Interview mit dem Schauspieler Matthias Matschke „eritis sicut deus scientes bonum et malum“

Matthias Matschke ist ein deutscher Schauspieler.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews. 

copyright: Matthias Matschke

copyright: Matthias Matschke

 

Entstand der Wunsch zur Schauspielerei bei Ihnen eigentlich  wirklich erst spät, nachdem Sie schon  angefangen haben Deutsch  und Religion zu studieren oder haben Sie sich einfach damals spät entschieden einen Traum zum Beruf zu machen?

Es gab für mich kein entweder oder. Den Wunsch Schauspieler zu werden hatte ich schon lange. Die Vorstellung als Lehrer zu arbeiten hatte ich auch schon lange. Ich habe damals stark auf die Einschätzung meiner Eltern bezüglich Schauspielerberuf gehört: „Das sind Leute, die den ganzen Tag rumhängen und spinnerte Ideen haben.“ Heute weiß ich, dass das stimmt.

 

Wie glauben Sie würde sich Ihr Leben jetzt unterscheiden wenn Sie Deutsch und Religionslehrer geworden wären? Langweiliger vielleicht?

Nein, langweiliger auf keinen Fall. Ich glaube, ich hätte viel Spaß. Ich wäre derselbe, in einem ganz anderen Leben.

 

Ladykracher, Pastewka, Wochenshow, wann haben Sie eigentlich Ihr lustiges Talent bemerkt? Waren Sie schon immer so der  typischen Klassenclown oder entstand das später?

„Lustiges Talent“ ist schon für sich ein lustiger Begriff. Muss ich mir merken. Klingt eher wie eine Krankheit, von der man jahrelang nicht wusste, dass man sie hatte…ich habe die reguläre Ausbildung eines bundesdeutschen Jungen der 70er Jahre genossen: Dieter Hallervorden, Louis de Funes, Otto- und das auf dem Schulhof nachspielen. Im Nachspielen war ich nicht besser als meine Freunde. Mir hat es nur sehr viel Spaß gemacht, und so ist es geblieben.

 

Haben Sie da manches Mal bedenken, als Schauspieler zu sehr in diese „lustige“ Schiene gepresst zu werden? Möglicherweise bleiben da ja ernsthaftere Angebote aus oder nehmen Sie das anders wahr?

 

Ich mache keine Unterschiede zwischen ernst und lustig. Alles ist Arbeit und hat denselben Aufwand. Das ist also die Innensicht, so wie ich das empfinde. Das Außen, die anderen, kann ich nicht beeinflussen. Ich habe mir schon vor längerem abgewöhnt zu denken, dass Leute mich so oder so sehen sollten. Ich sehe ab von „Schaut mal, ich bin gar nicht so lustig“ – Kampagnen. Dann kommt eine Wiederholung von Ladykracher, und dann ist das die Wahrheit der Leute. Das nächste Mal sehen sie mich als Mörder im Tatort und sind schockiert von so viel Abgrund hinter der lustigen Fassade. Wie mans macht ist es falsch, und das finde ich richtig.

 

Ich habe gelesen, dass man Sie bei der Otto-Falckenberg-Schule in Münchendamals abgelehnt hat, heute kann man ja sagen dass Sie sich als Schauspieler durchgesetzt haben, wie schwer traf Sie damals diese Absage?

Also ein bisschen Biounterricht – Was stammt wovon ab?: Ich habe ungefähr 1996 einmal in einem Interview erzählt, dass ich in München abgelehnt wurde. Das wurde veröffentlicht. Dann hat man es vergessen und kaum weiterverteilt, denn das Internet war damals noch nicht mehr als „irgendsowas mit Computer“. Dann wurde das Internet groß und die Info verteilte sich. Irgendwann stand es dann bei Wikipedia, der seriösesten aller möglichen Quellen für modernen Journalismus. Seitdem wird mir diese Frage nach der Absage immer und immer wieder gestellt. So viel zur Vererbungslehre von Informationen. Ich glaube, ich hätte es schon lange vergessen. Damals dachte ich: „ Die in München wissen bescheid, ich kann nicht Schauspieler werden“. Heute weiss ich, ich kann Schauspieler sein, aber nicht in München. Das ist eine Win Win Situation für München und für mich.

 

Bei den vielen Projekten, die Sie bisher gedreht haben, gibt es da welche die Sie nicht missen würden? Welche an die Sie spontan sehr schöne Erinnerungen haben?

Ich bin ein Glückskind: Ich habe viel mehr schöne Projekte gemacht, die ich nicht missen möchte, als andersherum. Es gibt immer wieder Begegnungen mit Regisseurinnen und Regisseuren, mit Kollegen, die mich voller Demut daran denken lassen, was in dem Beruf an Schönem möglich ist. Viel Demut deswegen.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Familie Pastewka trifft sich, um aufzuzeichnen im Frühjahr. Ich spiele gerade Theater in Wien (diese Stadt rechts unter Deutschland). „Der ideale Mann“, Oscar Wilde in einer Bearbeitung von Elfriede Jelinek. Das kann man sich anschauen im Burgtheater.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

eritis sicut deus scientes bonum et malum

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit Butter

 

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