Interview mit dem Astronom Florian Freistetter „Medienkompetenz ist heute schwierig zu lernen“

Florian Freistetter ist ein österreichischer Astronom.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Florian, 1995 haben Sie Ihr  Astronomiestudium begonnen, wann bzw. wie lange vorher war Ihnen eigentlich bewusst, dass Ihr Berufsweg eben genau in diese Richtung geht?

Das habe ich eigentlich erst wenige Jahre vorher entschieden. Ich bin ein untypischer Astronom. Ich habe mich als Kind nie für die Sterne interessiert; habe auch als Jugendlicher nie Astronomie als Hobby betrieben. Selbst während meines Studiums habe ich nie durch ein Teleskop geblickt sondern mich immer mehr für die mathematische/theoretische Seite der Astronomie interessiert. Erst später, als ich schon Astronom war und an der Sternwarte in Jena arbeitete und dort für die Übungskurse zur Astronomie-Einführungsvorlesung zuständig war, habe ich so richtig gemerkt, wie faszinierend auch der ganze Rest der Astronomie ist.

 

Gibt es da einen bestimmten Moment wo diese Liebe zur Astronomie entstand, kann man das so erfassen?

 Das war ein kontinuierlicher Prozess. Angefangen hat das Interesse etwa 1994, mit der Lektüre des Buches „Eine kurze Geschichte der Zeit“ von Stephen Hawking (das eigentlich mehr mit Mathematik zu tun hat, als mit normaler Astronomie) und geendet erst mehr als 10 Jahre später, als ich schon längst meinen Doktortitel hatte.

 

Kommen wir auf das Thema, von dem natürlich im Moment alle reden. Das Jahr 2012 und der Weltuntergang. Sie werden da ja oft als Astronom angesprochen und müssen so manche Begebenheiten ja immer wieder erklären. Nervt das eigentlich manchmal?

Natürlich ist es nicht immer toll, immer wieder die gleichen Fragen zu beantworten. Aber die Leute, die sie stellen, sind ja immer wieder andere und es wäre unfair, ihnen nicht zu antworten, nur weil andere die Fragen schon mal gestellt haben.

 

2012 wird die Welt ja offensichtlich nicht untergehen, das kann man ja auch auf dem ScienceBlogs ganz wunderbar lesen, warum aber glauben Sie, dass sich die Menschen so wenig selbst informieren und jeden Quatsch glauben, den die Medien verbreiten?

Das ist schwer zu sagen. Medienkompetenz ist heute vielleicht schwieriger zu lernen oder zumindest schwieriger zu lehren, weil die verschiedenen Generationen immer noch nicht gleich kompetent bei der Nutzung von Internet und anderen neuen Medien sind. Eltern können ihren Kindern zwar erklären, wie man mit den Informationen im Fernsehen umgeht, haben aber oft keine Ahnung, was im Internet so passiert. Und dann diskutieren die Kindern eben in Internetforen und auf YouTube fröhlich mit Weltuntergangsspinnern und glauben denen jedes Wort. Bei den Erwachsenen gibt es ebenfalls viele, die gerne bereit sind, alles zu glauben, solange es nur außergewöhnlich genug klingt und vor allem gegen „den Mainstream“ gerichtet ist. Da vergisst man dann auch gerne, die Informationen zu überprüfen; sie müssen nur die eigenen Vorurteile bestätigen.

 

Was mir persönlich immer mehr Angst gemacht hat sind so Dinge wie, dass plötzlich irgendwelche großen Kometen in unserem Sonnensystem auftauchen und gegen die Erde knallen könnten. Wie weit kann man das eigentlich beobachten und ausschließen das so etwas passiert? Könnte man zb. jetzt sagen, dass nichts bedrohliches in Sicht ist die nächsten Jahre oder kann man das nicht so exakt bestimmen?

Verschiedenste Beobachtungsprogramme haben den Himmel im Blick und sind auf der Suche nach potentiell gefährlichen Asteroiden. Was die wirklich großen und gefährlichen Objekte angeht, ist unser Wissen schon ziemlich vollständig. Natürlich kann es immer noch unbekannte Asteroiden geben, wenn es sich aber um große Objekte handelt, dann sehen wir sie auch schon lange vorher, bevor sie uns gefährlich werden. Für die nächsten Jahrzehnte besteht derzeit keine Gefahr.

 

Ist es überhaupt möglich, dass so eine Situation eintritt?

Die Erde kollidiert ständig mit anderen Himmelskörpern. Meistens handelt es sich um kleine Objekte und wir merken davon nichts oder sehen höchstens eine schöne Sternschnuppe am Himmel. Es wird aber mit Sicherheit auch wieder größere Kollisionen geben. Je schlimmer die Folgen, desto unwahrscheinlicher ist so ein Ereignis aber auch. Wirklich schlimme Zusammenstöße kommen nur alle paar Millionen Jahre vor und wir könnten dagegen sogar etwas tun und die Kollision verhindern.

Im April erscheint ein Buch von Ihnen „Krawumm!: Ein Plädoyer für den Weltuntergang“ erzählen Sie mal, was Sie bewegt hat dieses Buch zu schreiben und um was es dabei genau geht.

Ich wollte in diesem Buch die Geschichte der kosmischen Kollisionen erzählen. Im Gegensatz zu den unsinnigen Weltuntergangsfantasien die im Internet kursieren, ist das reale Universum viel beeindruckender und spannender. Dort stoßen Sterne miteinander zusammen, Galaxien kollidieren und eventuell prallen sogar ganze Universen aufeinander. Ich wollte die Geschichte alle dieser „Weltuntergänge“ erzählen, über ihre Folgen sprechen und allgemeinverständlich erklären, was man sich darunter vorzustellen hat. Ich wollte außerdem klar stellen, dass kosmische Katastrophen dieser Art aus Sicht des Universums völlig normal sind. Und wichtig. Ohne Katastrophen dieser Art gäbe es weder die Sonne, noch die Erde, noch uns Menschen. „Weltuntergänge“ sind zwar potentiell bedrohlich – aber auch unabdingbare Voraussetzung für unsere Existenz.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, wissen Sie schon was Sie am 21.12.2012 machen?

Ich habe für dieses Datum noch keine Pläne gemacht.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Ich würde alle Leserinnen und Leser gerne auffordern, sich ein wenig öfter mit der Welt und dem Universum zu beschäftigen, in dem wir leben. Es ist überraschend faszinierend!

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Schwere Frage. Ich bin überhaupt kein Saunamensch; das letzte Mal war ich in meiner Kindheit dort. Sollte ich jetzt nach Jahrzehnten wieder einmal in eine Sauna gehen, dann würde ich dort fürs erste am liebsten alleine sitzen um mich wieder daran zu gewöhnen und nicht plötzlich und peinlich vor allen Leuten wegen der ungewohnten Hitze raus laufen zu müssen… 

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

 

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