Stasi auf dem Schulhof | TV

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© WDR/Februar Film GmbH

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Mittwoch, 4. Januar 2012 | 23:55 im Ersten

Produktinfo: Am Ende der DDR waren ungefähr 8.000 Kinder und Jugendliche so genannte „inoffizielle Mitarbeiter“ der Staatssicherheit. Sie wurden in Jugendclubs, in Kirchen und an den Schulen angesprochen. Sie sollten ihre Freunde aushorchen, oder über ihre Eltern berichten. Marko ist 17 Jahre alt, als ihn die Staatssicherheit über seine Dresdner Schule kontaktiert. Kerstin und Elvira besuchen in den 70er Jahren das Internat Wickersdorf für angehende Russischlehrer. Auch sie sind minderjährig, als sie ins Direktorenzimmer bestellt werden und dort auf Männer von der Staatssicherheit treffen. „Ich hatte das Gefühl, die wissen alles über mich“, sagt Kerstin heute über das Anwerbegespräch als damals 16jährige im Büro des Schuldirektors. „Ich hatte auch die Befürchtung, wenn ich da nicht mitmache, dass ich dann auch mein Abitur nicht machen kann.“ Unter Druck gesetzt, unterschreibt sie die Verpflichtung, niemandem davon zu erzählen, auch den Eltern nicht. Das Ministerium für Staatssicherheit will wissen, was die Kinder und Jugendlichen denken und fühlen, will ihnen „unter die Haut kriechen und ins Herz schauen“, schließlich hängt von ihnen die Zukunft des Sozialismus ab. Stasiminister Erich Mielke befahl schon 1966, Minderjährige anzuwerben und zu Spitzeln zu machen. Und an der „Juristischen Hochschule“ der Staatssicherheit in Potsdam lernen die Führungsoffiziere, wie das geht und welche Jugendlichen besonders dazu zu drängen sind.

Fazit: In dieser Doku spricht man mit den heute längst erwachsenen Kindern von damals aus den 70er Jahren etwa, die als unfreiwillige kann man sagen, Stasi-Spitzel in Schulen fungierten. Es kommt auch ein Schulleiter zu Wort, was alles ziemlich spannend ist, denn wer von uns hätte gedacht, dass es in der ehemaligen DDR sogar so weit ging, dass Minderjährige bei der Stasi beschäftigt waren. Eine ehemalige Schülerin spricht davon so, als wenn sie vergewaltigt wurde, so schlimm hat sich das für sie angefühlt, das gibt einen dann schon zu denken. Jeder weiß ja, dass ein Kind nicht wirklich sehr belastbar ist und in der ehemaligen DDR wurden sie eben damit belastet. Das macht einen schon irgendwie wütend. Ich bin bisher so der Typ, dem die DDR egal war und der manchmal so seine Späße macht, aber auch ich kam hier etwas ins Grübeln. Schaut also unbedingt mal rein, das war eine tolle Doku. Viel Spaß dabei.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

 

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