehr gern! Mein Gesangsduo „MEYSTERSINGER“, bestehend aus meinem wunderbaren Duopartner Roman Leitner- Shamov und mir, tritt sehr oft mit Programmen auf, in denen wir unsere Musik und spektakuläre Lichtshow (einfach mal www.lucivanorg.de googlen und dann auf „Meystersinger“ klicken oder sich unsere 1. Single „Trost“ auf allen gängigen Downloadportalen anhören) mit gelesenen und gespielten Texten kombinieren. Liegt ja auch nahe, wenn beide Duopartner neben echten 3- Oktaven- Stimmen auch noch Schauspieler sind und ich eben auch noch Bücher schreibe. Wer sich vergewissern möchte, dass ein solcher Abend dann aber alles andere als eine staubtrockene Lesung ist, sondern eher 90 Minuten echtes Abtauchen und Schweben, ist natürlich herzlichst zu den nächsten Shows eingeladen.  Kritiker haben das, was wir machen, als „Stimm- und Gesangsorgie“ bezeichnet. Sehr treffend, wie ich finde…

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Am 10. 02. 2012 erscheint das erste „Meystersinger“ – Album „Trost“. Und natürlich hoffen wir, es live an so vielen Orten wie möglich vorstellen zu können.  Desweiteren schreibe ich an meinem ersten, echten Roman- und bekomme ihn hoffentlich bis zur geplanten Veröffentlichung fertig.

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Haben Sie sich eigentlich schon mal überlegt die Lieder aus den 90ern nochmal neu aufzulegen? Sicher gäbe es viele Fans die das freuen würde?

Nein, nie. Die waren und bleiben gut so, wie sie sind. Ich mag es auch bei anderen Bands nicht, wenn schöne Erinnerungen an einen bestimmten Song, Beat, Gesangspart von irgendetwas überlagert werden, das dann doch nie ganz an das Original heranreicht. 

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Dass ich jeden und jede von ihnen sehr gern auf unseren „Meystersinger“- Konzerten begrüßen würde! Und dass sie sich das Video unserer ersten Single „Trost“ unbedingt auf Youtube ansehen sollten.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit niemandem- weil ich das keinem zumuten will. Dank des irgendwie falsch eingestellten Wärmeempfindens meines Körpers (ich hole Gemüse gern auch mit bloßen Fingern aus kochendem Wasser), saune ich endlos bei 90 Grad, ohne dabei auch nur sonderlich zu schwitzen. Kein Spaß für jeden der mitmacht- aber ich kann auch gut alleine sein.

 

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