Interview mit dem Tischfussball-Vizeweltmeister Ruben Heinrich „Wie bei anderen Sportarten auch verfügt Tischfussball über ein größeres Regelwerk“

Ruben Heinrich ist Deutschlands bester Tischfussball Spieler und Tischfussball-Vizeweltmeister.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews. 

 

Ruben, der Verband hat mir erzählt, dass Du der erfolgreichste Deutsche Tischfussballer bist, erzähl mal, was sind deine größten Erfolge in dem Sport bisher gewesen?

Zu meinen größten Erfolgen zählen Titel im Einzel, im Doppel und mit der Mannschaft (Bundesliga sowie Nationalmannschaft). Im Einzel gehören dazu der Titel des Deutschen Meisters sowie des Vizeweltmeisters. Auch im Doppel durfte ich schon die deutsche Meisterschaft gewinnen, was mir sogar noch zusätzlich mit der Bundesligamannschaft KGB Hannover gelungen ist.

Zu meinen größten Erfolgen muss ich jedoch noch zusätzlich die Siege mehrerer Teamwettbewerbe mit der Nationalmannschaft zählen. Und ich hoffe, dass ich mit dieser Mannschaft auch noch den Weltmeistertitel hinzufügen kann.

 

Ich kenne Tischfussball nur aus der Kneipe und konnte mir bisher nicht vorstellen, dass Meisterschaften darum gespielt werden, wie lange bist Du denn schon dabei und machst bei Meisterschaften mit?

Meine Turnierteilnahmen fingen sehr klein an und wurden mit der Zeit immer mehr und größer. Angefangen mit den ersten Turnieren habe ich 2003 mit kleineren Turnieren im Raum Niedersachsen. Inzwischen sind kaum Turniere innerhalb Europas vor mir sicher.

 

Und wie entstand die Faszination des Spieles, das bei Dir ja scheinbar über einen Kneipenbesuch hinaus geht?

Die Faszination begann in der Schule, als wir in den Pausen und Freistunden unsere Zeit am Kicker vertrieben haben. Dort merkte ich schnell, dass ich irgendeine Fähigkeit besitze, dass ich trotz fehlender Spielkonzepte die Spiele stets für mich entscheiden konnte. Demnach machte ich mir diesbezüglich in der Schule schnell einen Namen.

Mit dem Beginn meines Studiums 2002 wollte ich mich in Hannover endlich mal mit Leuten messen können, die von dem Spiel mehr verstehen, als meine alten Schulkameraden. Diese konnte ich nach kurzer Recherche in Hannover ausfindig machen. Endlich durfte ich mal mehrere Spiele in Folge verlieren. Dennoch zeigte sich, dass ich auch gegen stärkere Spieler anhand meines Spielgefühls mithalten konnte. Das bemerkten auch Spieler der damaligen 2. Bundesligamannschaft, die mich folglich unter ihre Fittiche nahmen.

Demnach fesselte mich zum einen, dass ich etwas gefunden habe, bei dem ich sehr erfolgreich bin und zudem gibt es keine zweite Sportart, in der man so direkt und nah gegen einen Gegenspieler spielt, ohne Kontaktsport zu betreiben. Auch ist Tischfußball sehr intensiv und die Distanz zwischen absoluter Euphorie und tiefer Enttäuschung ist unglaublich gering.

 

Wie organisiert ist der Sport? Gibt es da viele Sponsoren, kann man da Geld mit verdienen?

Die Organisation hat in den letzten Jahren eine sehr starke Entwicklung vollzogen. Inzwischen ist der Sport durch einen Weltverband (itsf) organisiert, welcher der Dachverband vom Deutschen Tischfußballbund (DTFB) ist, unter dem knapp 6000 Spieler in den verschiedenen Landesverbänden gemeldet sind. Leider sind die Sponsoren sehr knapp gesät, da die mediale Präsenz noch zu gering ist, um für Sponsoren attraktiv zu sein. Seit letztem Jahr überträgt jedoch eurosport 2 die Teamevents der Nationalmannschaft im Fernsehen, was hoffentlich auf Dauer die Sponsoren locken kann. Dabei ist natürlich auch die Hoffnung, dass die Übertragungen den Sprung zum großen Bruder eurosport noch schafft.

Bis es so weit ist, müssen wir leider noch einen Hauptberuf ausüben, denn die Preisgelder, die man gewinnen kann, werden auch schnell von den Fahrt-, Hotel- und Turnierkosten wieder aufgefressen. Wenn man am Ende für sein Hobby kein Geld bezahlen muss, ist das für mich schon eine erfreuliche Tatsache.

 

Wie viele Spiele spielst Du denn so in einer Woche? Sicher viele? Ist das nicht auch irgendwann eine unglaubliche Belastung für die Handgelenke? Gibt es da Vorsichtsmaßnahmen?

Die Anzahl der Spiele kann man nicht wirklich benennen, die man in einer Woche spielt. Inzwischen ist es für mich wichtig, dass ich einmal in der Woche in unseren Vereinsheim mit anderen guten Spielern trainieren kann. Für die Automatismen, die man für ein gutes Turnierergebnis braucht, steht ein Kicker bei mir zuhause. Dort finden dann natürlich keine Spiele statt, obwohl man auch dort innerhalb eine Woche eine gewisse Zeit verbringt. Von Verletzungen bin ich bis jetzt zum Glück verschont geblieben, auch wenn Sehnen im Arm stärker beansprucht werden. Allerdings beugt eine saubere Technik Verletzungen auch vor.

 

Sind die Regeln zum „Kneipensport“ eigentlich sehr unterschiedlich? Ich gehe davon aus, dass nicht „gedreht“ werden darf, gibt es noch etwas?

Wie bei anderen Sportarten auch verfügt Tischfussball über ein größeres Regelwerk. Nach diesen Regeln wird in den meisten Kneipen natürlich nicht gespielt. Daher ist es in der Kneipe schon wichtig, welche Hausregeln es dort gibt. Das Drehen ist natürlich auch ein Bestandteil der Regeln. Zusätzlich ist das Anschlagen an die Seitenbanden beim Turnierspiel nicht gestattet. Solche Schläge sind in der Kneipe doch noch recht häufig zu sehen. Weitere Ausführungen über das Regelwerk würde dann doch zu sehr ins Detail gehen.

 

Möchtest Du den Leser noch etwas Spezielles mitteilen?

Ran an den Tisch!

 

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit Leuten, die mir an die Wäsche wollen.

 

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© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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